# taz.de -- Gedenk-Diskussionen um Arthur Menge: Einer von vielen
       
       > Ambivalent waren andere auch. Umso wichtiger wäre, dass über die Ehre von
       > Hannovers Ex-OB Arthur Menge nicht nur die Täter-Nachkommen entscheiden.
       
 (IMG) Bild: Kein Denkmalsturz: Ein Stück „Arthur-Menge-Ufer“ heißt inzwischen nach dem toten Torwart Robert Enke
       
       Die 300 Euro können nicht das Problem sein: Darauf beläuft sich der
       jährliche Betrag, den die Stadt Hannover für die Grabpflege übernähme –
       wenn sie ihren Oberbürgermeister der Jahre 1925 bis 1937 dieser Ehre für
       würdig erachtete.
       
       Schwerer als dieser verschwindende Posten wiegt an der Diskussion um
       [1][Arthur Menge] das Symbolische: Darf man so einen ehren? Einen
       Mitläufer? Einen Mann aber auch, den andererseits die Attentäter des gerade
       sich jährenden 20. Juli in Erwägung für höhere Aufgaben zogen – wenn Adolf
       Hitler erst beseitigt gewesen wäre?
       
       Eigentlich sind die, die darüber zu befinden haben, in einer
       vergleichsweise komfortablen Lage. Denn mit der Kategorie der
       [2][„bedeutenden Grabstätte“] kann sich die niedersächsische
       Landeshauptstadt herumschummeln um die Peinlichkeit, dubiose Figuren der
       Geschichte persönlich zu ehren. Bezeichnenderweise resultierte diese
       Konstruktion aus der Beschäftigung mit einem anderen, mindestens so
       problematischen ehemaligen Leistungsträger, dem früheren
       Ministerpräsidenten [3][Hinrich Wilhelm Kopf].
       
       Dass es sich aber beim ambivalenten Menge um einen für die Stadt
       bedeutenden Mann handelte, steht außer Frage; Bedeutung fußt halt nicht
       immer auf Erfreulichem, zu dem wir bis heute stehen mögen. Und so schlecht
       steht er gar nicht da – verglichen mit vielen, die im NS-Regime etwas waren
       und später auch, die weitermachen durften, weil man sie brauchte und schon
       mal opportunistisch hinweg sah übers unmittelbar Zurückliegende.
       
       Was sagen eigentlich die Überlebenden? Was die Nachkommen derer, die nach
       1933 in Hannover Gängelung und Ausschluss erlitten, aus der Stadt gejagt
       wurden oder gleich ermordet?
       
       Auch in dieser Hinsicht lassen sich solche Entscheidungen ja besser oder
       schlechter treffen: Indem man nicht mehr als nötig für jene spricht, die
       die besten Gründe hätten, sich zu stoßen am Blumenschmuck auf Kosten der
       Steuerzahler*innen; sondern sie selbst zu Wort kommen lässt – und ihnen
       dann auch noch zuhört.
       
       26 Jul 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Menge
 (DIR) [2] https://www.hannover.de/content/download/722241/18130358/file/Ehrengraebersatzung.pdf
 (DIR) [3] /NS-Verstrickungen/!5045515
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexander Diehl
       
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