# taz.de -- Unregelmäßigkeiten bei Biokontrollstelle: Zertifizierung teilweise verboten
       
       > Die niederländische Control Union habe konventionellen Produkten das
       > Ökosiegel gegeben, sagt die Europäische Kommission und zieht
       > Konsequenzen.
       
 (IMG) Bild: Bio oder nicht? Die Kennzeichnung ist entscheidend
       
       Die EU-Kommission hat wegen Unzuverlässigkeit einer der weltgrößten
       Biokontrollstellen verboten, Importe aus fünf Staaten zu zertifizieren. Die
       Behörde teilte Mitte März im Amtsblatt der Europäischen Union den
       [1][Beschluss] mit, binnen 20 Tagen die Lizenz der niederländischen Control
       Union Certifications „für alle Erzeugniskategorien in Bezug auf Kasachstan,
       die Republik Moldau, Russland, die Türkei und die Vereinigten Arabischen
       Emirate zu widerrufen“.
       
       Die Kommission tue „alles, was nötig ist, um das EU-Biosiegel zu schützen,
       damit ihm Verbraucher vertrauen können“, sagte eine Behördensprecherin. Auf
       die Frage der taz, warum die Kommission die Kontrollstelle in rund [2][125
       anderen Nicht-EU-Ländern] weiter das europäische Biosiegel vergeben lässt,
       wollte sie nicht antworten.
       
       Biobauern müssen unter anderem auf chemisch-synthetische Pestizide
       verzichten, was Natur und Gesundheit schont. Ob die Landwirte sich an diese
       Bioregeln halten, ist bei manchen Einfuhren aus Nicht-EU-Staaten
       umstritten.
       
       Die Kommission erklärte, sie habe mutmaßliche Unregelmäßigkeiten
       untersucht. Demnach hatte Control Union Waren als „bio“ zertifiziert, aber
       „nicht rechtzeitig schlüssige Antworten auf die verschiedenen
       Auskunftsersuchen der Kommission“ zu den Fällen erteilt. „Darüber hinaus
       versäumte es die ‚Control Union Certifications‘, die Rückverfolgbarkeit und
       den Biostatus dieser Erzeugnisse nachzuweisen.“ Die Firma stellte laut
       Kommission auch eine Kontrollbescheinigung für Produkte aus, denen ein
       EU-Staat bereits wegen Pestizidrückständen das Biosiegel entzogen hatte.
       
       ## Produkte mit zweifelhaftem Biostatus
       
       Control Union ließ eine Bitte der taz um Stellungnahme unbeantwortet. Die
       Kommission wollte auf Anfrage keine weiteren Details nennen. Bekannt ist
       aber, dass aus den fünf Staaten immer wieder Ölsaaten und Futtermittel auf
       den Markt kamen, deren Biostatus sich als zweifelhaft herausstellte. „Die
       Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate spielen seit Jahren eine
       wichtige Rolle im Handel mit Betrugsware aus der Ukraine, Russland und
       Zentralasien“, sagte ein Kontrolleur der taz, der aus Angst vor
       Repressalien anonym bleiben will. „Die Türkei als physischer Umschlagplatz,
       die Emirate als virtueller Handelsplatz, der nicht nur zum Steuersparen,
       sondern auch zum Spurenverwischen genutzt wird.“ Die Control Union habe
       über Jahre umstrittene Firmen zertifiziert.
       
       Doch das Geschäft solcher Firmen ist schwieriger geworden, weil die EU seit
       2015 die Kontrollen von Importen aus Russland, der Ukraine und Kasachstan
       nach einem Betrugsskandal verschärft hat. Die Kommission forderte die
       Kontrollstellen auf, jeden Betrieb in diesen Ländern neben der
       angekündigten Jahreskontrolle mindestens einmal zusätzlich unangekündigt zu
       prüfen. Jede Lieferung in die EU muss vor dem Export und erneut nach dem
       Import beprobt und auf Pestizidrückstände untersucht werden. Zudem hält die
       Kommission die Behörden und privaten Kontrollstellen der EU-Staaten in
       einer [3][Leitlinie] an, alle Dokumente im Zusammenhang mit Importware aus
       diesen Ländern sorgfältiger zu kontrollieren. Seitdem fallen Probleme beim
       Import aus diesen Ländern leichter auf.
       
       Die Organic Trade Association, eine Organisation der Biobranche in den
       USA, warnte nach dem Lizenzentzug für Control Union ihre Mitglieder. „In
       Europa gibt es Gerüchte, dass eine große Menge Sonnenblumensamen, Leinsamen
       und Mais bereits vom Ziel EU in die Vereinigten Staaten umgeleitet worden
       ist oder bald wird“, heißt es in einer internen Mail, die der taz vorliegt.
       US-Biounternehmen sollten vor allem auch Speisebohnen, Weizen, Leinsamen,
       Soja und Sonnenblumenschrot aus Osteuropa und der Türkei besonders
       überprüfen.
       
       31 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX%3A32019R0446&rid=1
 (DIR) [2] http://ec.europa.eu/agriculture/ofis_public/pdf/CBListAnnexIV.pdf?uid=B2C678FB-CB0D-66D7-5CD3093AF494573C
 (DIR) [3] https://abcert-web.de/abcert/qm-abc.nsf/86ae3363660e671ac1256f5a006e5e7f/B9A1F9B89306D8A5C125837B0037518E/$File/Guidelines_AddOffCtrl_Ukraine_Kazakhstan_Moldova_Russian-Federation_2019.pdf
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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