# taz.de -- Kommentar zum Justizsenator: Behrendt schadet dem Parlament
       
       > Der grüne Senator fehlt nach einer Ministerkonferenz anfangs
       > unentschuldigt im Abgeordnetenhaus, das ausdrücklich seine Anwesenheit
       > verlangt hatte.
       
 (IMG) Bild: Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) fehlte anfangs unentschuldigt im Abgeordnetenhaus
       
       Wenn Extremisten das Parlament verhöhnen, ist das schon schlimm genug. Wenn
       selbst gar nicht mal so extreme Menschen von einer „Quasselbude“ sprechen
       und damit Kaiser Wilhelm II. zitieren, dann ist das bedenklich. Aber wenn
       ein Senatsmitglied sich nicht bemüht, auf jeden Fall pünktlich in dem
       Parlament zu erscheinen, das seine Regierung kontrolliert, dann macht das
       traurig. Denn die Außenwirkung ist: Wenn selbst „die da oben“ das Parlament
       nicht wirklich ernst nehmen, warum sollten es dann Normalos tun?
       
       Der grüne Justizsenator Dirk Behrendt, der am Donnerstag zu Beginn
       unentschuldigt fehlte, hat mit seinem Verhalten dem Ansehen des Parlaments
       geschadet. Schon klar, nun kommt: Ball flach halten – es waren doch nur 30
       Minuten. Doch warum tat Behrendt nicht wenigstens, was jeder höfliche
       Mensch macht, wenn er wegen Stau, Zugausfall oder eines Platten zu einer
       Verabredung – in seinem Fall mit 160 Parlamentariern – zu spät zu kommen
       droht: nämlich telefonieren? Ein schlichter Anruf beim
       Parlamentspräsidenten hätte zwar die Verspätung nicht wieder gutgemacht,
       aber für Klärung gesorgt und zumindest gezeigt, dass sie Behrendt
       unangenehm war.
       
       Und was sprach darüber hinaus dagegen, sich sicherheitshalber schon am
       Vorabend nach den Ministergesprächen in Travemünde zurück nach Berlin
       fahren zu lassen? Behrendts Sprecher sagte der taz, im Nachhinein sei man
       immer schlauer, der Senator habe sich entschuldigt. Da aber war der Schaden
       schon da.
       
       Es ist das zweite Mal binnen vier Wochen, dass ein führender
       Grünen-Politiker den Eindruck erweckt, ein Parlament nicht ausreichend
       wertzuschätzen: Im Mai rügten in der Kreuzberger
       Bezirksverordnetenversammlung (BVV) außer den Grünen alle Fraktionen
       Baustadtrat Florian Schmidt wegen Missachtung eines BVV-Beschlusses zur
       Bergmannstraße.
       
       6 Jun 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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