# taz.de -- Nobelpreis-Kandidat aus Vietnam: Opposition kritisiert Abschiebung
       
       > Bayern hat einen Regierungskritiker und dessen Frau nach Hanoi
       > abgeschoben. Es schalten sich Flüchtlingsrat, Grüne und FDP ein.
       
 (IMG) Bild: Nguyen Quang Hong Nhan mit seiner ebenfalls abgeschobenen Frau und der 19-jährigen Tochter
       
       Berlin taz | Die Abschiebung des vietnamesischen Schriftstellers,
       Nobelpreiskandidaten und Menschenrechtsverteidigers Nguyen Quang Hong Nhan
       und seiner Frau aus Nürnberg nach Hanoi hat erste Reaktionen ausgelöst.
       [1][Nachdem die taz über den Fall berichtete], fordert der Bayerische
       Flüchtlingsrat jetzt die Wiedereinreise des Ehepaares. „Wenn Nürnberg
       seinen Namen ,Stadt der Menschenrechte' ernst nimmt, muss es doch einen
       Menschenrechtsverteidiger schützen. Mit gutem Willen hätte die Stadt
       gemeinsam mit dem Freistaat Bayern eine andere Lösung als die Abschiebung
       finden können“, sagt Flüchtlingsratssprecher Alexander Thal.
       
       Zwei Fraktionen im Bayerischen Landtag haben den Fall aufgegriffen.
       FDP-Fraktionschef Martin Hagen sagt der taz: „Bayern schiebt die Falschen
       ab. Wir werden dazu im Landtag eine Anfrage stellen, um die Hintergründe
       dieser Abschiebung zu ergründen.“
       
       Die Grünen-Abgeordneten Cemal Bozoğlu und Verena Osgyan sprechen von einem
       „Totalversagen der bayerischen Asylpolitik“ und fordern eine Wiedereinreise
       des Ehepaars. „Einen Menschen, der bereits zwanzig Jahre seines Lebens
       aufgrund von Kritik an der eigenen Regierung im Gefängnis verbringen musste
       und den die vietnamesische Regierung weiterhin als ‚Volksfeind‘ bezeichnet,
       als nicht gefährdet einzustufen und ihn dann abzuschieben, ist absolut
       grausam und unmenschlich.“
       
       Verena Osgyam hat die noch in Nürnberg lebende 19-jährige Tochter der
       abgeschobenen Familie zu einem Gespräch geladen, um zu beraten, wie sie ihr
       helfen kann, nicht selbst abgeschoben zu werden und um die Trennung von
       ihrer Familie zu bewältigen.
       
       ## Bundespolitik schaltet sich ein
       
       Die aus Bayern stammende grüne Bundestagsabgeordnete Margarete Bause
       fordert das Auswärtige Amt in Berlin auf, „sich über den Verbleib dieser
       massiv gefährdeten Personen zu informieren und sich für ihren Schutz
       starkzumachen“.
       
       Nach Auskunft der Tochter wurden die Abgeschobenen bei der Ankunft in Hanoi
       14 Stunden lang von der Polizei verhört und danach freigelassen. Derzeit
       werde seitens der Behörden auf Verwandte Druck gemacht, die abgeschobenen
       „Volksfeinde“ nicht länger in ihrem Haus zu beherbergen. Hoi An sagt der
       taz, ihr Vater, der in Deutschland einen Schlaganfall erlitten hatte, sei
       sehr krank. Im Falle der Obdachlosigkeit drohe ihm der Tod.
       
       Auch Hong An selbst ist von Abschiebung bedroht. Sie ist nur noch in
       Deutschland, weil ihr vietnamesischer Reisepass abgelaufen ist. Die
       19-Jährige studiert an der Hochschule für Musik in Nürnberg Klavier, sie
       gilt als musikalisches Ausnahmetalent. Hochschulpräsident Christoph Adt
       sagt der taz: „Die junge Frau ist bei uns eingeschriebene Studentin und es
       ist für unsere Hochschule absolut nicht hinnehmbar, dass sie während des
       Studiums abgeschoben wird. Ich habe mich darum zusammen mit dem
       evangelischen Regionalbischof für Nürnberg, Stefan Ark Nitsche, an das
       bayerische Innenministerium mit der dringenden Bitte gewandt, die
       Abschiebung zu verhindern.“
       
       4 Apr 2019
       
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