# taz.de -- Post aus dem Dannenröder Wald: Wenn die Tage gezählt sind
       
       > Viele Fakten sprechen gegen eine Rodung des „Danni“. Aber es gibt mehr
       > Gründe, diesen einzigartigen Mischwald zu retten. Zum Beispiel die
       > Menschen.
       
 (IMG) Bild: Widerstand im Wald: Baumhaus, das die Rodung des „Danni“ verhindern soll
       
       Diesen Artikel schreibe ich, während ich in 20 Metern Höhe auf einer
       Hängematte in meinem Baumhaus sitze. Vor mir taucht der Sonnenuntergang das
       Meer aus Blättern in ein warmes Licht und tief unten vom Waldboden
       erklingen die Stimmen der anderen Waldbesetzer*innen. Dieser Ort, der
       Dannenröder Wald, mein Zuhause, soll schon in wenigen Tagen zerstört
       werden.
       
       Ich könnte jetzt anführen, dass es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit
       ist, in der Klimakrise einen gesunden Mischwald für den Bau einer Autobahn
       zu zerstören. [1][Dass die Bäume teilweise mehr als 250 Jahre alt sind] und
       auf einer einzelnen Eiche 300 Arten von Lebewesen zu Hause sind. Dass die
       A49, die von Kassel nach Gießen geplant ist, wieder nur einigen Wenigen
       nützt und die Klimakrise weiter befeuert.
       
       Hinzufügen würde ich, dass es ein Skandal ist, dass in Hessen, wo der Danni
       liegt, [2][die Grünen mit in der Landesregierung sitzen und somit die A49
       mitzuverantworten haben]. Ich könnte von dem Widerstand der
       Bürgerinitiative berichten, die seit 40 Jahren gegen die A49 protestiert.
       Von den Aktivist*innen, die im letzten Jahr den Danni besetzt haben und ihn
       damit vor der Rodung schützen konnten.
       
       Ich könnte versuchen, in Worte zu fassen, welche Verbindungen in dieser
       Zeit aufgebaut wurden. Wie sich unterschiedliche Klimagerechtigkeitsgruppen
       dem Kampf für den Danni angeschlossen haben und sich gemeinsam unter dem
       Motto [3][„Wald Statt Asphalt“] der Verkehrswende widmen. Wie immer mehr
       Menschen begreifen, dass, wenn wir irgendwie der Klimakrise begegnen
       wollen, es einen radikalen Wandel in allen unseren Lebensbereichen braucht.
       
       ## CO2-Ausstoß, Artenvielfalt, Trinkwasserversorgung
       
       Ich könnte Fakten anbringen wie zum Beispiel, dass der Verkehrssektor der
       drittgrößte Verursacher an CO2-Emissionen in Deutschland ist oder dass die
       Flächenversiegelung durch die Autobahn ein Ökosystem unwiederbringlich
       zerstören wird.
       
       Ich könnte jetzt erklären, dass im Danni auch noch ein
       Trinkwasserschutzgebiet liegt, dass mehr als 500.000 Menschen mit Wasser
       versorgt. Dass der Bau der A49 dieses gefährdet, und all das [4][im dritten
       Dürrejahr in Folge], in dem bereits erste Kommunen mit Wasser extern
       versorgt werden müssen.
       
       Ich könnte den größeren Bogen spannen und erläutern, dass die A49 ein
       Symptom einer Gesellschaft ist, die ihre Probleme externalisiert und deren
       kapitalistisches System ihnen den Boden unter den eigenen Füßen weggräbt.
       Wie unsere Art, uns und Güter zu transportieren, nicht zukunftsfähig ist.
       
       All das könnte ich berichten und doch würde es niemals auch nur im Ansatz
       dem gerecht werden, wofür der Danni steht und was die Menschen hier
       gemeinsam erschaffen haben. Die Hoffnung und der Glaube daran, dass ein
       Wandel möglich ist, dass unser System nicht so sein muss, wie es ist, dass
       es nicht in Beton gegossen ist, schweißen alle zusammen.
       
       ## Manchmal muss man ein Baumhaus bauen
       
       Gemeinsam blicken wir auf das, was kommen wird, denn [5][die Gegenseite
       bereitet sich schon auf Räumung und Rodung vor]. Polizist*innen fahren im
       Wald Streife und [6][die Security Firma Mundt] patrouilliert im Wald. Es
       werden Geschichten über die Besetzung verbreitet und es wird versucht die
       Bewegung zu spalten.
       
       Und trotzdem kommen jeden Tag mehr Aktivist*innen, Unterstützer*innen und
       wohlgesonnene Menschen in den Danni. Wir passen aufeinander auf und lassen
       uns nicht einschüchtern. Auch wenn sie uns räumen und alles zerstören: Was
       wir hier gelebt haben, kann uns nicht mehr genommen werden.
       
       Inzwischen ist die Sonne untergegangen. Die letzten Strahlen erhellen noch
       den blauen Himmel. Langsam breitet sich eine fast schon herbstliche Kühle
       aus. Vom Waldboden schallen fröhliche Stimmen und Musik zu mir hoch.
       
       Manchmal bedeutet Teil der Veränderung zu sein, ein Baumhaus zu bauen,
       Abendessen zu kochen oder einen Text zu schreiben. Ganz gleich, wie sich
       Menschen einbringen wollen, der Danni ist der Ort, um selbst Teil der
       Lösung zu werden.
       
       25 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Dannenr%C3%B6der_Forst
 (DIR) [2] https://www.fuldainfo.de/gruene-nehmen-zum-weiterbau-der-a49-stellung/
 (DIR) [3] https://waldstattasphalt.blackblogs.org/
 (DIR) [4] https://www.mdr.de/wissen/klimawandel-prognose-extreme-duerre-in-mitteleuropa-wird-zunehmen-100.html
 (DIR) [5] https://www.fr.de/panorama/protest-und-polizei-im-dannishowdown-im-danniprotest-im-dannenroeder-wald-90049519.html
 (DIR) [6] https://www.iwsm.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joschik
       
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