# taz.de -- AfD Berlin: Allemal verdächtig weit rechts
       
       > Die AfD, ein möglicher Verdachtsfall überall. Und in Berlin kandidieren
       > von Storch und Pazderski für den Landesvorsitz.
       
 (IMG) Bild: Kann doch weg, oder?
       
       Für viel Hickhack hat diese Woche die drohende Einstufung der AfD als
       rechtsextremer Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz gesorgt. Zunächst
       wurde die Partei gegen alle Widerstände, Eilklagen und in Berlin mit dem
       Durchstechen von Zwischenberichten sogar [1][Schützenhilfe aus dem
       Verfassungsschutz] selbst zum bundesweiten [2][Verdachtsfall eingestuft].
       Am Freitag wurde die durch Medienberichte bekannt gewordene Einstufung dann
       vom Verwaltungsgericht [3][vorerst wieder kassiert], diese
       [4][Entscheidung] ist wiederum anfechtbar.
       
       Die Einstufung des Verfassungsschutzes dürfte auf lange Sicht dennoch
       aufrecht erhalten bleiben: Allen [5][Mimikry-Versuchen] des Meuthen-Lagers
       zum Trotz gebe es „gewichtige Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche
       Bestrebungen“ in der Partei, wie es diese Woche hieß. Auch
       nachrichtendienstliche Mittel wie V-Leute oder
       Telekommunikationsüberwachung wären dann gegen die AfD einsetzbar.
       
       Schuld daran ist natürlich die AfD selbst. Sie strebt durch rassistische
       Aussagen, parlamentarische Blockaden, Schmutzkampagnen und Verflechtungen
       mit rechtsextremen Organisationen seit ihrer Gründung eine rechte
       Diskursverschiebung an und nähert sich immer mehr dem Label NPD 2.0 an.
       
       Im seit 2015 anhaltenden gesellschaftlichen Rechtsruck ist sie allerdings
       deutlich gefährlicher, als es die NPD je war: Denn die AfD verfügt immer
       noch über eine im Verhältnis zu anderen rechts außen stehenden Parteien
       eine größere Wählerschaft, die zwar schrumpft (in Berlin: 9 [6][Prozent]),
       aber sie auf absehbare Zeit in den Parlamenten halten wird – und das nicht
       trotz, sondern wegen der rechtsradikalen Ausrichtung. Im Zuge des
       Rechtsrucks steht Deutschland europaweit an der Spitze, [7][was rechten
       Terror und Gewalt angeht].
       
       ## Problem für Beamte
       
       Die drohende Einstufung basiert [8][laut Spiegel] auf einem rund
       tausendseitigen Gutachten, das der Verfassungsschutz seit Anfang 2019
       zusammengetragen hat. Es dürfte sich auf das stützen, was ohnehin durch die
       Arbeit von investigativen Recherchekollektiven und Journalist:innen
       bekannt ist.
       
       Probleme könnten durch die Einstufung künftig vor allem Beamte in der AfD
       bekommen: Polizist:innen, Lehrer:innen, Staatsanwält:innen,
       Richter:innen oder sonstige Staatsbedienstete mit
       Verfassungstreuepflicht.
       
       Allerdings hängt dies individuell davon ab, inwiefern sich Beamt:innen
       aktiv in der Partei oder an verfassungsfeindlichen Bestrebungen mitwirken,
       wie aus EU-Urteilen nach [9][Einschätzungen von Staatsrechtlern zum
       Radikalenerlass hervorgeht]. Überzeugte und verbeamtete AfDler:innen wird
       dies kaum bekümmern, zumal die Partei die Einstufung weiter juristisch
       anficht.
       
       Wo genau die Berliner AfD zu verorten ist, ist indes umstritten. Der erneut
       mit Beatrix von Storch für den Landesvorstand kandidierende Pazderski hatte
       stets auf einen bürgerlichen Anstrich gesetzt. Allerdings hatte er selbst
       zuvor die liberaleren Lucke-Anhänger:innen mit Hilfe des Flügels [10][von
       der Landesspitze weggerechtsruckt]. Pazderskis Social-Media-Postings und
       parlamentarische Reden erschöpfen sich in rassistischen Ausfällen,
       Law-and-Order-Rhetorik sowie Rot-Rot-Grün-Bashing. Beatrix von Storch steht
       für radikalchristliche und erzkonservative Familienpolitik und für
       Aussagen, die bis an den äußersten rechten Rand anschlussfähig sind.
       
       6 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /AfD-Berlin-und-der-Verfassungsschutz/!5742093
 (DIR) [2] /Verfassungsschutz-stuft-Partei-ein/!5755634
 (DIR) [3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-verwaltungsgericht-untersagt-verfassungsschutz-vorerst-beobachtung-a-227cabab-94b1-41d2-a361-e27e718c3d28
 (DIR) [4] https://www.vg-koeln.nrw.de/behoerde/presse/Pressemitteilungen/09_05032021/index.php
 (DIR) [5] https://www.der-rechte-rand.de/archive/7369/afd-verfassungsschutz-prueffall/
 (DIR) [6] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
 (DIR) [7] https://www.sv.uio.no/c-rex/english/groups/rtv-dataset/rtv_trend_report_2020.pdf
 (DIR) [8] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsextremismus-verdachtsfall-verfassungsschutz-beobachtet-afd-nun-bundesweit-a-136d80ce-4549-4a23-8174-19ad70f20643
 (DIR) [9] https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/afd-verdachtsfall-bedeutung-beamte-100.html
 (DIR) [10] /Von-Storch-und-Pazderski-kandidieren/!5750998
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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