# taz.de -- Extreme Kälte in den USA: Texaner:innen ohne Strom
       
       > Durch das Winterchaos gibt es vor allem im US-Bundesstaat Texas
       > Stromausfälle. Das hat Energiewende-Kritiker:innen auf den Plan gerufen –
       > zu Unrecht.
       
 (IMG) Bild: Pflugerville, Texas: in diesem zugeschneiten Wohngebiet ist der Strom ausgefallen
       
       Berlin taz | Fast überall Kälterekorde, Schnee an texanischen Stränden,
       mehrere Tote – die USA [1][versinken im Winterchaos]. Beim US-Wetterdienst
       ist von einem „noch nie dagewesenen und weitreichenden, gefährlichen
       Winterwetter“ die Rede.
       
       Im Norden sind die Temperaturen besonders schlimm, minus 38 Grad wurden im
       Bundesstaat Minnesota zwischenzeitlich gemessen – aber der Süden ist
       besonders schlecht vorbereitet. Einige Bundesstaaten haben mit
       Stromknappheit und -ausfällen zu kämpfen. Nirgendwo aber sind so viele
       Menschen davon betroffen wie in Texas.
       
       Am Montag, als sich der Engpass wegen des beispiellosen Heizbedarfs
       ankündigte, war der Netzbetreiber Electric Reliability Council of Texas
       (Ercot) die Sache noch humorvoll angegangen. „Zieht den Stecker bei all
       euren schicken, neuen Geräten, die ihr während der Pandemie gekauft und nur
       einmal genutzt habt“, schrieb die Organisation auf Twitter, um möglichst
       viele Menschen zum Stromsparen zu bewegen.
       
       Ercot betreibt das Stromnetz Texas Interconnection, das den Großteil des
       Bundesstaats abdeckt. Es ist nicht mit den anderen Stromnetzen der USA
       verbunden. Sich in dieser Frage der Bundesregulierung zu unterwerfen, die
       notwendige Folge eines integrierten Stromsystems, ließ sich schon in den
       Dreißigerjahren nicht mit dem texanischen Lokalpatriotismus vereinbaren.
       
       ## Eingefrorene Windräder und Gasleitungen
       
       Die Leitungen nach außen wurden gekappt. Das heißt aber auch, dass nicht
       mal eben Strom aus anderen Bundesstaaten importiert werden kann, wenn es
       eng wird.
       
       In den vergangenen Tagen hat sich die Lage zugespitzt. Laut dem
       [2][Datendienst Poweroutage] bekamen am Mittwochmorgen (Ortszeit) fast 3
       Millionen texanische Haushalten keinen Strom, zwischenzeitlich hatte die
       Zahl schon bei 4,4 Millionen gelegen. In manchen Landkreisen sind fast alle
       Haushalte betroffen.
       
       Über die Ursachen für die Notlage hat sich eine aufgeheizte Debatte
       entbrannt. Für viele Rechte ist klar: Schuld ist die Energiewende. „Das
       passiert, wenn man das Netz dazu zwingt, auf Windkraft zu bauen“,
       echauffierte sich etwa Dan Crenshaw auf Twitter, der für die Republikaner
       im Repräsentantenhaus sitzt.
       
       „Zu viele Subventionen für Windräder, zu wenig Investitionen in
       Gaskraft“, beklagte er. „Unterm Strich: Erneuerbare Energien funktionieren
       nicht gut bei extremem Wetter. Werden sie auch nie.“
       
       Tatsächlich standen etliche texanische Windräder still – eingefroren.
       Abgesehen davon, dass neuere Windräder durchaus Heizungen auf den
       Rotorblättern haben können, um genau das zu verhindern: Die Hauptursache
       für die Stromausfälle sind die stillstehenden Anlagen nicht.
       
       Insgesamt waren Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 30 Gigawatt
       ausgefallen. Und ungefähr 27 Gigawatt davon entfallen auf Gaskraftwerke.
       Vor allem fehlte es an Nachschub des fossilen Brennstoffs. Eingefroren sind
       nämlich nicht nur einige Windräder, sondern auch viele Gasleitungen.
       
       Texas’ Gouverneur, der Republikaner Greg Abbott, findet den Stromausfall
       „inakzeptabel“ und will jetzt eine offizielle Untersuchung zu den Vorgängen
       bei Ercot anschieben.
       
       Der Netzbetreiber ist allerdings formell eine Non-Profit-Organisation, die
       der bundesstaatlichen Aufsicht unterliegt. Und damit freilich vor allem der
       Kontrolle von Abbotts eigener Partei, die Texas schließlich seit
       Jahrzehnten regiert.
       
       18 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Schwarz
       
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