# taz.de -- Kolumne Mithulogie: Selbstverteidigung auch für Jungs
       
       > Auch Jungs sollten feministische Selbstverteidigung lernen. Es ist
       > nämlich leichter, anderer Leute Grenzen zu achten, wenn man selbst welche
       > hat.
       
 (IMG) Bild: Feministische Selbstverteidigung ist mehr als nur kämpfen
       
       In meiner letzten Kolumne [1][forderte ich feministische Selbstbehauptung
       an Schulen] und bekam eine Menge Mails, die nicht meiner Meinung und
       freundlich waren. Der Trick mit Kritik ist, dass sie wirkt, wenn sie mir
       nicht befiehlt, mich umzubringen, weil ich etwas geschrieben habe.
       
       In diesem Fall halt: feministische Selbstverteidigung, was von vielen als
       feminine Selbstverteidigung verstanden wurde, sprich nur für Frauen. Bei
       WenDo geht es nicht nur um Schläge, sondern vor allem darum, sich die
       Erlaubnis zu geben, nicht superfreundlich zu sein, wenn Leute einen
       vollquatschen, „das ist mir zu nahe“ zu sagen, wenn Leute einem auf die
       Pelle rücken und „LASS DAS!!!“ wenn … na ist ja klar, wann.
       
       Und was ist derweil mit den Jungs? Sitzen die rum und hauen sich
       gegenseitig mit einem Stock auf den Kopf? Natürlich nicht. Doch es ist
       tatsächlich so, dass das WenDo-Angebot für Jungen nicht gerade
       flächendeckend ist. Was daran liegt, [2][dass WenDo aus der Selbsthilfe
       entstanden ist.] Aber auch, dass Übergriffe auf Männer oder Jungen ein
       blinder Fleck sind.
       
       ## Sexualisierte Gewalt gegen Männer
       
       So kam nach der [3][Kolumnenlesung am vergangenen Dienstag] in Berlin der
       Autor Eilert Bartels zu mir und sagte, er hätte ein Problem mit den
       Schildern in Schwimmbädern: Egal welche Badekleidung eine Frau trägt, sie
       ist zu achten und zu respektieren. „Dem stimme ich natürlich zu, aber was
       ist mit Männern? Sind die nicht zu respektieren?“
       
       „Als Mann werde ich doch nicht belästigt“, wiegelte ein anderer Zuhörer ab.
       „Echt nicht?“ „Echt nicht.“ Und dann fing Bartels an, die letzten Wochen
       aufzuzählen, angefangen beim Zwischen-die-Beine-Greifen im Schwimmbad bis
       hin zu der Frau, die ihm an dem Abend ungefragt über den Bauch geschrubbt
       und gesagt hatte: Oh, du hast aber zugenommen. In diesem Moment unterbrach
       der andere: „Doch, das letzte mal war vor 3 Tagen.“
       
       Weshalb es in Tübingen eine Beratungskooperation sexualisierte Gewalt für
       Frauen*Männer gibt. Nur haben die das Problem, dass Micha Schöller, die für
       Frauen* zuständig ist, alle Hände voll zu tun hat, im Gegensatz zu ihrem
       Kollegen … Also, doch unnötig? „Nein“, sagt Schöller, „die Schwelle für
       Männer, sich an uns zu wenden, ist noch höher als die für Frauen. Jungen
       lernen, nicht über ihre Verletzlichkeit zu sprechen, bis sie sie selbst
       nicht mehr wahrnehmen.“
       
       Das könnte durch WenDo-Kurse an Schulen geändert werden. Wenn die Kurse für
       Jungs* nicht nur beinhalten, mit Mädchen respektvoll umzugehen, sondern
       dass auch ihre eigenen Grenzen respektiert werden müssen. Nebenbei: Es ist
       viel leichter, auf andere Grenzen zu achten, wenn man selbst welche haben
       darf. Und was ist mit Transkindern? Die wissen in der Regel genau, welches
       Geschlecht sie sind und sollten auch in dieser Gruppe mitmachen dürfen.
       Ansonsten bin ich dankbar für Vorschläge.
       
       6 Mar 2018
       
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