# taz.de -- Anklage zu Leichenfund in Großbritannien: Totschlag in 39 Fällen
       
       > Der Lkw-Fahrer, in dessen Container 39 Leichen entdeckt wurden, tritt per
       > Video vor den Haftrichter. Die Anklage: Totschlag und Menschenhandel.
       
 (IMG) Bild: Ein Angehöriger zeigt in Vietnam ein Foto von Joseph Nguyen Dinh Luong, einer der mutmaßlichen Toten
       
       Chelmsford taz | Auf einem Bildschirm erscheint ein kahler großer Raum mit
       grüner Wand und einem weißen horizontalen Streifen. „Grays Live Link“ steht
       auf dem Bildschirm, was bedeutet, dass die Übertragung aus der 43 Kilometer
       entfernten ostenglischen Stadt Grays kommt, vermutlich aus einer
       Haftanstalt.
       
       Am unteren Rand sitzt ein junger Mann mit Vollbart. Er trägt ein einfaches
       graues Sweatshirt. Er blickt müde, ernst und betrübt in die Kamera. „Können
       Sie mich hören?“, so die Frage einer gerichtlich Beauftragten in das
       Mikrofon des Amtsgerichts der Stadt Chelmsford östlich von London.
       
       Maurice Robinson, 25, der Mann auf dem Bildschirm, bestätigt mit starkem
       nordirischen Akzent seinen Namen, seinen nordirischen Wohnort und sein
       Geburtsdatum. Er ist der erste Angeklagte im Fall des Lkw-Containers, in
       dem am vergangenen Mittwochmorgen [1][39 tote Migrant*innen in einem
       Industriepark von Grays] entdeckt wurden.
       
       Robinson soll den Lkw gefahren haben, in dem die Toten entdeckt wurden.
       Vier andere Personen wurden inzwischen festgenommen. Nach wie vor wird in
       Großbritannien und Belgien nach weiteren Personen gesucht.
       
       ## Keines der Opfer ist offiziell identifiziert
       
       Derweil läuft die größte gleichzeitige Identifizierung von Opfern einer
       Straftat in der Geschichte der britischen Polizei. Keiner der Namen der im
       Container entdeckten Toten konnte bisher offiziell bestätigt werden, auch
       wenn in den Medien bereits verschiedene Namen und Nationalitäten kursieren.
       
       Darüber hinaus müssten insgesamt über 500 Gegenstände überprüft und die
       Daten auf den Handys der Verstorbenen ausgewertet werden, berichtete die
       zuständige leitende Polizeibehörde der Grafschaft Essex.
       
       Warum Robinson nur per Videolink erscheint, ist nicht bekannt. Stattdessen
       weist die Staatsanwaltschaft darauf hin, dass Robinson nicht „nur“ wegen
       der 39 Fälle von Totschlag vor dem Amtsgericht erscheine, sondern auch
       wegen [2][Verschwörung zum Bruch der Einwanderungsgesetze] sowie illegaler
       Bereicherung und Geldwäsche.
       
       Eine Haftentlassung Robinsons auf Kaution lehnt die Staatsanwaltschaft
       wegen Fluchtgefahr ab. Der Amtsrichter reicht den Fall weiter. Er geht nun
       aufgrund der besonderen Schwere an ein Geschworenengericht, mit dem 25.
       November als provisorischem Verhandlungsbeginn. Bis dahin muss sich
       Robinson nicht äußern.
       
       Es wird angenommen, dass der Fall an die Old Bailey geht, Englands
       zentrales Strafgericht. Nach weniger als 15 Minuten ist die Anhörung
       beendet. Das Medieninteresse ist groß. Im Gerichtssaal drängeln sich über
       30 Journalist*innen, vor dem Gericht stehen mindestens ein Dutzend
       Fernsehkameras.
       
       Im Hafengebiet von Grays besuchen am gleichen Morgen Premierminister Boris
       Johnson und Innenministerin Preti Patel die Notdienste, die am Mittwoch als
       erste zum Container mit den Toten eilten. Man werde die Schuldigen zur
       Rechenschaft ziehen, schreiben sie in das Kondolenzbuch.
       
       28 Oct 2019
       
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 (DIR) Daniel Zylbersztajn
       
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