# taz.de -- Angebliche Männerfeindlichkeit: Die Zahnrädchen drehen sich weiter
       
       > Ein paar Politikerinnen auf prominenten Posten bedeuten noch keine
       > Frauenherrschaft. Wir müssen uns um die Männer wirklich keine Sorgen
       > machen.
       
 (IMG) Bild: Männlichkeit. Hier dargestellt durch ein (zerbrochenes) Werk der Künstlerin Anna Maria Bieniek
       
       Vielleicht ist die Welt ja gerettet.
       
       Ich meine nicht das Klima, das ist am Arsch, nein, ich meine natürlich die
       Geschlechterfrage. Denn immerhin werden [1][in Europa jetzt die Verwaltung
       und wahrscheinlich auch die Geldpolitik von Frauen geleitet,] ebenso in
       Deutschland die Regierung und die Streitkräfte. Und im Fernsehen, bei der
       Kuppelshow „Bachelorette“ kann man zugucken, wie ein Haufen Männer sich
       gegenseitig auf die Füße treten, während eine souveräne Mittzwanzigerin
       gelangweilt-pragmatisch darüber richtet, wer die Klappe zu halten hat.
       
       Vielleicht haben wir ja schon längst mehr erreicht, als wir denken; die wir
       die ganze Zeit nur darauf achten, wo noch überall Sexismus ist. Vielleicht
       sehen wir ja gar nicht, wie gleichberechtigt längst alles ist.
       
       Und vielleicht gilt es deshalb nun aufzupassen, dass das Ganze nicht kippt.
       Denn wenn die Gleichberechtigung erreicht ist und man dann – Göttin bewahre
       – immer noch weiter fröhlich gleichberechtigen würde, dann würde das Ganze
       ja in Sexismus gegen Männer umschlagen. Schließlich funktioniert das
       Geschlechterverhältnis wie so eine Spielplatzwippe, wo jemand langsam einen
       Sack Backsteine Richtung Mitte schiebt, so lange, bis – Achtung, Füße weg!
       Klapp: Matriarchat.
       
       ## Männerfreundliche Mechanismen
       
       Reingelegt, so ist es nicht. Und auf dieses Missverständnis kann man nicht
       oft genug hinweisen. Jedes Mal, wenn irgendwo eine Frau einen wichtigen
       Posten bekommt, jedes Mal, wenn Frauen sichtbarer und hörbarer werden –
       oder wenn die Forderung aufkommt, Frauen und andere Menschen, die keine
       Männer sind, noch mehr zu fördern.
       
       Denn dann regt sich dieser kleine Aufpassergeist. Na ja, hm, wenn wir jetzt
       immer weiter Frauenförderung machen, geht das dann nicht ganz bald ins
       Männerfeindliche? Fragjanur.
       
       Die Sache ist die: Deine Mudda geht ins Männerfeindliche. Ein paar patente
       Tanten auf prominenten Posten machen noch keine Frauenherrschaft. Denn
       gleich unterhalb ihrer Chefsesselinnen drehen sich weiter die
       [2][Zahnrädchen der äonenalten männerfreundlichen Mechanismen]. Sie sind
       vielleicht nicht mehr ganz so gut geschmiert – aber sie laufen. Das erkennt
       man an den [3][Frauen in Führungspositionen, die sich nach kurzer Zeit
       wieder genervt aus dem Staub machen]. Man sieht es an den geifernden Herren
       aus der zweiten Leitartikelreihe, [4][die plötzlich ganz besorgt sind um
       den Kreislauf der Kanzlerin].
       
       Wir haben uns so daran gewöhnt, dass im Grunde alles männerfreundlich ist,
       dass sich die Ausnahmen für uns größenverzerrt darstellen. Wir erliegen der
       Schreckvorstellung, es bräuchte nur eine einzige weitere Frau im mittleren
       Management und „Mann“ würde zum Schulhofschimpfwort Nummer eins.
       
       Es ist nicht so, keine Sorge. Schließlich schreibe ich hier seit zwei
       Jahren und es hat sich kaum etwas bewegt.
       
       Wir können beruhigt sein.
       
       23 Jul 2019
       
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