# taz.de -- Mann in Köln von Politiker angeschossen: Christdemokrat schießt scharf
       
       > In Köln schießt ein Lokalpolitiker einen 20-Jährigen an – und legt sein
       > Mandat erst nach tagelangen Protesten nieder.
       
 (IMG) Bild: Auch die Kölner CDU reagierte erst nach Tagen auf die Tat ihres Mitglieds
       
       Bochum taz | Der Kölner CDU-Lokalpolitiker, der Ende Dezember einen
       20-Jährigen mit einem Schuss aus einem Revolver verletzt hat, lässt jetzt
       immerhin sein Mandat in der Bezirksvertretung ruhen. Das erklärte der
       Stadtverband der Christdemokraten in einer Mitteilung.
       
       Kölns CDU-Parteichef Bernd Petelkau, der auch Vorsitzender der
       Stadtratsfraktion und Abgeordneter im nordrhein-westfälischen Landtag ist,
       betonte darin aber, es gelte „für die Beteiligten die Unschuldsvermutung“.
       Er hoffe auf schnelle Ermittlungsergebnisse, „damit rasch Klarheit
       entsteht, was sich tatsächlich zugetragen hat“.
       
       Dem Lokalpolitiker, der für die Christdemokraten bisher in der
       Bezirksvertretung des Stadtteils Porz saß, wird vorgeworfen, einem
       20-Jährigen in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember in die Schulter
       geschossen zu haben. Der 72-jährige Schütze soll dabei alkoholisiert
       gewesen sein. Auslöser der Schießerei am Porzer Rheinufer könnte ein
       banaler Streit über Lärm gewesen sein – um kurz nach Mitternacht soll sich
       der Christdemokrat von dem Opfer und dessen 21, 22 und 23 Jahre alten
       Begleitern gestört gefühlt haben.
       
       In Onlinenetzwerken wird spekuliert, die Schüsse könnten auch einen
       rassistischen Hintergrund gehabt haben. Das Opfer habe einen
       osteuropäischen Migrationshintergrund, heißt es dort. Außerdem soll der
       Schütze auf Facebook regelmäßig rechtspopulistische, an das Umfeld der AfD
       erinnernde Beiträge geteilt haben.
       
       ## Fünf scharfe Waffen
       
       Im Haus des CDU-Senioren fand die Polizei fünf scharfe Schusswaffen. Der
       Mann, der vorübergehend festgenommen wurde, ist auch Sportschütze. Die
       Staatsanwaltschaft, die zunächst eine Mordkommission gegründet hatte,
       ermittelt mittlerweile nur noch wegen des Verdachts auf gefährliche
       Körperverletzung.
       
       Der CDU-Lokalpolitiker selbst hat sich trotz wachsenden Drucks aus seiner
       Partei bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Dabei hat der
       Fall längst die Bundesebene erreicht: „Auf dem Boden unserer
       christlich-demokratischen Werte steht so ein Verhalten nicht“, twitterte
       CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Donnerstag – mit einem Hashtag, in dem
       er den Nachnamen des mutmaßlichen Schützen nannte.
       
       Den Tweet löschte Ziemiak nach Intervention von [1][Medienanwalt Ralf
       Höcker], der den mutmaßlichen Täter vertritt, schnell wieder. Auf Twitter
       war der Hashtag trotzdem einer der meistgenutzten des Tages. Die taz
       verzichtet an dieser Stelle aus presserechtlichen Gründen darauf, den Namen
       zu nennen.
       
       ## Debatte über Bewaffnung
       
       Trotz der Kölner Ereignisse wird ausgerechnet die Debatte um eine
       Bewaffnung von Kommunalpolitikern in NRW heftiger. So fordert ein
       Bürgermeister aus dem Rheinland, der sich von Rechtsextremen bedroht fühlt
       und anonym bleiben will, vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf einen großen
       Waffenschein – und damit das Recht, eine scharfe Schusswaffe zu tragen.
       
       Während CDU-Landesinnenminister Herbert Reul das Gewaltmonopol des Staats
       betonte, mahnte SPD-Landtagsfraktionsvize Sven Wolf, der Minister müsse die
       „besondere Schutzpflicht gegenüber Menschen in öffentlichen Funktionen“
       durch die Polizei auch durchsetzen lassen.
       
       Der Bürgermeister der Stadt Altena, Andreas Hollstein, der 2017 aus
       ausländerfeindlichen Motiven [2][einen Messerangriff überstand], sprach
       sich gegen eine Selbstbewaffnung aus. Allerdings wies er darauf hin, dass
       die Drohungen gegen Politiker immer mehr zunehmen.
       
       9 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
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