# taz.de -- Brauerei-Chef steht SS-Verein vor: Gebraut mit zuviel Tradition
       
       > Das Bündnis gegen Rechts protestiert gegen eine Brauerei in Prenzlauer
       > Berg. Ihr Chef steht einem SS-Veteranenverein vor.
       
 (IMG) Bild: „Kein Bier von, für und mit Nazi-Fans“ steht auf den Flyern des Bündnisses gegen Rechts
       
       Weil der Chef einer finnischen Brauerei mit Filiale in Prenzlauer Berg
       zugleich Vorsitzender eines SS-Veteranenvereins in Finnland ist, hat das
       Berliner Bündnis gegen Rechts die Nachbarschaft in der Göhrener Straße mit
       3.000 Flyern darüber informiert.
       
       „Kein Bier von, für und mit Nazi-Fans“ steht in altdeutschen Lettern auf
       dem Flugblatt, mit dem das Bündnis zum Boykott der Brauerei aufruft und das
       Anwohner*innen vergangenes Wochenende in Briefkästen, hinter
       Scheibenwischern und auch an der Tafel der Brauerei finden konnten, die das
       hauseigene Craft-Bier anpreist.
       
       Der Chef der Brauerei und Vorstand des SS-Vereins, Pekka Kääriäinen,
       [1][kündigte in der Morgenpost umgehend eine Anzeige an], weil er sich
       verleumdet fühle. Der taz gegenüber wiegelte er jedoch ab: Es sei doch
       alles ein Missverständnis, vor einer Anzeige würde er lieber erst mal über
       alles reden.
       
       Sein Veteranenverein sei politisch neutral. Weder er noch sein Vater, der
       für die Waffen-SS an der Ostfront gekämpft hatte, seien Nazis. Vielmehr
       seien die SS-Männer finnische „Patrioten“. Der Verein sei nach dem Krieg
       lediglich zur finanziellen Unterstützung der Veteranen und ihrer Familien
       gegründet worden, so Kääriäinen.
       
       ## Stolze Himmler-Zitate
       
       Nach der jüngsten Flyer-Aktion sah sich die Brauerei allerdings gezwungen,
       sich auf Facebook zu äußern. Man wolle klarstellen, dass „unser
       Unternehmen auf keiner Ebene und in irgendwelcher Art mit den in den Flyern
       erwähnten finnischen Veteranenverbänden in Verbindung steht“.
       
       Unbestritten bleibt allerdings Kääriäinen, auch Geschäftsführer der
       Berliner Filiale, weiterhin Vorsitzender des SS-Veteranenvereins und
       Chefredakteur der zugehörigen Zeitschrift namens Achtung, die das Andenken
       von die 1.408 finnischen Freiwilligen ehrt, die in der SS-Division Wiking
       in Osteuropa kämpften.
       
       Genau das kritisiert auch das Bündnis gegen Rechts. Voller stolz werde etwa
       Heinrich Himmler zitiert, wie er die Einsatzbereitschaft der finnischen
       SS-Männer lobte. Bündnis-Sprecher David Kiefer sah einer etwaigen Klage
       gelassen entgegen: „Wir können alle unsere Aussagen belegen und finden es
       super, wenn er Anzeige erstattet. Das schafft noch mehr Öffentlichkeit.“
       
       Erst jüngere historische Untersuchungen, etwa die [2][des finnischen
       Historikers Andre Swanström], plädieren für ein kritisch-differenzierteres
       Bild der finnischen SS-Freiwilligen. Zuletzt gab es in Finnland eine
       gesellschaftliche Debatte darüber, ob und inwiefern auch Finnen an
       Kriegsverbrechen und Grausamkeiten beteiligt waren. Kääriäinen nannte das
       [3][„ungerechte Anschuldigungen und Verdächtigungen“, während er mit Papas
       Stahlhelm für ein Magazin posierte].
       
       ## Finnische SS-Männer an Kriegsverbrechen beteiligt
       
       Blöd nur, dass eine erst Anfang Februar veröffentlichte [4][Untersuchung
       des finnischen Nationalarchivs zum gegenteiligen Schluss kommt]: Finnische
       Soldaten seien sehr wohl an Grausamkeiten beteiligt gewesen, wie
       Historiker*innen aus zahlreichen Tagebüchern der Freiwilligen
       herausarbeiteten. Und das, obwohl davon auszugehen ist, dass diese selbst
       noch ihre Taten in ihren Aufzeichnungen beschönigten.
       
       Auf der Website des Traditionsvereins „Veljesapu-Perinneyhdistys ry“
       (Brüder Hilfe e. V.) prangten [5][bis vor Kurzem noch] Hakenkreuze und
       SS-Runen in Wehrmachtsästhetik.
       
       Nachdem die [6][taz über die Brauerei und das fragwürdige Geschichtsbild
       des Inhabers im Zusammenhang mit der Grünen Woche berichtete], wurden
       zumindest SS-Runen und Hakenkreuze [7][vom Kopf der Webseite entfernt].
       
       5 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.morgenpost.de/bezirke/pankow/article216590859/Heftiger-Streit-um-finnische-Kneipe-in-Prenzlauer-Berg.html
 (DIR) [2] https://svenska.yle.fi/artikel/2018/10/21/forskare-finlandska-ss-man-gjorde-sig-skyldiga-till-krigsbrott-och-nastan-halften
 (DIR) [3] https://suomenkuvalehti.fi/jutut/kotimaa/han/sahtikeisari-puolustaa-suomalaisten-ss-miesten-mainetta-isa-ei-tiennyt/?shared=1050107-0c3a1f25-500
 (DIR) [4] https://www.arkisto.fi/uploads/Julkaisut/sarjajulkaisut/SS-VOLUNTEERS_verkkoon.pdf
 (DIR) [5] https://web.archive.org/web/20180214192542/http://www.veljesapu.fi/
 (DIR) [6] /!5563545/
 (DIR) [7] http://www.veljesapu.fi/pages/Veljesapu-Perinneyhdistys_ry/3227
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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