# taz.de -- Kommentar Volmer will #Aufstehen: Der Grüne an Sahras Seite
       
       > Einst stritt Ludger Volmer für Kriegsbeteiligungen und Hartz IV. Jetzt
       > unterstützt der Grünen-Oldie Wagenknechts „Sammlungsbewegung“.
       
 (IMG) Bild: Als es noch drauf ankam: Ludger Volmer zu rot-grünen Regierungszeiten 2002 – sitzend
       
       Erinnert sich noch jemand an Ludger Volmer? Das war der „linke“ Grüne, der
       zu rot-grünen Regierungszeiten als treuer Knappe Joschka Fischers an
       vorderster agitatorischer Front stand, als es um die deutsche Beteiligung
       am völkerrechtswidrigen Jugoslawien-Krieg ging. Auch beim Afghanistan-Krieg
       stand er als Staatsminister im Auswärtigen Amt wieder eisern Gewehr bei
       Fuß.
       
       Bis zu ihrem Eintritt in die Bundesregierung 1998 hatten die Grünen als
       Friedenspartei gegolten. Danach nicht mehr. [1][Auch Dank Volmers
       engagiertem Einsatz.] Denn aus Gewissensgründen weiterhin eine deutsche
       Militärbeteiligung abzulehnen, fand der einstige Kriegsdienstverweigerer
       seinerzeit völlig abwegig. Schließlich hätte sich das Gewissen „ebenso auf
       strategische Fragen wie das Überleben der Koalition als Voraussetzung etwa
       für die geplanten Sozialreformen“ erstreckt, bilanzierte Volmer ohne Reue
       in seinem Buch über die Geschichte der Grünen 2009. Tatsächlich kamen die
       „geplanten Sozialreformen“ dann ja auch – unter Volmers aktiver Mithilfe.
       Wir kennen sie heute unter dem Namen „Agenda 2010“.
       
       Eigentlich ist es besser, sich nicht mehr an den Politfunktionär Volmer zu
       erinnern. Er war eine traurig-tragische Gestalt bei den Grünen: ein
       „Parteilinker“ mit allzu großem Selbstbewusstsein, aber ohne Rückgrat. Ein
       eitler Besserwisser, der es in den entscheidenden Momenten hätte besser
       wissen können, aber nicht wollte. Denn als es wirklich drauf ankam, hat er
       sich lieber der parlamentarischen Mehrheitsmeinung angeschlossen – und für
       Krieg und Sozialabbau votiert.
       
       Was den heutigen Politpensionär übrigens mit seinen langjährigen
       Bundestagsfraktionskolleginnen Antje Vollmer und Christa Nickels verbindet.
       Für alle drei gilt: Als sie hätten aufstehen müssen, haben sie lieber
       mitgemacht.
       
       Jetzt machen die drei Grünen-Oldies wieder mit. Diesmal bei der
       „Sammlungsbewegung“ von Sahra Wagenknecht. Und Ludger Volmer macht sogar
       noch mehr: Am kommenden Dienstagvormittag, so wurde es jetzt angekündigt,
       will der 66-jährige Ex-Grünenvorsitzende gemeinsam mit Wagenknecht in
       Berlin in der Bundespressekonferenz sitzen, um die offizielle Gründung von
       „[2][#aufstehen]“ zu verkünden.
       
       Endlich kann sich Volmer mal wieder in dem Scheinwerferlicht bewegen, das
       er so liebt. Es sei ihm gegönnt. Und Wagenknechts „Sammlungsbewegung“ auch.
       
       31 Aug 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!1283032/
 (DIR) [2] https://www.aufstehen.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ludger Volmer
 (DIR) Linke Sammlungsbewegung
 (DIR) Aufstehen
 (DIR) Sahra Wagenknecht
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Linke Sammlungsbewegung
 (DIR) Linke Sammlungsbewegung
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahlen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Linke Sammlungbewegung vor dem Start: Aufstehen – und dann?
       
       Am Dienstag stellt Sahra Wagenknecht ihre Bewegung „Aufstehen“ vor. Was
       will die Gruppe? Und wer macht mit?
       
 (DIR) Debatte Linke Bewegungen: Aufbruch der „ökumenischen Linken“
       
       Wir brauchen sowohl #Aufstehen als auch #unteilbar, um die Zukunft neu zu
       denken. Deshalb sollte man beide Initiativen unterstützen.
       
 (DIR) Bernd Riexinger über „Aufstehen“: „Ich bin schon eingesammelt“
       
       Linken-Chef Bernd Riexinger kritisiert die „Aufstehen“-Bewegung um Sahra
       Wagenknecht. Er warnt davor, eine Konkurrenz zur eigenen Partei aufzubauen.
       
 (DIR) Kretschmann über Schwarz-Grün 1992: „Wenn mei Onkel kei Schwänzle hätt“
       
       Asylpolitik, Rechte im Landtag und Bedenken gegenüber der Union: Ein
       taz-Streitgespräch zwischen Kretschmann und Ludger Volmer von 1992 ist
       erstaunlich aktuell.
       
 (DIR) Grüner Volmer über 30. Parteigeburtstag: "Sie haben keine klare Option mehr"
       
       Grünen-Politiker Ludger Volmer, Exstaatsminister im Auswärtigen Amt, über
       den Veränderungsanspruch der ehemaligen Antiparteienpartei den drohenden
       Verlust des Reformprojekts der Partei.