# taz.de -- Kommentar Polizeigesetz in Brandenburg: Kontrollwahn im Kiefernwald
       
       > Wie in anderen Bundesländern soll auch zwischen Uckermark und Lausitz das
       > Polizeiaufgabengesetz verschärft werden.
       
 (IMG) Bild: Polizeischüler nehmen in der Brandenburger Polizei-Fachhochschule in Oranienburg während der praktischen Ausbildung einen „Einbrecher“ fest
       
       Nun also Brandenburg. Wie [1][in anderen Bundesländern] soll auch zwischen
       Uckermark und Lausitz das Polizeiaufgabengesetz verschärft werden. In
       dieser Woche hat das rot-rote Kabinett einen entsprechenden Entwurf
       abgesegnet. Die Polizei soll weitgehendere Befugnisse erhalten – auch wenn
       keine konkrete Gefahr vorliegt.
       
       Danach könnten bei terroristischer Gefahr Verdächtige künftig bis zu vier
       Wochen in Gewahrsam genommen werden. Zudem sollen für sogenannte Gefährder
       Aufenthalts- und Kontaktverbote ausgesprochen werden und ihre
       Messengerdienste überwacht werden können. Doch es geht nicht nur um Terror.
       In den märkischen Kiefernwäldern könnten Ausflügler künftig landesweit
       anlasslos von der Polizei kontrolliert werden. Könnte ja sein, dass etwas
       nicht stimmt.
       
       Komisch nur, dass Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) noch im Frühjahr
       stolz ein Rekordtief der registrierten Straftaten verkündete: „Brandenburg
       ist sicherer geworden.“ Auch die Aufklärungsquote ist die beste seit zehn
       Jahren – und das, obwohl die Brandenburger Polizei mit 8.000 Beamten über
       so wenig Personal wie noch nie seit der Wiedervereinigung verfügt. Und auch
       bei Gewaltstraftaten liegt Brandenburg im letzten Drittel der Bundesländer:
       relativ zur Einwohnerzahl gibt es nicht mal halb so viele wie in Berlin.
       
       Warum also die Verschärfung? In zehn Monaten wird der Landtag neu gewählt.
       Schröter will sich nicht von der Opposition aus CDU und AfD rechts
       überholen lassen. Erstere hat sogar einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt.
       Unproblematisch ist das Gesetz auch für die mitregierenden Linken nicht.
       Auf deren Drängen wurde der Entwurf zwar abgemildert. Doch das letzte Wort
       scheint noch nicht gesprochen: Fraktion und Parteivorstand werden erneut
       prüfen, ob in dem Gesetzentwurf der Schutz der Freiheitsrechte ausreichend
       berücksichtigt worden sei, sagt Linken-Landesvorsitzende Anja Mayer.
       
       Und am Samstag nächster Woche soll es in Potsdam eine Demonstration gegen
       das Gesetz geben.
       
       3 Nov 2018
       
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