# taz.de -- Deutsche Rüstungsexporte: Waffen für Jemen-Kriegs-Allianz
       
       > Die Bundesregierung verurteilt den Krieg im Jemen. Trotzdem genehmigte
       > sie Rüstungsexporte in Milliardenhöhe an Staaten, die dort kämpfen.
       
 (IMG) Bild: Die GroKo will das Ende des Jemen-Kriegs. Kämpfende Staaten kriegen trotzdem deutsche Rüstungsgüter
       
       Berlin dpa | Die Große Koalition hat seit Januar 2019 [1][Waffenexporte]
       für mehr als eine Milliarde Euro an die Länder der Kriegsallianz genehmigt,
       die im Jemen gegen die Huthi-Rebellen kämpft. Allein für Ägypten wurden
       innerhalb von knapp 15 Monaten 21 Lieferungen für 802 Millionen Euro
       erlaubt, für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) waren es 76
       Einzelgenehmigungen im Wert von 257 Millionen Euro. Die Zahlen gehen aus
       einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der
       Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur
       vorliegt.
       
       An drei weitere Mitglieder des Bündnisses – Bahrain, Jordanien und Kuwait –
       gingen Exporte für zusammen 119 Millionen Euro. Die Führungsmacht
       Saudi-Arabien erhielt dagegen nur Geländewagen für 831 003 Euro. Das
       Königreich ist das einzige Land der Allianz, gegen das die Bundesregierung
       unter anderem wegen des Jemen-Krieges seit November 2018 einen kompletten
       Rüstungsexportstopp verhängt hat. Die Geländewagen waren die einzige
       Ausnahme, die seitdem gemacht wurde.
       
       Die insgesamt 224 Exportgenehmigungen vom 1. Januar 2019 bis zum 24. März
       2020 summieren sich auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Zwei weitere Länder, die
       derzeit auch zu der Allianz überwiegend arabischer Staaten gezählt werden,
       fehlen aber dabei. Für die Genehmigung eines Exports in den Sudan nannte
       das Ministerium keinen Wert und Mauretanien kommt in der Aufstellung nicht
       vor.
       
       Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf einen
       Rüstungsexportstop für alle „unmittelbar“ am Jemen-Krieg beteiligten
       Staaten verständigt, der nur für Saudi-Arabien vollständig umgesetzt wurde.
       Die Linke fordert dagegen einen Exportstopp für alle in irgendeiner Form an
       dem Krieg beteiligten Staaten. „Die Bundesregierung macht sich mit ihren
       gigantischen Waffenlieferungen an die von Saudi-Arabien angeführte
       Kriegsallianz mitverantwortlich für das unermessliche Leid im Jemen“, sagte
       die Linken- Außenpolitikerin Dagdelen. „Das Waffenembargo gegen die
       Kopf-ab- Diktatur in Riad reicht lange nicht.“
       
       ## Fünf Jahre Krieg und keine Ende in Sicht
       
       Der Eingriff der von Saudi-Arabien geführten Allianz in den [2][Bürgerkrieg
       im Jemen] hatte sich in der vergangenen Woche zum fünften Mal gejährt. Die
       schiitischen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden, hatten 2014
       den Jemen überrannt und weite Gebiete samt der Hauptstadt Sanaa unter ihre
       Kontrolle gebracht. Die saudische Luftwaffe kam der jemenitischen Regierung
       zur Hilfe und bombardierte vor allem mit Unterstützung der VAE Stellungen
       der Huthis.
       
       Das Bündnis ist fünf Jahre nach Kriegseintritt allerdings brüchig. Die
       Emirate und der Sudan haben die meisten ihrer Truppen aus dem
       Bürgerkriegsland abgezogen. Auch Ägypten – mit 440 000 Mann eigentlich
       eines der stärksten Militärs im arabischen Raum – hat eher eine Nebenrolle:
       Ägyptens Marine kontrolliert vor allem die Meerenge Bab al-Mandab, die zu
       den weltweit wichtigsten Schifffahrtsstrecken zählt. Das Land will damit
       auch das angrenzende Rote Meer und den heimischen Sueskanal vor Angriffen
       der Huthis schützen.
       
       Neben den genannten Mitgliedern des Bündnisses kommt Unterstützung auch
       noch von anderen Ländern. Pakistanische Truppen schützen in Saudi-Arabien
       die Grenzregion zum Jemen. Logistische Unterstützung kam zudem von Somalia
       und dem benachbarten Dschibuti. Der Zwergstaat am Horn von Afrika liegt nur
       etwa 30 Kilometer von der Küste des Jemen entfernt und hat Saudi-Arabien
       den Bau einer Militärbasis genehmigt.
       
       Weder die Koalition noch die einzelnen Länder machen aber genaue Angaben
       dazu, in welchem Umfang sie am Jemenkrieg beteiligt sind. Die USA und
       Großbritannien unterstützen das Bündnis mit Geheimdienstinformationen.
       
       1 Apr 2020
       
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