# taz.de -- Aktion für Geflüchtete in Hamburg: Spuren legen verboten
       
       > Die Polizei verbietet in Corona-Zeiten Demonstrationen. Um trotzdem
       > Solidarität mit Geflüchteten zu zeigen, greifen Aktivist*innen zu Kreide.
       
 (IMG) Bild: Hier versucht jemand, Spuren zu beseitigen
       
       Hamburg taz | Spuren zu hinterlassen, um die Evakuierung von Flüchtlingen
       in den Lagern an den EU-Außengrenzen zu fordern – das haben am Sonntag
       viele HamburgerInnen bei einem bundesweiten Aktionstag unter dem Motto
       „Leave No One Behind“ versucht. Die Versammlungsbehörde hatte eine
       Demonstration wegen der Corona-Allgemeinverfügung untersagt.
       Aktivist*innen der Seebrücke hatten dagegen geklagt, doch das
       Verwaltungsgericht [1][bestätigte das Verbot].
       
       „Das Verbot ist inakzeptabel, inhaltlich unbegründet und
       verfassungswidrig“, sagt der Anmelder und Aktivist der Hamburger Seebrücke,
       Christoph Kleine. Die Aktivist*innen hatten im Vorfeld betont, dass sie den
       Infektionsschutz ernst nehmen und die Gesundheitsstandards einhalten
       würden. „Es wäre nicht gefährlicher gewesen, als einkaufen zu gehen“, sagt
       Kleine. Trotz des Verbots kamen am Sonntag mehrere Menschen am Fischmarkt
       auf St. Pauli, in Ottensen und in Wilhelmsburg zusammen und stellten Schuhe
       auf die Straße oder umrandeten ihre Fußabdrücke auf dem Boden mit Kreide.
       
       Mehrfach kam es dabei zu Diskussionen mit der Polizei. Die BeamtInnen
       sammelten die Schuhe ein und verstauten sie in Müllsäcken, nahmen
       Personalien der Protestierenden auf und bedrohten sie mit
       Bußgeldforderungen. Am Fischmarkt sprachen sie gegenüber einer
       Demonstrantin eine Ordnungswidrigkeit aus, weil diese mit Kreide auf den
       Boden gemalt hatte. Einem Mann, der die Szenen mit seinem Handy gefilmt
       hatte, nahmen sie das Telefon weg. In Ottensen bekam eine Frau einen
       Platzverweis, weil sie „Griechische Lager sofort evakuieren“ mit Kreide auf
       den Spritzenplatz gemalt hatte.
       
       In Berlin mussten die Protestierenden [2][ähnliche Repressionen über sich
       ergehen lassen]. Auch dort nahm die Polizei Personalien auf und drohte mit
       Anzeigen.
       
       ## Ein Hotel steht bereit
       
       Die [3][Petition Leave No One Behind] hat in etwa zwei Wochen fast 300.000
       UnterstützerInnen erreicht. Den bundesweiten Aktionstag unterstützten
       Gruppen wie Ende Gelände, Fridays For Future, der Flüchtlingsrat und die
       Interventionistische Linke. Ihnen geht es vor allem um die Situation in
       Flüchtlingslagern wie Moria auf Lesvos, wo 20.000 Menschen unter
       katastrophalen hygienischen Bedingungen ausharren. „Um eine humanitäre
       Katastrophe zu verhindern, muss die deutsche Regierung jetzt handeln“,
       fordern sie. Wie viele deutsche Städte hat sich auch Hamburg vor rund einem
       Jahr zum „sicheren Hafen“ erklärt – also bereit dazu, mehr Flüchtlinge
       aufzunehmen.
       
       Dass das schnell passiert, fordern auch die Initiator*innen der Kampagne
       „Open the Hotels“, die von der Gruppe Lampedusa in Hamburg und der
       Flüchtlingsberatungsstelle Café Exil unterstützt wird. Ihr Ziel ist es,
       dass während der Coronakrise leere Hotelräume als Unterkünfte für
       Wohnungslose genutzt werden können.
       
       „Die Notprogramm-Unterkünfte sowie die Flüchtlingslager an der EU-Grenzen
       haben dasselbe Problem: Sie sind überfüllt“, sagt eine Aktivistin von „Open
       the Hotels“. „Dagegen sind leere einzelne Hotelzimmern perfekt um die
       Menschen aufzunehmen.“ Nach Angaben der Initiative hat sich ein Hamburger
       Hotel schon bereit erklärt, Obdachlose aufzunehmen. Ende der vergangenen
       Woche habe sich die Initiative mit dem Angebot des Hotels an die
       Sozialbehörde gewandt, die ihr „Okay“ geben müsste. Die Antwort stehe noch
       aus.
       
       5 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://seebruecke-hamburg.de/2020/04/04/pm-4-4-2020-aktion-am-fischmarkt-bleibt-verboten/
 (DIR) [2] /Proteste-fuer-Gefluechtete/!5673520/
 (DIR) [3] https://www.change.org/p/leavenoonebehind-jetzt-die-corona-katastrophe-verhindern-auch-an-den-au%C3%9Fengrenzen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Dotti
       
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