# taz.de -- Tödlicher Polizei-Schuss in Bremen: Einsprachigkeit kann töten
       
       > In Bremen scheitern Polizisten daran, sich mit einem Mann in einer
       > psychosozialen Krise zu verständigen – mit tödlichen Folgen
       
 (IMG) Bild: Spurensuche: Im Gröpelinger Breitenbach-Hof hat die Polizei einen Mann erschossen.
       
       Wenn ein Mensch [1][infolge eines Polizeieinsatzes stirbt], ist ein
       entsetzlicher Fehler passiert. Immer. Wer schuld ist, dass [2][am
       Donnerstag ein Mann im Gröpelinger Breitenbach-Hof erschossen] wurde,
       spielt dabei eine geringe Rolle. Politisch relevant ist hingegen die Frage:
       Was im System hat dazu geführt, dass hier geschossen wurde? Ließe sich das
       künftig vermeiden?
       
       Darauf geben Smartphone-Videos vom Vorfall mehr Hinweise als auf die Frage,
       wohin der Todesschütze traf: Ob jemand verblutet, weil eine Polizeikugel
       seine Oberschenkel-Arterie durchtrennt – so starb ebenfalls am Donnerstag
       ein 23-Jähriger im Kreis Emsland – oder ob ein Vitalorgan beschädigt wurde,
       ist unwichtig. Gut lässt sich jedoch nachvollziehen, wie die Kommunikation
       scheitert zwischen den Polizist*innen und dem Mann, der später sterben
       wird.
       
       Und das macht klar, dass es kein Zufall ist, sondern Folge
       [3][systeminhärenter Xenophobie], dass mal ein Marokkaner, mal ein Guineer
       Opfer werden. Denn die sehr erregte Ansprache der Profis verfängt sich
       sofort in rasendem Leerlauf: „Sie legen das sofort aus der Hand!“ – „Was
       haben Sie da?“ – „Leg das Messer weg!“ – -„Legen Sie das Messer auf den
       Boden, dann machen wir die Waffen auch weg!!!“ – „Mit Messer.“ – „Das
       Messer!“ – „Das Messer!!“ – „Legen Sie das Messer weg!!!“ – „Messer weg!“ –
       „Mach Pfeffer klar!“ – „Das Messer weg!!!“ – „Das Messer!“
       
       Es fehlt jeder Versuch, zu klären, ob der Umzingelte auch versteht, wozu er
       da aufgefordert wird. Es fehlt ein Versuch, in eine andere Sprache zu
       wechseln, Arabisch wäre gut, aber oft reichen schon Englisch, Französisch
       oder Spanisch, um einen gemeinsamen Kanal zu finden. Sich auf das
       Gegenüber, das gerade eine psychische Krise erlebt, einstellen zu können,
       das ist in einem Einwanderungsland oft eine Frage um Leben und Tod; in
       diesem Fall war es eine. Benötigt wird dafür eine Polizei, [4][die nicht im
       monolingualen Habitus gefangen] bleibt. Denn der ist tödlich.
       
       .
       
       20 Jun 2020
       
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 (DIR) [4] https://www.bpb.de/apuz/32955/vom-umgang-mit-mehrsprachigkeiten
       
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