# taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Die Bundesregierung ist bei Puigdemont machtlos, ein Pornostar wird Trump
       > nicht stürzen und Christen solidarisieren sich mit Muslimen.
       
 (IMG) Bild: Berliner Demo gegen das Festhalten des katalanischen Politikers Charles Puigdemont
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Die SPD vergisst Münteferings goldenen Satz „Die
       Wirtschaft ist für die Menschen da“. Und nimmt der Wirtschaft die
       überflüssigen Menschen ab.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Müntefering wird die SPD nie vergessen.
       
       Die Affäre um den in London vergifteten russischen Ex-Geheimdienstler
       Sergei Skripal geht weiter: 17 EU-Staaten, die Nato und sechs weitere
       Länder weisen russische Diplomaten aus. [1][Russland weist seinerseits
       ebenfalls Diplomaten aus]. Gibt es noch eine Chance für bessere Beziehungen
       zu Russland? 
       
       Das war ein weiter Weg zu dieser 179-Grad-Wende: Gedankenspiele über einen
       Nato-Beitritt Russlands gab es, Kanzlerin Merkel sagte taktierend, man
       müsse „die Russen erst mal fragen, ob sie das wollen“.
       Ex-Verteidigungsminister Rühe hatte dafür plädiert, „den Russen die Tür zu
       öffnen“. Putin ließ ausrichten, er habe Kollege Clinton drauf angesprochen.
       Das ist acht Jahre her. Heute begründet sich die Nato neu am gemeinsamen
       Feind Russland. Bundestagspräsident Schäuble lockt mit der Hoffnung, so
       viel Solidarität werde gar den Brexit aufhalten; Außenminister Maas
       begnadigt seine Hilflosigkeit zu „einem notwendigen und angemessenen
       politischen Signal“. Beide räumen so indirekt ein: sachgrundlose
       Befrostung.
       
       Die russische Urheberschaft am Mordanschlag auf Familie Skripal ist so
       bewiesen wie Massenvernichtungswaffen im Irak. Darauf weist Ex-EU-Kommissar
       Verheugen hin. Merkel, Rühe, Verheugen, auch die grüne Grande Dame Vollmer
       – da steht ein Häuflein naiver Putinversteher gegen seriöse Charaktere wie
       Trump und Johnson. Eine Kernaufgabe der deutschen Außenpolitik ist:
       Ausgleich mit Russland. Das ist nach zwei Weltkriegen keine Folklore oder
       Zivildienst und zudem Ausweis gelegentlicher Teilnahme am
       Erdkundeunterricht: Wir bewohnen einen Kontinent und sind eher Russlands
       Westküste als die Ostküste der USA. Es gibt, in Schemen, den
       Nato-Russland-Rat, es gibt verschiedene Dialogformate wie den Petersburger,
       und es gibt hoffentlich bald eine eigenständige deutsche Außenpolitik.
       
       In Frankreich [2][wird eine Holocaust-Überlebende in ihrer Wohnung
       ermordet], angeblich aus antisemitischen Motiven. [3][An einer Berliner
       Schule wird ein jüdisches Mädchen bedroht]. Und in Großbritannien heißt es,
       Labour-Chef Jeremy Corbyn [4][toleriere Antisemitismus in seiner Partei].
       Was soll man dazu sagen? 
       
       Na ja: Schande! Der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster fordert ein
       „niedrigschwelliges Angebot zur Erfassung antisemitischer Vorfälle in der
       gesamten Bundesrepublik“. Und Unions-Fraktionschef Volker Kauder verwandelt
       sicher und regt an, Schulen zu verpflichten, „judenfeindliche Vorfälle der
       Schulverwaltung zu melden“, damit die Kultusbehörden „schulübergreifende
       Maßnahmen prüfen können“. So weit, so gut, so schlecht – dass das nötig
       scheint, zeugt vom Übel. Aber: Dass durch diese Maßnahmen aus pubertärem
       Hammelblöken ein gesellschaftlicher Trend gedeutet werden kann, erfreut
       bald womöglich auch die Judenhasser. Das wäre noch übler.
       
       Kardinal Marx rief am Karfreitag alle Christen in Deutschland dazu auf,
       sich mit Muslimen zu solidarisieren. Ein bedeutsamer Akt in Zeiten von
       zunehmender Spalterei? 
       
       Natürlich hat es für viele Katholiken jesusmäßigen Wumms, wenn der deutsche
       Oberhirte zur Begegnung bittet. Wenn Marx die Muslime fertig integriert
       hat, kann er mal auf die Protestanten zugehen.
       
       Der Posterboy der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, Carles Puigdemont,
       ist [5][in Deutschland festgenommen worden]. Was soll die Bundesregierung
       machen? 
       
       Die Bundesregierung hat formell nichts zu sagen, seit 2004 macht der
       „Europäische Haftbefehl“ die Justiz zur alleinigen Entscheiderin. Das
       Gericht prüft, ob die vorgeworfenen Straftaten auch in Deutschland
       kriminell wären. Bei „rebellion“, etwa „Hochverrat“, wird das heikel; bei
       „sedicion“, also „Aufruhr“, fehlt vor allem das Merkmal Gewalt. Da
       Puigdemonts Volksabstimmung mit Steuergeld finanziert wurde, dürfte der
       Vorwurf „Veruntreuung“ greifen, das ist auch bei uns strafbar. Hinzu kommen
       Korruptionsvorwürfe. Deutschland bekam letztes Jahr den Naziprediger Horst
       Mahler von Ungarn zurück; die Bundesregierung wird den EU-Haftbefehl
       respektieren, anders als „Internationale Haftbefehle“ etwa der Türkei, die
       nicht der EU angehört. Hoffentlich, das wäre auch gut für den absehbaren
       Haftbefehl Erdoğans zum Prozess gegen Deniz Yücel.
       
       Außenminister [6][Heiko Maas wirbt in Israel] für ein besseres
       deutsch-israelisches Verhältnis und vor der UNO für einen ständigen Sitz
       Deutschlands im UN-Sicherheitsrat. Wie beurteilen Sie seine Auftritte? 
       
       Vor einem Jahr hatte MP Netanjahu Maas' Vorgänger Gabriel sitzen lassen,
       weil der sich mit regierungskritischen NGOs getroffen hatte. Maas blieb
       leise, in der Traditionslinie der israelisch-deutschen Freundschaft, und
       verzichtete gleichwohl nicht auf Hilfszusagen an die Palästinenser. Well
       done. Der deutsche Traum vom Sitz im Weltsicherheitsrat wurzelt in Zeiten
       Kanzler Kohls; hier mischen sich der Wunsch nach Bedeutung und die
       Selbsttäuschung, Frieden ohne Deutsche sei ja kaum zu machen. Umgekehrt:
       Sitzt Deutschland einmal im Weltsicherheitsrat, kommen wir aus den
       heillosen Militäreinsätzen im Ausland nicht mehr raus.
       
       Geburtenboom in Deutschland: 2016 kamen so viele Kinder zur Welt wie seit
       1996 nicht mehr. Ist Sarrazin widerlegt? 
       
       Hatte der auch was gegen Geschlechtsverkehr? Ich hab das alles nicht
       gelesen, sorry.
       
       Stephanie Clifford, bekannt als Pornostar Stormy Daniels, hat [7][über ihre
       Affäre mit Trump geredet]. Wird sie es schaffen, ihn zu stürzen? 
       
       Trump über eine Affäre stürzen zu wollen ist so aussichtsreich, wie einen
       Hund des Bellens zu bezichtigen.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Ich dachte, 6:0 gegen Bayern zu verlieren ist schlimm. Dann las ich, dass
       der BVB Matthias Sammer als Berater verpflichtet.
       
       FRAGEN: ACS
       
       2 Apr 2018
       
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