# taz.de -- „Sesamstraße“ gegen Rassismus: Wer nicht fragt, bleibt dumm
       
       > Die US-amerikanische „Sesamstraße“ hat zwei neue Figuren. „Elijah“ und
       > „Wes“ sollen helfen, Kinder über Rassismus aufzuklären.
       
 (IMG) Bild: Neu in der „Sesamstraße“: Wes und sein Vater Elijah sollen ein Zeichen gegen Rassismus setzen
       
       Unter dem Eindruck der jüngsten Rassismus-Debatten hat die weltweit
       bekannte [1][„Sesamstraße“] zwei neue Handpuppen in ihrem Ensemble
       vorgestellt. Mitte der Woche sind die neuen Figuren erstmals in Videoclips
       auf Youtube erschienen. Parallel stellten die Macher*innen ihr neues
       Projekt auf ihrer Webseite vor. Ziel sei es, Kinder über Rassismus
       aufzuklären und aktuelle Geschehnisse, wie die „Black Lives
       Matter“-Bewegung, abzubilden. Bei den neuen Puppen handelt es sich um den
       schwarzen Vater Elijah und dessen Sohn Wes, die in den Videos unter anderem
       über unterschiedliche Hautfarben sprechen. „Warum ist die Haut von Wes
       dunkel?“, fragt „Sesamstraße“-Bewohner Elmo, ein kleines rotes Pelzmonster.
       
       „Ich weiß es, Elmo“, antwortet Wes. „Meine Mami und und mein Papi haben es
       mir gesagt, das hat mit Melanin zu tun, nicht wahr, Papi?“ – „Das ist
       richtig. Melanin hat jeder von uns im Körper. Es gibt unserem Körper außen
       seine Farbe. Es gibt auch unseren Augen und unserem Haar die Farbe“,
       antwortet Vater Elijah.
       
       Seit 1969 ist die Sesamstraße eine Institution im Bildungsfernsehen der
       USA. Inzwischen ist sie außerdem in mehr als 150 Ländern zu sehen. In
       Deutschland läuft die Sendung seit 1973 – mit Unterbrechungen und immer mal
       wieder mit neuem Konzept. Sie richtet sich an Kinder im Vorschulalter und
       soll ihnen auf spielerische Art Wissen vermitteln – Alphabet und
       Einmaleins, wissenschaftliche Zusammenhänge, aber auch Alltagsfragen.
       
       Dabei spielte gesellschaftliche Vielfalt und Politik schon immer eine
       Rolle. [2][2013 stellte die US-Version eine Puppe namens Alex vor, deren
       Vater im Gefängnis sitzt]. 2017 war dort erstmals die Puppe Julia, eine
       Figur aus dem autistischen Spektrum, zu sehen. In der südafrikanischen
       Variante gibt es mit „Kami“ eine Figur, die durch eine Bluttransfusion mit
       HIV infiziert wurde.
       
       ## „Kinder sind nicht farbenblind“
       
       Die „Sesamstraße“ richtete sich nie einfach nur an die Mittelschicht,
       sondern immer vornehmlich an sozial schwächere Familien. Als fiktive Straße
       in der Großstadt, mit rauchenden Gullys und scheppernden Mülltonnen. Auf
       den Treppen vor den Häusern spielen Kinder und lassen sich, mal von Puppen,
       mal von den Erwachsenen, die Welt erklären. Neben Afroamerikanern leben in
       der fiktiven Straße Hispanics, Asiaten und Amerikaner mit weißer Hautfarbe.
       
       „Kinder sind nicht farbenblind. Sie bemerken als Kleinkinder schon
       Unterschiede in der Hautfarbe und entwickeln auch sehr früh ein
       Identitätsgefühl“, erklärt [3][Jeanett Betancourt, Leiterin des „Sesame
       Workshop“ in New York,] der die „Sesamstraße“ produziert, in einem Beitrag
       auf ihrer Webseite. „Indem wir zu den notwendigen Gesprächen ermutigen,
       können wir Kindern helfen, ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln und
       die Identität anderer zu wertschätzen.“ Es sollen demnächst auch Figuren
       hispanischer Herkunft vorgestellt werden.
       
       Schon in den letzten zwei Jahren hatte die Sesamstraßen-Familie Zuwachs
       bekommen: Basma, Jad und Ma'zooza hießen die neuen Puppen, die
       Flüchtlingskinder im Nahen Osten besuchten. Die drei neuen Figuren sprechen
       Arabisch und widmen sich spielerisch dem Thema [4][Trauma]. „Sesame
       Workshop“ hat in Zusammenarbeit mit dem International Rescue Committee
       (IRC) mehrere Folgen einer Staffel im Nahen Osten produziert.
       
       Später wurden auch noch die Zwillinge Noor und Aziz entwickelt, für eine
       spezielle Ausgabe auf YouTube, die sich an Kinder der Volksgruppe der
       Rohingya aus Myanmar richtet. Die Puppen sind dieser Volksgruppe
       nachempfunden. Damit sollen die Kinder, die kaum Zugang zum Bildungssystem
       haben und deren Familien vor Militärgewalt im Nachbarland Myanmar geflohen
       sind, zum Beispiel Mathematik lernen.
       
       Und in Deutschland? Hierzulande wurden bislang noch keine allzu heiklen
       Themen behandelt. Aber warum sollte Ernie nicht freitags streiken gehen und
       sich impfen lassen? Während Bert sich vorbereitet, das Bundesamt für
       Verfassungsschutz zu übernehmen um hier und da mal ein Machtwort zu
       sprechen. Währenddessen würde die Schnecke Finchen erklären, dass ein
       Tempolimit von 120 km/h für alle das Beste wäre und Grobi würde ganz
       ausversehen alle Atomkraftwerke gleichzeitig vom Netz nehmen. Rumpel steckt
       derweil in Schwierigkeiten, denn er wollte [5][über
       Schwangerschaftsabbrüche aufklären und hat jetzt dafür eine Anzeige am
       Hals].
       
       26 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ernie-und-Bert-sind-schwul/!5537005
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/panorama/us-sesamstrasse-thematisiert-inhaftierung-von-eltern-a-907045.html
 (DIR) [3] https://www.sesameworkshop.org/press-room/press-releases/sesame-workshop-continues-major-commitment-racial-justice-new-abcs-racial
 (DIR) [4] /Trauma-Paedagogik/!t5011902
 (DIR) [5] /Kristina-Haenel-ueber-ihr-219a-Urteil/!5745523
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Malaika Rivuzumwami
       
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