# taz.de -- AfD wählt neue Fraktionsspitze: Wiederwahl mit Gaulands Hilfe
       
       > Alice Weidel bleibt wohl Frakionsvorsitzende – weil ihr Co-Chef mit ihr
       > als Duo antritt. Immer wieder nähert sich die Politikerin dem „Flügel“
       > an.
       
 (IMG) Bild: Sie werden wohl Fraktionsvorsitzende der AfD bleiben: Alice Weidel und Alexander Gauland
       
       Berlin taz | Alice Weidel scheint es in Schnellroda gefallen zu haben. In
       einem Video, das das Institut für Staatspolitik (IfS) ins Netz gestellt
       hat, wirkt die AfD-Fraktionschefin, die meist streng, angespannt und sehr
       kontrolliert erscheint, ungewöhnlich locker. „Ich fand es unwahrscheinlich
       schön und wichtig, hier zu sein“, sagt sie im Gespräch mit
       IfS-Geschäftsführer Erik Lehnert, den sie duzt. „Die Leute sind aktiv, sie
       sind wissbegierig, man hat so eine gewisse Dynamik hier, das gefällt mir
       gut.“ Sie freue sich auf weitere Gespräche.
       
       Weidel war beim IfS, das der neurechte Vordenker Götz Kubitschek in dem
       kleinen Ort in Sachsen-Anhalt betreibt, zur „Sommerakademie“ als Referentin
       geladen. Mit solchen Veranstaltungen schult das Institut den neurechten
       Nachwuchs. Stets mit dabei: Mitstreiter der Identitären Bewegung, die vom
       Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft ist, und der Bewegung Ein
       Prozent.
       
       Immer wieder sind im IfS AfDler zu Gast, meist allerdings solche vom
       radikal rechten Flügel um den Thüringer Björn Höcke. Kubitschek, selbst
       zwar kein AfD-Mitglied, gilt als Vordenker des Flügels. Schon länger nähert
       sich Weidel, die 2017 noch den Parteiausschluss Höckes forderte, dem Flügel
       an – womöglich weniger aus Überzeugung als aus der Erkenntnis heraus, dass
       man gegen den Flügel in der AfD schwer etwas wird oder bleibt.
       
       Genau das aber will Weidel am Dienstag, wenn die Fraktion im Bundestag
       turnusgemäß ihre Spitze neu wählt: Sie will wieder Chefin werden. In der
       Fraktion ist die Baden-Württembergerin, die mit ihrer Lebensgefährtin und
       zwei Kindern vor allem in der Schweiz lebt, durchaus umstritten. Das liegt
       an ihrer neoliberalen Ausrichtung, aber auch an dem schroffen Stil, mit dem
       sie die Fraktion führt. Hinzu kommt, dass die Konstanzer Staatsanwaltschaft
       wegen dubioser Parteispenden weiter gegen Weidel ermittelt.
       
       ## Das Duo kommt als Paket
       
       Dass ihre Wiederwahl dennoch als ziemlich sicher gilt, liegt nicht nur an
       den Avancen, die sie den Parteirechten macht, sondern vor allem an ihrem
       Co-Chef Alexander Gauland. Dieser hat sich – wieder einmal – entschlossen,
       als Paket mit ihr anzutreten. Weil die allermeisten Gauland als
       Vorsitzenden behalten wollen, wird das Duo wohl wiedergewählt werden.
       
       Als recht sicher gilt auch die Wiederwahl des ersten Parlamentarischen
       Geschäftsführers Bernd Baumann, obwohl der Aufbau der Fraktion alles andere
       als rund lief. Doch Baumann, so heißt es, habe sich gut eingearbeitet. Für
       die ersten beiden PGFs, wie die Organisatoren der Fraktion im
       Parlamentsjargon heißen, haben Gauland und Weidel je ein Vorschlagsrecht.
       Gauland wird wohl Baumann zur Wiederwahl empfehlen. Weidel hatte vor zwei
       Jahren auf Jürgen Braun gesetzt, doch zwischen den beiden
       Baden-WürttembergerInnen lief es nicht rund.
       
       Als wahrscheinlich gilt, dass stattdessen Roland Hartwig zum zweiten PGF
       gewählt wird. Hartwig, früher Chefjurist bei Bayer und bislang
       stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sagte auf Anfrage der taz: „Ja,
       ich werde als PGF kandidieren.“ Hartwig hat die parteiinterne Arbeitsgruppe
       zum Verfassungsschutz geleitet – und war im Sommer beim IfS zu Gast.
       
       Auch auf anderen Positionen wird es Wechsel geben: Die beiden weiteren
       PGFs, Michael Espendiller aus NRW und Hans-Jörg Müller aus Bayern, treten
       nicht wieder an. Bei den Fraktionsvizes gilt die Wiederwahl von Tino
       Chrupalla aus Sachsen als wahrscheinlich. Zu hören ist auch, dass es für
       die Berlinerin Beatrix von Storch und Peter Felser aus Bayern eng werden
       könnte.
       
       24 Sep 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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