# taz.de -- Diversity-Umfrage der Berliner Grünen: Mehr Milieus möglich
       
       > Die Berliner Grünen stellen eine innerparteiliche Diversity-Umfrage vor.
       > Eine Migrantenquote für Ämter und Mandate lehnt die Parteispitze ab.
       
 (IMG) Bild: Grüne mit „familiärer Migrationsgeschichte“: Özcan Mutlu (links) und Cem Özdemir 2017
       
       Die Doppelspitze der Berliner Grünen lehnt eine Migrantenquote für Ämter
       und Parlamentsmandate ab. Es seien keine umsetzbaren Modelle bekannt, hieß
       es am Dienstag von den beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und Werner
       Graf. Der türkeistämmige frühere Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu, der
       eine Rückkehr ins Parlament anstrebt, hatte sich jüngst [1][im
       taz-Interview] für eine solche Quote starkgemacht. Stahr und Graf äußerten
       sich bei der Vorstellung einer Diversity-Umfrage unter den über 300 Amts-
       und Mandatsträgern des Landesverbandes.
       
       Alle Berliner Parteien müssten sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie
       die Vielfalt der Bevölkerung in den eigenen Reihen nicht ausreichend
       widerspiegeln, heißt es in deren Vorwort. Die Umfrage unter allen Berliner
       Parteimitgliedern, die in Kreisvorständen, Arbeitsgemeinschaften,
       Parlamenten auf allen Ebenen, der Landesregierung oder im Bezirk tätig
       sind, sollte mehr Klarheit bringen. Rund 80 Prozent oder 252 der Befragten
       gaben Antwort.
       
       Generelles Fazit der Landesvorsitzenden Stahr und Graf: „Wir sind
       vielfältiger, als viele von uns selber gedacht haben.“ Dennoch hätten auch
       die Berliner Grünen Nachholbedarf: „Wenn wir die Stadtgesellschaft stärker
       als bisher in unseren eigenen Reihen abbilden wollen, müssen wir Menschen
       aus verschiedenen Milieus noch stärker ansprechen.“
       
       Im Kern bestätigt die Umfrage das Klischee der Grünen als Akademikerpartei:
       Über 80 Prozent der Amts- und Mandatsträger haben ein Studium
       abgeschlossen, fast jeder zehnte hat einen Doktor- oder Professorentitel.
       Um da für andere Gruppen offener zu werden, muss sich aus Sicht von Stahr
       beispielsweise kommunikativ etwas ändern. „Wir müssen eine Sprache finden,
       die jeder versteht“, sagte sie.
       
       ## „Positiv überrascht“
       
       Im Punkt Vielfalt bei der Herkunft sehen sich die Berliner Grünen auf einem
       guten Weg. „Positiv überrascht sind wir von der Tatsache, dass mehr als ein
       Drittel eine familiäre Migrationsgeschichte haben“, äußerten sich Stahr und
       Graf. Familiäre Migrationsgeschichte bedeutet, dass mindestens ein
       Elternteil oder die Großeltern eingewandert sind.
       
       36 Prozent der teilnehmenden Amts- und Mandatsträger haben das angegeben.
       Eine Vergleichszahl für alle rund 10.000 Mitglieder des Berliner
       Landesverbands liegt nicht vor – nach Stahrs Gefühl entspricht der Anteil
       aber dem der Migranten in der gesamten Berliner Mitgliedschaft.
       
       Der frühere Abgeordnete Mutlu, der im Wahlkreis Mitte erneut für den
       Bundestag kandidieren will, hatte im taz-Interview vergangene Woche ein
       Defizit ausgemacht und sich für eine Quote eingesetzt: „Wir müssen dem
       Gefühl der fehlenden Repräsentanz strukturell etwas entgegensetzen.“
       
       Parteichefin Stahr sympathisiert zwar mit dem Anliegen, hält es aber wie
       ihr Co-Vorsitzender Graf nicht für realisierbar. „Eine Quote würde
       schwierig durchzusetzen sein – ich bin trotzdem sehr dankbar für die
       Diskussion darüber.“ Graf legte nahe, dass allein schon die Debatte darüber
       Auswirkungen auf die Kandidatenauswahl für die Abgeordnetenhauswahl 2021
       haben könnte.
       
       2 Sep 2020
       
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 (DIR) Stefan Alberti
       
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