# taz.de -- US-Angriff auf Qasim Soleimani: Schwer, Mord zu legitimieren
       
       > Lag eine unmittelbare Bedrohung durch den iranischen General vor?
       > US-Verteidigungsminister Esper widerspricht seinem Präsidenten Donald
       > Trump.
       
 (IMG) Bild: Kann Trumps Version nicht teilen: Verteidigungsminister Mark T. Esper
       
       Berlin taz | Bei der Rechtfertigung der Ermordung des iranischen Generals
       Qasim Soleimani verstrickt sich die US-Regierung immer mehr in
       Widersprüche. Präsident Donald Trump hatte den tödlichen Drohnenangriff vom
       3. Januar von Beginn an damit [1][gerechtfertigt], Soleimani habe neue
       Anschläge auf US-Einrichtungen und -Personal in der Region geplant. Diese
       „unmittelbare Bedrohung“ habe abgewendet werden müssen.
       
       Ende vergangener Woche legte Trump nach und sprach von geheimdienstlichen
       Erkenntnissen, nach denen Soleimani Angriffe auf vier US-Botschaften in
       Planung gehabt habe, darunter jene in Iraks Hauptstadt Bagdad, die vor
       einigen Wochen tagelang von Demonstrant*innen belagert worden war.
       
       Danach befragt, erklärte nun aber am Sonntag Verteidigungsminister Mark T.
       Esper, derartige Erkenntnisse der Geheimdienste seien ihm nicht bekannt.
       Die Botschaftsangehörigen waren auch nicht gewarnt worden. Außenminister
       Mike Pompeo wand sich in der Öffentlichkeit und flüchtete sich schließlich
       in die Aussage, man könne keine Details preisgeben.
       
       [2][NBC meldete] am Montag unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter gar,
       Trump habe die Ermordung Soleimanis schon vor sieben Monaten autorisiert,
       sollte die zunehmende Aggressivität Irans zum Tod von US-Amerikaner*innen
       führen. Damit wäre die Begründung einer „unmittelbaren Gefahr“ endgültig
       Makulatur.
       
       ## Der Kongress hat nichts zu melden
       
       Der Kongress, dessen Vertreter*innen aus der Demokratischen Partei schon
       unmittelbar nach dem Angriff klagten, sie seien vorher nicht in Kenntnis
       gesetzt worden, wurde in der vergangenen Woche informiert. Alle 100
       Senatoren erhielten ein vertrauliches Briefing über die unmittelbaren
       Zusammenhänge – aber selbst konservative republikanische Senatoren wie Mike
       Lee aus Utah sagten im Anschluss, das Briefing sei eine faktenfreie
       Frechheit gewesen. So etwas habe er in seinen neun Jahren als Senator noch
       nie erlebt. Die Begründung der Exekutive, eine parlamentarische Debatte
       schwäche die Position der USA und stärke Iran, sei ein Schlag ins Gesicht
       der Verfassung. Sie behalte es aus gutem Grunde dem Kongress vor, einem
       anderen Land den Krieg zu erklären.
       
       Denn genau dafür sind die Umstände wichtig: Nur zur Abwehr einer
       „unmittelbaren Gefahr“ dürfte der Präsident ohne Einverständnis des
       Parlaments auf eigene Faust handeln.
       
       Dabei geht es ausschließlich um die rechtliche Bewertung innerhalb der USA.
       Völkerrechtlich bestreitet kaum jemand, dass die gezielte Ermordung eines
       ausländischen Funktionsträgers rechtlich nicht gedeckt ist – zumal, wenn
       sich beide Länder offiziell nicht im Krieg befinden. Trump hatte des
       Weiteren argumentiert, er betrachte Soleimani nicht als hohen General,
       sondern als Organisator von Terrorismus, mithin selbst als Terroristen.
       
       Ausländische Terroristen aber zu töten wird innerhalb der USA akzeptiert
       und international zumindest geduldet – auch wenn die Argumentation der
       Selbstverteidigung völkerrechtlich ebenfalls auf tönernen Füßen steht. Das
       war schon unter Trumps Vorgängern George W. Bush und Barack Obama so.
       Insbesondere Obama weitete den Drohnenkrieg und die Tötungseinsätze des
       Joint Special Operations Command extrem aus, ohne dass es darüber zu großem
       internationalem Protest kam.
       
       Ohnehin haben sich die USA in ihrer Geschichte selten um völkerrechtliche
       Bedenken oder um Verurteilungen durch den Internationalen Gerichtshof in
       Den Haag geschert. Urteile von US-Gerichten hingegen können durchaus
       Wirkung zeigen.
       
       Insofern, aber auch mit Blick auf das bevorstehende Amtsenthebungsverfahren
       im Senat muss Trumps Regierung sich bemühen, zumindest eine einheitliche
       Sprachregelung zu finden. Auch wenn die mit großer Wahrscheinlichkeit eine
       Lüge ist.
       
       13 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Konflikt-zwischen-Iran-und-USA/!5653432
 (DIR) [2] https://www.nbcnews.com/politics/national-security/trump-authorized-soleimani-s-killing-7-months-ago-conditions-n1113271
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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