# taz.de -- Geplante A 49 durch Dannenröder Wald: Autobahn um jeden Preis
       
       > 40 Kilometer Asphalt: In Nordhessen soll die A 49 durch ein
       > Trinkwasserschutzgebiet gebaut werden. Wasserwerker warnen vor den
       > Folgen.
       
 (IMG) Bild: Sechs Baumhausdörfer mit bis zu 50 Baumhäusern gibt es im Dannenröder Wald
       
       Dannenrod taz | Von Süden kommend, beginnt die Besetzung im Dannenröder
       Wald mit dem Baumhausdorf Oben. Auf einer Plattform hämmern zwei
       Aktivist:innen. Das soll die neue Küche werden. Denn die alte steht unten,
       am Boden. Da räumt die Polizei zuerst. „Wir rechnen damit, dass sie Mitte
       September mit Räumpanzern kommen“, sagt eine Waldbewohnerin, die sich
       Charlie Linde nennt.
       
       Wenn es nach der hessischen Landesregierung geht, soll die Waldbesetzung
       weg. Denn die Landesregierung will die A 49 mitten durch den Dannenröder
       Wald bauen lassen. Insgesamt geht es um gut 40 Kilometer Asphalt in
       Nordhessen. Im Weg stehen sechs Baumhausdörfer mit bis zu 50 Baumhäusern,
       alle auf der künftigen Trasse.
       
       Etwa 100 Menschen leben aktuell im Wald, sagt Linde. Viele von [1][Fridays
       for Future (FFF)] hätten ihre Sommerferien hier verbracht. Am Mittwoch
       trafen sich Abgesandte unter anderem von FFF, Campact, Ende Gelände, BUND
       und ansässigen Initiativen im Baumhausdorf Oben und planten Demonstrationen
       und Camps.
       
       Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, das den Großeinsatz
       durchführen müsste, sagt der taz: Bisher sei keine der rechtlichen
       Voraussetzungen dafür erfüllt, ein Beginn des Großeinsatzes sei nicht
       absehbar. Dass die Polizei zahlreiche umliegende Dorfgemeindehäuser ab
       Oktober angemietet hat, gehöre „zu den Einsatzvorbereitungen und ist nichts
       Außergewöhnliches.“
       
       Der Dannenröder Wald mit seinen vielen Buchen und Eichen gilt seit den
       1980er Jahren als Vorzeigewald für nachhaltige Forstwirtschaft. Kühl ist es
       hier und feucht, mit vielen Tümpeln und Pfützen. Das große Waldgebiet mit
       bis zu 300 Jahre alten Eichen macht sein eigenes Klima. Hier leben der
       Kammmolch, der Ameisenbläuling, der Gelbspötter, die Fledermausart Braunes
       Langohr und sogar Feuersalamander.
       
       ## Sonntägliche Waldspaziergänge
       
       Für die A 49 sollen hier nun über 100 Hektar gerodet werden. Auch in einem
       FFH-Gebiet, das nach EU-Recht unter Naturschutz steht. Tatsächlich ist die
       Baufläche sogar Trinkwasserschutzgebiet. Ein riesiges Grundwasserreservoir
       liegt unter mehreren Gemeinden der Region – und versorgt eine halbe Million
       Menschen. Auch Städte wie Gießen oder Frankfurt beziehen Wasser aus der
       Gegend. Nun sollen Maschinen bis zu 30 Meter tiefe Gruben graben.
       
       Die schwarz-grüne Landesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag für
       den Bau der A49 ausgesprochen, CDU-Kreisverbände haben gut 7.000
       Unterschriften gesammelt. Das Versprechen: Neue Jobs. Gleichzeitig
       engagieren sich Bürger:innen-Initiativen gegen den Bau. Pensionen sagen,
       sie hätten abgelehnt, für Bauarbeiter Zimmer zur Verfügung zu stellen –
       obwohl sie dann anderthalb Jahre ausgebucht wären. Landwirte fahren Wasser
       in den Wald, um die Besetzung zu versorgen, sonntags finden
       Waldspaziergänge statt.
       
       Hessens Verkehrsminister und Vize-Ministerpräsident ist der Grüne Tarek
       Al-Wazir. Seine Landespartei steht ihrem Ja zum Projekt gegen die Grünen
       vor Ort. Auch die Bundesgrünen sagen auf Anfrage: „Wir halten diesen
       Autobahnbau für falsch.“
       
       Untypisch ist, dass sich die Wasserwerke zu dem politischen Konflikt
       äußern. Sie vertreten die Interessen der Trinkwasserverbraucher:innen, mehr
       nicht. Diese Interessen sind hier betroffen. Also äußert sich der
       Geschäftsführer des Zweckverbands Mittelhessische Wasserwerke (ZMW). Für
       das Trinkwasser [2][sei das Großprojekt mit einem „hohen Risiko“
       verbunden], erklärte Karl-Heinz Schäfer schon im Herbst 2019. „Da darf kein
       Bagger an der falschen Stelle stehen und Öl verlieren.“
       
       Eine dicke Lehmschicht, die das Grundwasser aktuell schützt, soll mit
       Brückenpfeilern durchstoßen werden: Durch diese Lücken könnten Schadstoffe
       ins Trinkwasser gelangen. Auch wenn die A 49 in Betrieb geht, besteht ein
       Risiko: Was, wenn Lkws mit gefährlicher Fracht in einen Unfall geraten und
       die Stoffe auslaufen? Zudem hat das Bundesverwaltungsgericht 2019
       festgestellt, dass der Planfeststellungsbeschluss zur A 49 die europäische
       Wasserrahmenrichtlinie mißachtet – aber eine Klage des BUND abgewiesen.
       
       Die Wasserwerke werden vorsorglich zwei Brunnen außer Betrieb nehmen. „Bei
       planmäßiger, auflagengerechter und ordnungsgemäßer Baudurchführung dürfte
       die Risikolage weitgehend minimiert sein“, sagt Schäfer. Doch entscheidend
       sei, was auf der Baustelle passiere. „Restrisiken sind nicht zu vermeiden.“
       Wäre das Grundwasser für die Versorgung eventuell verzichtbar? „Der
       Grundwasserkörper ist selbstverständlich nicht verzichtbar“, sagt Schäfer.
       
       20 Aug 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Klimaprotest-trotz-Corona/!5703713&s=Fridays+for+Future+FFF/
 (DIR) [2] https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/kreis-giessen-grossprojekt-bringt-hohes-risiko-wasserversorgung-mittelhessen-13135647.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anett Selle
       
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