# taz.de -- Berliner Wochenkommentar I: Opposition sucht neue Führung
       
       > Der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf tritt überraschend zurück.
       > Als Nachfolger sind gleich drei Männer im Gespräch.
       
 (IMG) Bild: Florian Graf hat seinen Rücktritt als Chef der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus angekündigt
       
       Bis Donnerstagabend war Florian Graf der mächtigste Mann der Berliner CDU:
       Als Chef der größten Oppositionsfraktion im Abgeordnetenhaus liegt es vor
       allem an ihm, die rot-rot-grüne Koalition zu kritisieren, anzugreifen,
       Alternativen aufzuzeigen – ohne wirklich selbst welche haben zu müssen,
       denn die werden sowieso nicht umgesetzt.
       
       Mit Monika Grütters besitzt die Berliner Union überdies eine
       Parteivorsitzende, die bisher wenig auf landespolitischem Parkett unterwegs
       war. Freie Bahn also – sollte man meinen.
       
       Doch Graf will nicht mehr angreifen, zumindest nicht aus der ersten Reihe
       heraus: Er werde sein Amt in zwei Wochen abgeben, hat der 44-Jährige am
       Donnerstag angekündigt. Stattdessen soll er Mitte Juni Geschäftsführer beim
       CDU-Wirtschaftsrat werden, einem parteinahen Unternehmensverband. Von
       diesem Schritt informiert waren in der CDU nur engste Vertraute.
       
       Graf war einer der Garanten der SPD-CDU-Regierung von 2011 bis 2016. Seine
       enge Zusammenarbeit mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh bildete die
       Grundlage dafür, dass diese letztlich weitgehend erfolglose Koalition nicht
       vorzeitig an internen Streitigkeiten zerbrach. In der Opposition gelang es
       Graf indes nicht, Akzente zu setzen; die Kritik an seiner Arbeit in den
       eigenen Reihen war zuletzt lauter geworden.
       
       Dennoch kommt der Schritt überraschend. Deshalb werden gleich drei Männern
       Chancen als Nachfolger eingeräumt: Mario Czaja, der als Sozialsenator unter
       Rot-Schwarz auf ganzer Linie versagt hat, könnte in dieser Position ein
       politisches Comeback gelingen.
       
       Stefan Evers wurde von Parteichefin Grütters bereits als Generalsekretär
       installiert; würde er auch Fraktionschef, wäre das gleichzeitig eine
       Stärkung von Grütters’ Position. Auch der Name von Innenexperte Burkard
       Dregger fällt: Der Wertkonservative mit dem militärischen Auftreten dürfte
       die Fraktion weg aus der Mitte Richtung Law and Order rücken und inhaltlich
       damit in Richtung AfD.
       
       Neben viel Windmachen muss der neue Fraktionschef vor allem das Verhältnis
       der CDU zu den Rechtsaußen klären, die ihr bei der Wahl 2016 viele Stimmen
       geraubt haben. Anbiedern oder abgrenzen ist hier die Frage. Letztlich hat
       die CDU derzeit aber nur eine Machtoption: mit der SPD. Immerhin: Laut
       Umfragen ist sie derzeit stärkste Partei in Berlin.
       
       1 Jun 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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