# taz.de -- Künstliche Befruchtung für alle Frauen: Frankreichs Parlament billigt Gesetz
       
       > Macrons Wahlversprechen nimmt eine weitere Hürde. Damit Lesben und
       > Alleinstehende ihren Kinderwunsch verwirklichen können, muss nur noch der
       > Senat ja sagen.
       
 (IMG) Bild: Zwei Drittel der Französ*innen stehen hinter dem Gesetzentwurf ihres Präsidenten
       
       Paris afp | Die Öffnung der künstlichen Befruchtung für alle Frauen hat in
       Frankreich eine weitere wichtige Hürde genommen. Die Nationalversammlung in
       Paris stimmte am späten Freitagabend in zweiter Lesung für einen
       entsprechenden Gesetzesvorschlag der Regierung. Damit sollen auch Lesben
       und alleinstehende Frauen ihren Kinderwunsch verwirklichen können.
       
       Das Vorhaben ist ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron,
       das nach Umfragen zwei Drittel der Franzosen unterstützen. Massive Kritik
       kommt dagegen von Konservativen und der katholischen Kirche. Sie
       argumentieren, das Gesetz beraube Kinder einer Vaterfigur und bedrohe
       traditionelle Familienstrukturen. Immer wieder kam es zu Protesten gegen
       die Pläne.
       
       Macron lobte im Kurzbotschaftendienst Twitter nun [1][„das Engagement von
       Parlamentariern, Regierungsmitgliedern und des nationalen
       Ethik-Beratungsausschusses“]. Auf „friedliche Debatten“ sei die „die
       Annahme eines ausgewogenen Textes“ gefolgt. Vertreter von
       Homosexuellen-Vereinigungen begrüßten die Abstimmung als „historischen
       Fortschritt für die Rechte und die Freiheit der Frauen“.
       
       Das Gesetz ist mit dem positiven Votum noch nicht verabschiedet. Der Senat
       muss noch darüber befinden. Bereits in erster Lesung hatte die konservative
       Mehrheit im Oberhaus auf eine wichtige Änderung gepocht: Demnach soll die
       künstliche Befruchtung für Lesben und alleinstehende Frauen nur bei
       Unfruchtbarkeit oder aus anderen medizinischen Gründen von der Krankenkasse
       bezahlt werden.
       
       Das Unterhaus, das am Ende das letzte Wort hat, bestand wie bereits in
       erster Lesung auf einer nahezu identischen Fassung des ursprünglichen
       Texts. Der Senat könnte sich eventuell erst im nächsten Jahr damit befassen
       und einen Kompromiss fordern.
       
       Neben der Öffnung der künstlichen Befruchtung für alle Frauen sieht der
       Gesetzentwurf eine Reform der Regeln für Kindschaftsverhältnisse vor. Auch
       eine Reihe weiterer strittiger Themen, etwa die Konservierung von Eizellen
       und die Forschung mit embryonalen Stammzellen, soll neu geregelt werden.
       
       1 Aug 2020
       
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 (DIR) [1] https://twitter.com/EmmanuelMacron/status/1289413852224839681
       
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