# taz.de -- Hamburger Polizei verfolgt Jugendlichen: Wie im Actionfilm
       
       > Die Polizei reagiert immer dünnhäutiger auf Verstöße gegen die
       > Maskenpflicht. Sie rast einem Jugendlichen hinterher und setzt
       > Hubschrauber ein.
       
 (IMG) Bild: Martialischer Auftritt: Polizisten bei einer Übung auf dem Hubschrauber
       
       Hamburg taz | Wie eine Entschuldigung liest sich das Statement nicht,
       [1][das die Polizei nach einer Verfolgungsjagd im Jenischpark
       veröffentlicht hat]. In der vergangenen Woche hatten Polizist*innen
       einen weglaufenden Jugendlichen in hoher Geschwindigkeit mit dem Auto über
       eine Wiese verfolgt.
       
       [2][Auf einem über Social Media verbreiteten Video] sieht man, wie der
       Polizeiwagen wie im Actionfilm bei einer Bremsung zur Seite wegglitscht,
       bevor er wieder beschleunigt. Dabei fährt er fast zwei Kolleg*innen an,
       die ebenfalls hinter dem Flüchtenden her rennen. Der Jugendliche hatte wohl
       die Coronaregeln verletzt und andere Jugendliche umarmt.
       
       Auf drei vollgeschriebenen Texttafeln erzählt die Polizei in ihrem
       Statement von frühlingshaftem Wetter, partyähnlichen Treffen
       Heranwachsender in Parks, bei denen diese regelhaft laute Musik hörten,
       massiv Alkohol konsumierten und die Coronaregeln verletzten.
       
       Zu dem konkreten Vorfall schreibt das Social-Media-Team: „Mit dem
       Eintreffen der Beamten zerstreuten sich die Jugendlichen.“ Vereinzelt
       hätten die Polizist*innen Verstöße geahndet und Personen angesprochen
       sowie eine Musikbox sichergestellt. Dabei sei ihnen ein junger Mann
       aufgefallen, der sich hervorgetan und andere umarmt habe – „sehr wohl
       wissend, dass die Polizei mittlerweile vor Ort war“. Als er geflüchtet sei,
       hätten sich die Szenen ereignet, die man auf dem Video sieht.
       
       ## Keine Fehler eingestanden
       
       Bezüglich der Verfolgungsjagd ringt sich die Pressestelle zu der
       umständlichen Formulierung durch: „Der Einsatz des Fahrzeugs erweckt auf
       den Videobildern auch bei uns den Eindruck, dass eine Gefahr für
       außenstehende Personen bestanden haben könnte.“ Der Einsatz werde mit dem
       Fahrer und den eingesetzten Beamt*innen „nachbereitet“.
       
       Auf die Frage, was das genau heißt, führt Polizeisprecher Florian Abbenseth
       interne Gespräche mit dem Fahrer und den anderen eingesetzten Beamt*innen
       an. Zudem sollten Zeug*innen befragt werden, auch zur Situation vor dem
       Eintreffen der Polizei. Das Dezernat Interne Ermittlungen sei außerdem mit
       dem Vorfall befasst.
       
       Zudem teilte die Polizei in einer Bilanz vom Wochenende mit, dass sie zur
       Kontrolle der Einhaltung der verschärften Maskenpflicht am Freitag, Samstag
       und Sonntag einen [3][Hubschrauber] eingesetzt hatte.
       
       „Dabei wurden Örtlichkeiten, an denen sich zuletzt immer wieder viele
       Menschen aufgehalten haben, identifiziert und entsprechende
       Übersichtsaufnahmen gefertigt“, erklärt Abbenseth. Dies sei nötig, weil die
       Polizei ja nicht überall gleichzeitig sein könne. Es gehe nicht darum, aus
       der Luft heraus Menschenansammlungen aufzulösen, sagt Abbenseth. In gut
       besuchten Parks und Grünanlagen an Alster und Elbe sowie in der Innenstadt
       gilt seit Samstag die Verpflichtung, eine medizinische Maske zu tragen.
       
       ## Eskalationsspirale in Gang gesetzt
       
       Der Hubschraubereinsatz sowie die Verfolgungsjagd im Park dürfte auf viele
       Bürger*innen trotzdem martialisch gewirkt haben. Schießt die Polizei mit
       Kanonen auf Spatzen? Manchmal passiere das, sagt der Polizeiwissenschaftler
       Rafael Behr, das sei aber vorherzusehen gewesen und durch eine
       beiderseitige Eskalationsspirale bedingt. Während die Bürger*innen der
       Coronamaßnahmen zunehmend überdrüssig würden, reagiere die Polizei
       zunehmend gereizt auf Überschreitungen.
       
       Ein Zeichen dafür, dass die Polizei außer Rand und Band sei, sieht Behr
       darin aber nicht. „Es entspricht [4][einem uralten Prinzip der Hamburger
       Polizei], zu zeigen, was man hat und dass man der Herr im Ring ist“, sagt
       Behr.
       
       Dieses vor allem männlich konnotierte Dominanzgebahren sei ein wesentlicher
       Bestandteil der Cop Culture. Darin liege wahrscheinlich auch die Begründung
       für den „Jagdinstinkt“, der die Beamt*innen im Jenischpark überkommen
       habe. Nachvollziehbar sei das schon, verhältnismäßig wohl aber eher nicht.
       
       1 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/PolizeiHamburg/status/1365277050496552964
 (DIR) [2] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Feiernde-in-Hamburg-Polizei-loest-mehrere-Treffen-auf,feiernde100.html
 (DIR) [3] /Laserpointer-gegen-Polizeihubschrauber/!5497601
 (DIR) [4] /Hamburgs-Polizei-eskalierte-Einsatz/!5687840
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Schipkowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Polizei Hamburg
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Polizei
 (DIR) Party
 (DIR) Alkoholverbot
 (DIR) Hamburg Schanzenviertel
 (DIR) Polizei
 (DIR) Polizei Hamburg
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
 (DIR) Polizeigesetz
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Polizei vertreibt feiernde Jugendliche: Im Namen der Verordnungen
       
       Die Hamburger Hotspot-Strategie führt zu Ausschreitungen. Statt jungen
       Menschen nach dem Lockdown Angebote zu machen, reagiert die Stadt mit
       Gewalt.
       
 (DIR) Hamburg bekämpft öffentliches Feiern: Die neuen Trinkregeln
       
       In Hamburg werden Orte, an denen junge Menschen Alkohol trinken, zu
       „Hotspots“ erklärt und von der Polizei geräumt – aber Kneipen dürfen
       öffnen.
       
 (DIR) Jugendliche müssen endlich feiern dürfen: Right to party
       
       Die Jugend hat unter Corona am meisten gelitten. Jetzt muss sie jung sein
       und entsprechend leben dürfen, statt schon wieder gegängelt zu werden.
       
 (DIR) Todesfall in Polizeigewahrsam: In der Zelle kollabiert
       
       In Delmenhorst ist ein 19-Jähriger nach einer Polizeikontrolle gestorben.
       Polizei spricht von tragischem Unglücksfall, aber es gibt Zweifel.
       
 (DIR) Dominanzkultur bei der Polizei: Den Dicken markiert
       
       Eine mangelnde Fehlerkultur und Dominanzgebaren haben bei der Polizei
       Tradition. Das ist traurig und gefährlich.
       
 (DIR) Emily Gorcenski enttarnt US-Neonazis: Mit Daten gegen Rechtsextreme
       
       Die Antifa-Aktivist*in und trans Frau Emily Gorcenski wird in den USA
       massiv von Neonazis bedroht. Jetzt enttarnt sie einige Täter auf ihrer
       Webseite.
       
 (DIR) Neues Polizeigesetz im Kieler Landtag: „Auf Kinder schießt man nicht“
       
       Am Freitag beschließt der Kieler Landtag ein Polizeigesetz, das den
       Beamt*innen mehr Befugnisse im Einsatz einräumt.
       
 (DIR) Lehrer über Rassismuserfahrungen: „Mit gezogener Waffe“
       
       Der Hamburger Lehrer Philip Oprong Spenner wurde für einen Einbrecher in
       seiner Schule gehalten. Rassismus durch die Polizei erlebt er öfter.