# taz.de -- Kolumne Mithulogie: Jungfernhäutchen verbieten
       
       > In Dänemark wird die Rekonstruktion des Hymen verboten. Das ist ein
       > Schritt gegen die Mythen über das Jungfernhäutchen. Richtig so!
       
 (IMG) Bild: Nur wenn die Vagina hermetisch versiegelt ist, ist eine OP notwendig
       
       Nun ist es immer schwierig, Menschen etwas zu ihrem Besten zu verbieten.
       Aber an einem Punkt haben die Dän*innen Recht: Es ist höchste Geisterbahn,
       dass wir aufhören das Engernähen der Vagina, damit es beim nächsten
       penetrativen Sex zu einer Verletzung kommt, die dann gefälligst aufs
       Betttuch blutet, als „Wiederherstellung des Jungfernhäutchens“ zu
       bezeichnen.
       
       Das Jungfernhäutchen ist das Here be Dragons der Biologie. Es ist keinen
       Heiligen Georg realer als der Lindwurm auf alten Landkarten, doch während
       wir seit dem Mittelalter gelernt haben, dass an den Enden der Welt und auf
       einsamen Inseln keine Drachen lauern, [1][glauben wir noch immer an das
       mythische Hymen.]
       
       Das Problem damit, Jungfernhäutchen zu sagen, ist, dass es nahe legt, es
       handele sich um eine Haut, die etwas mit Jungfräulichkeit zu tun hat. Bloß
       ist da keine Haut straff über den Vaginaleingang gespannt wie die
       Klarsichtfolie über die Schale Äpfel im Supermarkt, um anzuzeigen, dass die
       Früchtchen noch unberührt sind. Statt dessen gibt es eine Reihe
       Schleimhautfalten, die die Vagina keineswegs hermetisch versiegeln.
       
       Wenn sie das in sehr seltenen Fällen doch tun, muss dieses Problem
       gynäkologisch behoben werden, da sonst Vaginalfluid und Menstruationsblut
       nicht abfließen können, was im schlimmsten Fall zu Blutvergiftung und Tod
       führen würde. Mehr zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie in dieser
       Kolumne.
       
       ## Vaginale Korona statt Jungfernhäutchen
       
       Weil sie aussehen wie die Zacken einer Krone, hat der schwedische Sprachrat
       bereits vor 10 Jahren entschieden, sie auch so zu nennen: vaginale Korona.
       Die vaginale Korona ist so dehnbar, dass sogar ein Baby durch sie hindurch
       passt. Man kann ihr ebenso wenig wie einem Penis ansehen, ob eine Person
       schon mal Sex gehabt oder Spagat gemacht hat. Trotzdem kenne ich noch
       Bilder aus Biobüchern, auf denen die Schüler*innen das Jungfernhäutchen
       einzeichnen sollten, während die Klitoris mit keinem Bild erwähnt wurde.
       #CheckYourPriorities
       
       Um mit der Vorstellung eines verräterischen Häutchens aufzuräumen, hat
       Dänemark den falsch Revirginisierung genannten Eingriff jetzt verboten.
       Jorinde Wiese startet gerade eine Petition, das auch in Deutschland zu tun.
       
       Nur machen Leute das nicht als Freizeitgestaltung – Fortnite oder
       [2][Hymenrekonstruktion]? – sondern aus Angst, was passiert, wenn sie „beim
       ersten Mal“ nicht bluten. Und ein Verbot hilft in Notlagen herzlich wenig.
       Es sei denn, es gibt breite Hilfsangebote. Deshalb fordert Wiese statt OPs
       Aufklärung, sowie staatlich finanzierte Workshops zur Anwendung von
       Kunstblut-Kapseln oder Blutschwämmchen. Und im Härtefall natürlich trotzdem
       die Operation, aber dann auf Krankenkasse, damit „Schönheitschirurgen“
       nicht an der Angst von Menschen verdienen.
       
       Oder mit Shakespeare: „Be bloody, bold and resolute!“
       
       29 Apr 2019
       
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