# taz.de -- Ferienende in Hamburg: Unfall überschattet Schulbeginn
       
       > Neunjähriger fällt aus Schulfenster vier Meter in die Tiefe. Es war
       > vermutlich wegen Corona geöffnet. Schutzmasken kamen etwas später an.
       
 (IMG) Bild: Muss seit dem Schulstart immer zur Hand sein: Mund-Nasen-Bedeckung
       
       Hamburg taz | Freitag früh fiel in Hamburg ein neunjähriger Junge aus dem
       ersten Stock eines Schulhauses. Das Kind kam laut Polizei mit schweren
       Kopfverletzungen und einer Lungenprellung ins Krankenhaus. Nach ersten
       Erkenntnissen war der Junge auf die Fensterbank geklettert, um ein
       Oberfenster zu öffnen. Dabei bemerkte er wegen eines Vorhangs nicht, dass
       der untere Teil des Fensters schon offen war, und fiel vier Meter tief.
       
       „Der Unfall betrübt uns sehr. Wir sind in Gedanken bei dem Jungen und
       seiner Familie“, sagt Schulbehördensprecher Peter Albrecht. Man sei dabei,
       den Vorfall zu prüfen. „Davon hängen dann geeignete Maßnahmen ab.“
       
       Der Unfall, über den zuerst der NDR berichtete, ist der traurige Endpunkt
       einer Woche, in der heftig um [1][die geplante Schulöffnung] gestritten
       wurde. Als unstrittig gilt, dass Lüftung wichtig ist, um Corona-Ansteckung
       über Aerosole zu verhindern.
       
       Die Behörde forderte die Schulen auf, „deutlich stärker darauf zu achten,
       geschlossene Räume regelmäßig komplett zu lüften“. Dies solle in Pausen
       oder auch durch Unterbrechung des Unterrichts geschehen. Sollten die
       Fenster aus Sicherheitsgründen zu sein, sollte eine Lehrkraft die Lüftung
       beaufsichtigen, so der Plan.
       
       ## Virologe wirbt für Kompromisse
       
       Zu Beginn der Woche hatten [2][Eltern in einem offenen Brief kritisiert],
       dass der Schulbetrieb unsicher sei. Dabei ging es auch um Masken.
       Schulsenator Ties Rabe (SPD) legte fest, dass die Schüler ab Klasse 5 auf
       Fluren und in Pausen Masken tragen müssen, diese aber im Klassenzimmer
       ablegen dürfen. Die Elterngruppe will die Maskenpflicht auch im Unterricht.
       
       Rabe beruft sich unter anderem auf ein [3][Konzept-Papier der Gesellschaft
       für Kinder- und Jugendmedizin]. Dem entgegen steht nun ein [4][Papier der
       Gesellschaft für Virologie], das sich für Masken im Unterricht ausspricht.
       Unterschrieben hat es auch Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger
       Bernhard-Nocht-Institut, der bisher Rabes Konzept stützte.
       
       Der sieht in der Stellungnahme keinen Widerspruch. „Wir argumentieren rein
       aus virologischer Sicht“, sagte er der taz. Aus pädagogischer oder
       pädiatrischer Sicht sehe die Sache anders aus. „Da ist ganz klar ein
       Kompromiss notwendig.“
       
       In einem Rundbrief am Donnerstag teilt die Behörde mit, dass eine
       Maskenpflicht auch nicht auf Beschluss von Lehrer- oder Schulkonferenz
       zulässig sei. Auf „Freiwilligkeit beruhende Absprachen“ zwischen Lehrern
       und Schülern seien aber möglich.
       
       Etwas zu spät kam nach Einschätzung von Kritikern ein Brief der
       Schulbehörde, der den Kindern am Donnerstag ausgeteilt wurde. Die Eltern
       sollen darin zusichern, dass sie nicht später als am 22. Juli aus einem
       Risikogebiet zurückgekehrt sind. Unterschrieben zurück gegeben werden
       sollte der Zettel bis Montag, also drei Tage nach Schulbeginn.
       
       ## Nur 143 Schulen rechtzeitig beliefert
       
       Und noch etwas lief nicht rund. Schulsenator Rabe hatte den Lehrkräften zu
       ihrem eigenen Schutz 50.000 Visiere und FFP-2-Masken zugesichert, die
       besser als die bereits verteilten rund 80.000 Mund-Nasen-Bedeckungen auch
       den Träger selber vor Infektion schützen sollten. Die Lieferung kam jedoch
       bis zum Schulstart am Donnerstag nur bei 143 der 372 Schulen an.
       
       Die Behörde nennt logistische Gründe. So war zunächst geplant, dass sich
       die Lehrkräfte die Masken in der Schulbehörde abholen, bevor entschieden
       wurde, sie von einer Firma ausliefern zu lassen. „Dieser Service,
       insbesondere die Umverpackung auf kleinere Pakete, verlängert die
       Auslieferung um rund vier Tage“, sagt Sprecher Albrecht.
       
       Das kam nicht nur gut an. Christian Gefert von der Vereinigung der
       Leitungen Hamburger Gymnasien und Studienseminare (VLHGS) sagte am
       Donnerstag zur taz: „Wir als Schulen sind sehr enttäuscht“. Solle diese
       Ausrüstung Sinn ergeben, müsse sie „zum Schulstart vorliegen“. Die Behörde
       verspricht: Spätestens Dienstag sind alle Schulen versorgt.
       
       8 Aug 2020
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://www.g-f-v.org/sites/default/files/Stellungnahme%20GfV_Bildungseinrichtungen_20200806_final_sent.pdf
       
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 (DIR) Kaija Kutter
       
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