# taz.de -- AfD bei den Landtagswahlen: Vorläufige Schlappe
       
       > Bei den Landtagswahlen verliert die AfD deutlich an Stimmen, weitere
       > Unruhe steht bevor. Trotz allem hält eine Wählerbasis zu ihr – komme, was
       > wolle.
       
 (IMG) Bild: Ihm steht, gerade nach den Wahlniederlagen, weiter Ärger ins Haus: AfD-Chef Jörg Meuthen
       
       Am Ende wird es doch noch eine klare Niederlage. [1][Sowohl in
       Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz] fährt die AfD bei der
       Landtagswahl Verluste ein wie keine andere Partei. Sahen erste Prognosen
       die extrem Rechten noch halbwegs stabil, bröckelte das Ergebnis mit jedem
       ausgezählten Wahlkreis und jeder Briefwahlstimme.
       
       In beiden Ländern büßt die AfD nun mehrere Prozentpunkte ein und landet im
       einstelligen Bereich – von 15,1 auf 9,7 Prozent in Baden-Württemberg, von
       12,6 auf 8,3 Prozent in Rheinland-Pfalz. Die Partei verliert jeweils gut
       ein Drittel ihrer Wähler:innen, die meisten an die Nichtwählerschaft. Ihre
       Fraktionen schrumpfen zusammen, in Baden-Württemberg verliert die AfD auch
       ihre zwei bisherigen Direktmandate, ausgerechnet an die Grünen. Damit ist
       die Partei unstreitig – neben der CDU – der größte Verlierer des
       Wahlabends.
       
       Der Kurs, nach der Fundamentalopposition gegen die Asylpolitik nun
       [2][Gleiches bei der Corona-Politik] zu tun, zahlt sich somit vorerst nicht
       aus. Zu sehr rang hier die AfD anfangs um ihre Position, zu überschaubar
       bleibt letztlich doch das Spektrum derer, die die Corona-Maßnahmen in Gänze
       ablehnen. Nicht mal in Baden-Württemberg, eine der „Querdenken“-Hochburgen,
       hat das für die AfD funktioniert – vormals das westdeutsche Spitzenland der
       Partei.
       
       [3][Und auch von der CDU-Großkrise] profitieren die Rechtsaußen in beiden
       Ländern nicht. Die Niederlagen dürften weitere Unruhe in die gespaltene
       Partei bringen. Schon zuvor rebellierten große Teile der Mitglieder gegen
       AfD-Chef Jörg Meuthen und dessen vermeintlichen Mäßigungskurs, der
       parteiintern als Spaltung verstanden wird. Ein Kurs, den seine Opponenten
       nun in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erneut gescheitert sehen
       dürften.
       
       Schon bei den jüngsten Wahlaufstellungen in Sachsen und [4][Berlin]
       verbuchten die Parteiradikalen aus dem früheren „Flügel“ Landgewinne. Mit
       wem die AfD an der Spitze in den Bundestagswahlkampf ziehen will, [5][ist
       offen]. Noch ist nicht einmal klar, ob diese Frage auf dem bevorstehenden
       Bundesparteitag in Dresden entschieden wird.
       
       ## Eine Wählerschaft, die eine extreme Politik will
       
       Und dennoch hinterlässt der Wahlabend auch einen beunruhigenden Befund:
       Denn die AfD hat es – trotz aller Verluste – erneut geschafft, in zwei
       westdeutschen Landtagen deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde zu gelangen.
       Trotz der lähmenden inneren Flügelkämpfe. Trotz einer immer weiter
       fortschreitenden Radikalisierung. Trotz des festen Ansinnens des
       Verfassungsschutzes, die Partei bundesweit als Verdachtsfall einzustufen,
       bei dem „gewichtige Anhaltspunkte“ für verfassungsfeindliche Bestrebungen
       vorliegen.
       
       Die AfD besitzt damit auch im Westen diesen Landes eine stabile
       Wählerbasis, die zu ihr hält – komme, was wolle. Und die offenbar genau das
       will: eine radikale, extrem rechte Politik. Das ist kein gutes Zeichen. Im
       Osten besteht diese Wählerbasis ohnehin. In Sachsen-Anhalt etwa, wo im Juni
       als nächstes gewählt wird und wo die AfD in Umfragen über 20 Prozent liegt
       und einer zerrütteten Kenia-Koalition gegenübersteht. Gut möglich, dass
       sich der Abwärtstrend dort schon wieder umkehrt.
       
       Dass die Partei dann wieder feiern kann. Trotz – oder eben wegen – ihrer
       Tiraden gegen Migranten, Muslime oder Politiker:innen. Kein Grund zur
       Entwarnung also.
       
       15 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Landtagswahlen-in-Deutschland/!5757929
 (DIR) [2] /Proteste-gegen-Corona-Schutzmassnahmen/!5725575
 (DIR) [3] /Folgen-des-Maskenskandals-in-der-CDU/!5754659
 (DIR) [4] /Neue-Parteichefin-der-AfD-Berlin/!5757819
 (DIR) [5] /AfD-vor-der-Bundestagswahl/!5754156
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Baden-Württemberg
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Jörg Meuthen
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Baden-Württemberg
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Sozialarbeit
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt AfD
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Vor Parteitag am Wochenende: AfD sucht Spitzenkandidat:in
       
       Am Wochenende will die AfD ihr Wahlprogramm beschließen. Für Streit sorgt
       die Frage, mit wem an der Spitze sie in den Wahlkampf ziehen will.
       
 (DIR) CDU nach den Landtagswahlen: Auf der Suche nach dem Aufbruch
       
       Nach dem Wahldesaster im Südwesten spricht Parteichef Laschet davon, dass
       man kämpfen müsse. Doch er wirkt nicht kämpferisch.
       
 (DIR) AfD nach Landtagswahl-Schlappe: Und wieder gibt es Streit
       
       Nach den Verlusten bei den Landtagswahlen bricht in der AfD wieder Streit
       aus. Der Partei steht ein unruhiges Wahljahr bevor.
       
 (DIR) Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz: Die Sozialdemokratie schlägt zurück
       
       In einem Arbeiterviertel Ludwigshafens bekam die AfD 2016 mehr Stimmen als
       die SPD. Die kümmert sich wieder um die Basis und kann hoffen.
       
 (DIR) Polizeigewerkschafter werfen AfDler raus: „Menschenverachtende Partei“
       
       Die GdP fasst einen Unvereinbarkeitsbeschluss für AfD-Mitglieder. Diese
       sollen die Polizeigewerkschaft verlassen. Die Partei reagiert empört.
       
 (DIR) Schlappe für Verfassungsschutz: Bundesamt darf AfD nicht einstufen
       
       Das Verwaltungsgericht Köln untersagt dem Verfassungsschutz vorerst die
       gerade vollzogene Einstufung der AfD als rechtsextremen Verdachtsfall.