# taz.de -- Martin Selmayr wechselt nach Wien: Umstrittener Beamter muss gehen
       
       > Seine Beförderung zum Generalsekretär der EU hatte für viel Unmut
       > gesorgt. Zum Amstantritt Ursula von der Leyens muss Selmayr den Posten
       > nun räumen.
       
 (IMG) Bild: In der EU-Kommission ebenso bewundert wie gefürchtet: Martin Selmayr
       
       Brüssel afp | Der [1][umstrittene Generalsekretär der EU-Kommission Martin
       Selmayr] verlässt Brüssel. Wie die Kommission am Mittwoch mitteilte, wird
       der deutsche Jurist ab dem 1. November die EU-Vertretung in Wien leiten.
       Bis dahin werde er noch „Sonderberater“ des scheidenden
       Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker bleiben und ihm „weiterhin in
       zentralen strategischen Fragen zur Seite stehen“. Seine Amtszeit als
       Generalsekretär läuft Ende Juli aus.
       
       Selmayr verlässt damit im Herbst nach 15 Jahren als Kommissionsbeamter die
       EU-Hauptstadt zum Amtsantritt der [2][neuen Kommissionspräsidentin Ursula
       von der Leyen]. Der 48-Jährige galt in den vergangenen Jahren als der
       einflussreichste EU-Beamte in Brüssel. Er war 2014 Junckers Wahlkampfchef
       bei der Europawahl und dann mehr als drei Jahre lang sein Kabinettschef.
       
       In dieser Funktion galt er als „graue Eminenz“ im EU-Betrieb und war in der
       Kommission ebenso bewundert wie gefürchtet. Für Kritik sorgte Anfang 2018
       seine Blitzbeförderung zum Generalsekretär der EU-Kommission. Er wurde
       dabei binnen Minuten erst zum stellvertretenden Generalsekretär ernannt und
       bekam dann umgehend den wichtigsten Verwaltungsposten in der EU-Behörde mit
       32.000 Mitarbeitern.
       
       Das EU-Parlament hatte die Beförderung als „handstreichartige Aktion“
       kritisiert. Die EU-Bürgerbeauftragte Emily O'Reilly leitete eine
       Untersuchung ein und kam zu dem Schluss, dass die Kommission die Regeln
       „manipuliert“ habe. Es blieb jedoch bei einer Rüge.
       
       Der für Personal zuständige deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger
       begründete Selmayrs Weggang mit der Ernennung von der Leyens zur künftigen
       Kommissionspräsidentin. Es sei „naheliegend“, dass der Generalsekretär
       „nicht die gleiche Nationalität haben sollte“.
       
       Oettinger würdigte dabei Selmayrs Arbeit in der Kommission. Die fünf Jahre
       unter Juncker wären „ohne seine Mitwirkung in der Form nicht denkbar“,
       sagte er. „Ich glaube, die meisten sind ihm dankbar. Und die, die nicht
       dankbar sind, haben zumindest Respekt vor ihm.“
       
       Einen dauerhaften Nachfolger für Selmayr legte die scheidende Kommission
       noch nicht fest. Den Posten übernimmt kommissarisch die Lettin Ilze
       Juhansone als dienstälteste stellvertretende Generalsekretärin. Die
       Entscheidung über den neuen Generalsekretär trifft von der Leyen.
       
       24 Jul 2019
       
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