# taz.de -- Diebstahl, Unterschlagung, Fälschung: Verdachtsfall in Hamburgs AfD
       
       > Gegen den Geschäftsführer der Hamburger AfD-Fraktion Thorsten Prenzler
       > ermitteln zwei Staatsanwaltschaften wegen diverser Vorwürfe.
       
 (IMG) Bild: Da hieß er noch Thümler mit Nachnamen: der damalige CDU-Abgeordnete Thorsten Prenzler im Jahr 2003
       
       Hamburg taz | In der politischen Öffentlichkeit fällt der AfD-Politiker
       Thorsten Prenzler kaum auf. Bei der Veranstaltungsreihe „Fraktion im
       Dialog“ in der Hamburger Bürgerschaft tritt er mal als Moderator auf. Die
       großen Auftritte organisiert er jedoch eher für die Parteiprominenz. An der
       Elbe ist er aber als Geschäftsführer der AfD-Bürgerschaftsfraktion einer
       von denen, die im Hintergrund die Politik der Landes-AfD gestalten.
       Prenzler ist auch Vertretungsberechtigter der AfD-nahen
       „Desiderius-Erasmus-Stiftung Hamburg e.V.“ Gleichzeitig laufen gegen ihn
       Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls und Betrugs.
       
       Ein Verfahren führt die Staatsanwaltschaft Stade gegen Prenzler, der aus
       Buchholz kommt. „Der Verdacht der Unterschlagung und des Diebstahls wird
       überprüft“, bestätigt Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas der taz. Die
       Anklagebehörde in der niedersächsischen Stadt hält den Afd-Politiker für
       verdächtig, einen Bauunternehmer geprellt zu haben. Er soll Baumaterial im
       Wert von rund 10.000 Euro trotz mehrfacher Mahnungen nicht bezahlt haben.
       
       Bei einem Versuch des Bauunternehmers, von ihm geliefertes Material nebst
       Geräten zurückzuholen, soll der AfD-Politiker ihn des Grundstückes
       verwiesen haben. Beim zweiten Versuch soll das Material schon verbaut
       gewesen sein – und die Geräte verschwunden. Der Bauunternehmer erstattete
       Anzeige. Die Ermittlungen laufen bereits seit Anfang Oktober 2020, sie
       wurden aber erst am vergangenen Wochenende durch einen anonymen Hinweis an
       Hamburger Medien bekannt.
       
       Schon im Oktober war gegen Prenzler [1][eine andere Strafanzeige gestellt
       worden] – aus der eigenen Partei, von der AfD-Bürgerschaftsabgeordneten
       Olga Petersen. Wie im Januar bekannt wurde, geht es um den Vorwurf der
       Urkundenfälschung, wie die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana
       Frombach, der taz bestätigte. Ihrem Fraktionsgeschäftsführer hält die
       AfD-Abgeordnete vor, anders als er selbst angibt, habe er den akademischen
       Grad des Magister Artium gar nicht erreicht.
       
       In einem anonymen Schreiben an die taz und andere Redaktionen hatten die
       Verfasser*innen zudem behauptet, „Urkundenfälschung und Betrug in
       mehreren Fällen“ stünden im Raum. Es gehe um „hohe Summen“, sowie um das
       „Fälschen von Arbeitsverträgen“. Petersen soll belastendes Material
       zusammengetragen und die Vorwürfe in mehreren E-Mails gegenüber der
       Fraktion um die Vorsitzenden Dirk Nockemann und Alexander Wolf erhoben
       haben.
       
       Zu den Anschuldigungen möchte sich Prenzler nicht äußern. Die Fraktion
       verteidigt ihren Mitarbeiter aber in einer Stellungnahme. Die Vorwürfe von
       Petersen seien nicht neu. Die Fraktion habe sich eingehend damit befasst
       und festgestellt, dass die Vorwürfe falsch und „grob ehrabschneidend“
       seien. Die Staatsanwaltschaft werde das in ihrem Ermittlungsverfahren
       feststellen, heißt es in der Mitteilung.
       
       Auch jetzt stellt sich die AfD wieder schützend vor ihren Geschäftsführer,
       ohne konkret auf die laufenden Ermittlungen einzugehen. Die Vorwürfe seien
       aber nicht zutreffend, hieß es gegenüber der Hamburger Morgenpost.
       
       In der Hamburger AfD ist Prenzler aber nicht unumstritten. Schon 2016 kam
       Kritik an seiner Person auf. Denn Prenzler ist schon einmal wegen Betrugs
       verurteilt worden. Prenzler, der damals noch Thorsten Thümler hieß und
       inzwischen den Nachnamen seiner Ehefrau angenommen hat, hatte sich bei
       Hotels in Mecklenburg-Vorpommern Rabatte erschlichen, indem er vorgab, als
       Reisejournalist zu arbeiten. Als Nachweis hatte er Texte anderer Autoren
       vorgelegt. Die Oldenburger Nordwest-Zeitung deckte den Betrug auf. Das
       Amtsgericht Oldenburg verurteilte ihn wegen Betrugs in zwei Fällen zu einer
       Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro.
       
       Vor seiner Karriere in der AfD war Prenzler in der CDU, saß für sie
       zunächst im Gemeinderat Hude und im Kreistag des Landkreises Oldenburg.
       2003 zog er mit einem Direktmandat in den Niedersächsischen Landtag ein. Im
       Zuge der Betrugsvorwürfe legte er 2005 sein Landtagsmandat und seine Ämter
       in der CDU nieder.
       
       Vor dem Skandal hatte er auch politisch Schlagzeilen gemacht: Er
       unterzeichnete einen Solidaritätsappell für den damaligen
       CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus Hessen. Hohmann, heute
       AfD-Bundestagsabgeordneter, hatte am Tag der Deutschen Einheit 2003 eine
       Rede gehalten, die als antisemitisch kritisiert wurde. Er hatte die Juden
       wegen ihrer angeblichen Rolle im Stalinismus mit dem Begriff „Tätervolk“ in
       Verbindung gebracht.
       
       Gab er sich schon in der CDU als Rechtsaußen zu erkennen, steht Prenzler
       auch innerhalb der Hamburger AfD politisch eher am rechten Rand. Ihm wird
       vorgehalten, er nehme den Fraktionsmitarbeiter Benjamin Mennerich, der auch
       für den Bundestag kandidiert, gegen [2][interne Antisemitismus-Vorwürfe] in
       Schutz. In E-Mails, die der taz vorliegen, schreiben zwei AfD-Mitglieder,
       Mennerich habe angezweifelt, „dass der Holocaust jemals stattgefunden
       habe“. Prenzler werfen sie vor, er halte seine schützende Hand über
       Mennerich.
       
       Mit der Führung der „Desiderius-Erasmus-Stiftung Hamburg e.V.“ auf
       Landesebene könnte Prenzler bald Zugriff auf erhebliche Geldsummen aus dem
       Steuersäckel haben. Bei einem Wiedereinzug der AfD in den Bundestag würde
       ab 2022 die Desiderius-Erasmus-Stiftung mit Millionen aus dem
       Bundeshaushalt bezuschusst. Zuletzt war von 70 Millionen Euro die Rede. Die
       noch im Aufbau befindliche Landesstiftung firmiert derzeit an Prenzlers
       Buchholzer Privatadresse.
       
       9 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ermittlungen-gegen-AfD-Geschaeftsfuehrer/!5741691
 (DIR) [2] /Interner-AfD-Streit-ueber-Antisemitismus/!5749268
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) AfD Hamburg
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Hamburgische Bürgerschaft
 (DIR) AfD Niedersachsen
 (DIR) Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
 (DIR) Bezirksamt
 (DIR) AfD Hamburg
 (DIR) AfD Hamburg
 (DIR) AfD Hamburg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Grabenkämpfe in der AfD: Wechselseitige Ausschlussverfahren
       
       Der Fraktionsgeschäftsführer der Hamburger AfD will über ein
       Parteiausschlussverfahren Gegner loswerden. Nun wendet sich die Waffe gegen
       ihn.
       
 (DIR) AfD-Bundestagskandidatin Olga Petersen: Nahe beim Flügel
       
       Die Hamburger AfD-Direktkandidatin Olga Petersen ist rechts außen
       unterwegs. Für die Hamburger AfD wäre ihr Weggang eine Erleichterung.
       
 (DIR) Verwirrung um SPD-Bezirksamtschef: Ein Körbchen für die AfD
       
       Die Hamburger AfD bewirbt eine gemeinsame Veranstaltung mit
       SPD-Bundestagskandidat Falko Droßmann. Der will längst abgelehnt haben.
       
 (DIR) Interner AfD-Streit über Antisemitismus: Was Braunes in der Post
       
       Ein Fraktionsmitarbeiter der Hamburger AfD soll den Holocaust relativiert
       haben. Die Partei streitet intern und spricht nach außen von Verleumdung.
       
 (DIR) Ermittlungen gegen AfD-Geschäftsführer: AfDlerin zeigt Fraktionskollegen an
       
       Dem Geschäftsführer der Hamburger AfD Thorsten Prenzler wird
       Urkundenfälschung vorgeworfen. Angezeigt hat ihn eine AfD-Abgeordnete.
       
 (DIR) Wutbürger in Hamburg: Besorgte Rechtsschaffende
       
       Die AfD wollte am Montag über „Sicherheit“ diskutieren. Dann passierte in
       Berlin der Anschlag. Es folgte ein Abend mit rassistischen Rufen.