# taz.de -- „Spiegel“-Reporter Juan Moreno: Er hat es sich nicht leicht gemacht
> Die Abgründe der „Spiegel“-Affäre um Claas Relotius sind noch lange nicht
> ausgeleuchtet. Einer ist gegen den Strom geschwommen – und macht
> Hoffnung.
(IMG) Bild: Die Grenze überschritten: Titelseite der „Spiegel“ Reportage von Juan Moreno und Claas Relotius
Auf einmal schauen alle auf ihn. Auf einmal ist er vom Reporter zur Quelle
geworden. Juan Moreno (46), [1][Spiegel-Redakteur] und Whistleblower im
eigenen Haus, hat gerade einen der größten Skandale in der Geschichte des
deutschen Journalismus aufgedeckt: [2][Die gefälschten Reportagen des Claas
Relotius (33)].
Moreno ist der erfahrenere von beiden – er war schon [3][Romanautor,
SZ-Kolumnist und ARD-Redakteur], bevor er 2012 zum Spiegel kam. Den
vielfach ausgezeichneten, nun [4][tief gefallenen Star-Reporter Claas
Relotius] kannte er kaum, sagt er. Und auch als sie an einer gemeinsamen
Reportage arbeiteten, recherchierten sie separat.
Es war die Geschichte „Jaegers Grenze“, die unter anderem von einer
US-Bürgerwehr an der Grenze zu Mexiko handelt, die schließlich für
Relotius' Enttarnung sorgen sollte. Beim Lesen der Textentwürfe fielen
Moreno Ungereimtheiten auf, zu viele Fragen waren offen. Moreno gab seine
Bedenken im Verlagshaus bekannt, stieß aber [5][auf „solide Spiegelwände“].
Moreno nahm die Rolle des Außenseiters an, der im Verdacht steht, einen
Kollegen in die Pfanne hauen zu wollen. All das berichtet Moreno [6][in
einem vom Spiegel veröffentlichten Interview], dem anzumerken ist, wieviel
Druck von ihm abgefallen ist, seit sich seine Erkenntnisse als das erwiesen
haben, was Reporter nach Hause bringen sollen: die Wahrheit.
## Auf eigenes Risiko
Moreno schont seinen Ex-Kollegen nicht, wenn er in fast jeder Antwort im
Interview von lügen, manipulieren, „Fake“ oder tricksen spricht. Dabei
schaut er wach, konzentriert und nicht zuletzt ein wenig wütend in die
Kamera und lässt sich geduldig ausfragen, wie er überhaupt allein diesen
Skandal aufdecken konnte. Für eine Reportage, die er für das Sport-Ressort
des Spiegel schreiben sollte, fuhr er nach Las Vegas und nutzte die Chance,
um Relotius’ Angaben in der Geschichte auf eigene Faust vor Ort in Arizona
zu überprüfen. Moreno fand heraus, dass der Kollege Relotius nie dort
gewesen war und die Leute, die er zitierte, nie getroffen hatte.
Als schwieriger erwies es sich dann allerdings, den Spiegel selbst zu
überzeugen, dass der sich in seinem Superstar getäuscht hatte – und damit
die gesamte Leserschaft. Seine eigene Recherche erzählt Moreno spannend wie
eine Kriminalgeschichte – plötzlich telefoniert er mit den dubiosen
Grenzsoldaten, erstellt E-Mail Adressen, um seinem Chef unter falschem
Namen zu schreiben und damit schließlich die Arbeitsweise Relotius‘ zu
rekonstruieren.
[7][Journalistisches Handwerk] führt am Ende zum Ziel. Am Mittwoch machte
der Spiegel den Fall Relotius öffentlich. Das Ganze stellt Moreno in ein
Scheinwerferlicht, das er verdient hat. Im Spiegel-Interview zieht er
Resümee und lässt offen, ob er Mitleid mit seinem Ex-Kollegen empfindet:
„Es gibt den Druck gutes Zeug zu liefern – ja – aber es gibt vor allem die
Verpflichtung, dass das Zeug verdammt nochmal wahr sein muss.“
23 Dec 2018
## LINKS
(DIR) [1] http://www.spiegel.de/impressum/autor-11254.html
(DIR) [2] /Der-Fall-Claas-Relotius-und-Journalismus/!5557396
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Juan_Moreno
(DIR) [4] /Fall-Claas-Relotius/!5561758
(DIR) [5] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/fall-relotius-spiegel-reporter-mit-rauswurf-gedroht-15954983.html
(DIR) [6] http://www.spiegel.de/video/betrugsfall-beim-spiegel-juan-moreno-ueber-fall-relotius-video-99023682.html
(DIR) [7] https://www.newyorker.com/magazine/2018/10/15/daniel-radcliffe-and-the-art-of-the-fact-check?fbclid=IwAR2Lg6c5rkDAXYq-wkZQCIIL5loHlQVInmxj8dvCQAvZejsnoGXVUbeoLYE
## AUTOREN
(DIR) Aron Boks
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