# taz.de -- Demo für ökologische Landwirtschaft: Sie haben es immer noch satt
       
       > Am Samstag protestieren tausende Öko-Bauern bei der „Wir haben es
       > satt“-Demo in Berlin. Sie wollen die Agrar-Subventionspolitik der EU
       > verändern.
       
 (IMG) Bild: Emsig am Protestieren: ein Foto vom „Wir haben es satt!“-Protestzug im Jahr 2013
       
       Berlin taz | „Wegen der enormen Trockenheit im vergangenen Jahr sind unsere
       Ernten um 45 Prozent eingebrochen.“ Das sagte Bio-Bauer Lucas Lütke
       Schwienhorst am Montag in Berlin bei der Auftaktveranstaltung zur „Wir
       haben es satt!“-Demonstration, die am Samstag stattfindet.
       
       Der 31-jährige Landwirt aus Brandenburg sieht sich als Betroffener des
       Klimawandels und hat deshalb zusammen mit anderen Bauernfamilien die
       Bundesregierung verklagt. Die Große Koalition wird nämlich trotz
       rechtsverbindlichem Beschluss nach eigener Einschätzung die Klimaziele 2020
       verfehlen.
       
       Auch deshalb wollen Schwienhorst und die Bewegung der industriellen
       Landwirtschaft die Gelder streichen. Seit 2011 geht das Bündnis jährlich
       zum Beginn der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ für eine ökologischere
       Landwirtschaft und bäuerliche Betriebe auf die Straße.
       
       Das Netzwerk besteht aus Bäuer*innen und etwa 100 Organisationen, unter
       anderem Greenpeace, dem BUND, attac und NABU. 33.000 Teilnehmer*innen und
       160 Traktoren waren nach Angaben der Veranstalter*innen 2018 beim Protest
       dabei.
       
       ## 80 Prozent der Subventionen für 20 Prozent der Betriebe
       
       Hauptkritikpunkt des Bündnisses ist die aktuelle Gemeinsame Agrarpolitik
       (GAP) der Europäischen Union, die ein Volumen von 60 Milliarden Euro
       jährlich hat und damit mehr als ein Drittel des EU-Haushalts ausmacht. Alle
       sieben Jahre werden in Brüssel die Förderleitlinien der GAP und somit die
       Verteilungsregeln für die Subventionen beschlossen. Dieses Jahr ist es
       wieder soweit.
       
       Bisher werden die Subventionen direkt an die Landwirte gezahlt, wobei die
       Höhe von der landwirtschaftlichen Fläche abhängt. Von dieser Vergabepraxis
       würden vor allem Großgrundbesitzer profitieren, was unter anderem zum
       Schließen von kleineren Bauernhöfen, Grundwasserverschmutzung und
       Artensterben führt, kritisiert die Protestbewegung. Rund 80 Prozent der
       EU-Direktzahlungen würden an nur 20 Prozent der Agrarbetriebe gehen.
       
       „Aus Sicht der Wissenschaft ist es entscheidend, dass die Bundesregierung
       klimaschonend arbeitenden Landwirten einen Wettbewerbsvorteil verschafft“,
       erklärte Benjamin Bodirsky vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
       auf der Veranstaltung als eingeladener Experte. Zu den möglichen Maßnahmen
       gehören laut dem Forscher beispielsweise Steuern auf Methanemissionen durch
       Wiederkäuer und auf umweltschädliche Stickstoffüberschüsse durch
       Überdüngung.
       
       Der Protestzug startet zeitgleich zur Agrarministerkonferenz mit einem
       „Kochtopf-Konzert“ um 12 Uhr vor dem Brandenburger Tor.
       
       15 Jan 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sinan Recber
       
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