# taz.de -- Beauftragter für die Neuen Länder: Abschaffen, sofort und unverzüglich
       
       > Nach einem Gratulationstweet an Thomas Kemmerich muss Christian Hirte
       > seinen Posten niederlegen. Da muss kein Neuer nachkommen.
       
 (IMG) Bild: Zu früh gefreut – Ostbeauftragter Hirte musste seinen Posten aufgeben
       
       Ganz schön was los gerade. [1][In Thüringen wählen die CDUler] und die
       Liberalen zusammen mit der ultrarechten Höcke-AfD den Inhaber einer
       Frisörkette zum Ministerpräsidenten. Anschließend sind alle traurig, zeigen
       mit dem Finger aufeinander und behaupten, einfach nicht für möglich
       gehalten zu haben, dass die AfD so sein könnte wie … nun ja, wie die AfD?
       
       Aber einer hat sich doch gefreut: Christian Hirte. Der Parlamentarische
       Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und „Beauftragte der
       Bundesregierung für die neuen Bundesländer“ [2][twitterte kurz nach der
       Wahl] von Thomas Kemmerich: „Deine Wahl als Kandidat der Mitte zeigt noch
       einmal, dass die Thüringer RotRotGrün abgewählt haben. Viel Erfolg für
       diese schwierige Aufgabe zum Wohle des Freistaats Thüringen!“ Hätte nur
       noch gefehlt, dass Hirte ein Küsschen-Emoji hinter seine lieb gemeinte
       Nachricht gesetzt hätte. Aber das war auch nicht nötig; die Freude des
       Beauftragten der Bundesregierung über das gemeinsam mit Thüringer Nazis
       erzielte Ergebnis war unverkennbar.
       
       [3][Drei Tage später war Hirte seinen schönen Posten los]. Angela Merkels
       Regierungsflieger hatte kaum Berliner Boden berührt, da bat sie den
       lustigen Thüringer zum Gespräch und teilte ihm mit, „dass ich nicht mehr
       Beauftragter der Bundesregierung für die Neuen Länder sein kann. Ihrer
       Anregung folgend, habe ich daher um meine Entlassung gebeten“. [4][Dies
       twitterte Christian Hirte am Samstag.]
       
       Ich persönlich mag an dem Vorgang besonders die niedlichen Wörter. „Ihrer
       Anregung folgend“ – das klingt, als habe Angela Merkel, einer Eingebung
       folgend, gesagt: „Du Christian, was hältst du davon, den Quatsch mit dem
       Ostbeauftragten zu lassen. Ist nur so ein Gedanke, der mir während der
       Ramaphosa-Rede in Pretoria kam. Was meinst du dazu, hm?“ Christian hätte
       grübelnd auf seinem Brillenbügel rumgekaut und geantwortet: „Wunderbare
       Anregung, der ich sehr gerne Folge leiste.“ Und schwupp, war das Wochenende
       gerettet und er brauste heim ins Eichsfeld.
       
       Ebenfalls sehr niedlich ist der Titel des nun wieder vakanten Postens. Der
       „Beauftragte für die neuen Länder“ hieß früher mal „Beauftragter der
       Bundesregierung für die Angelegenheiten der Neuen Länder“. Das war 1998,
       und man mag sich bei Rot-Grün gedacht haben: Jetzt neu, meine Damen und
       Herren: Neue Länder, mit großem N!!! Von Anfang an hatte der Posten etwas
       von Statthalter, von einem Wesir des Königs, der durch die nagelneuen
       Liegenschaften reist, um zu verkünden, wie gelungen die Wiedervereinigung
       sei.
       
       Gute Laune, Häppchen und Förderbescheide, das Ganze mit einem
       Operettentitel versehen – wer wollte das nicht. Hier die traurige Wahrheit:
       Niemand außer dem Titelträger. Es gibt wenig, das so geringschätzig und aus
       der Zeit gefallen wirkt wie dieser Job. Bitte abschaffen. Und das sollte
       nach meiner Meinung … sofort, unverzüglich. Danke.
       
       10 Feb 2020
       
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 (DIR) [1] /Ruecktritt-Ministerpraesident-Kemmerich/!5662522
 (DIR) [2] https://twitter.com/ChristianHirte/status/1225040557766037506?s=20
 (DIR) [3] /Ost-Beauftragter-der-Bundesregierung/!5662515
 (DIR) [4] https://twitter.com/ChristianHirte/status/1226077593654435840?s=20
       
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