# taz.de -- Kolumne Einfach gesagt: Alles nur Realitäts-Entertainment
       
       > Darf es Rechtsextremisten geben, weil alles eine Berechtigung hat, das
       > irgendwem gut tut? „Ja“, sagte der Lover meiner Freundin.
       
 (IMG) Bild: Muss es rechte Schweine geben dürfen? Anschlag auf ein ein geplantes Asylbewerberheim in Brandenburg im Jahr 2016
       
       Dann ist Sachsen jetzt eben unser Texas“, sagte der neue Lover meiner
       Freundin und Kollegin, legte sein Handy auf die Bank und blinzelte grinsend
       in die Wintersonne überm Park Fiction.
       
       „Was?!“ Meine Freundin ließ ihr Handy sinken.
       
       „Das hat jemand getwittert und ich find’s befreiend.“
       
       „Inwiefern?“ fragte ich, während sie sich hektisch eine Zigarette
       ansteckte.
       
       „Na, man muss die Verhältnisse dann auch einfach mal so nehmen, wie sie
       sind. Jedes Volk hat seine Rechten.“
       
       „Du meinst mit Ku-Klux-Klan, Mord, Totschlag, Präsident und so?“ fragte
       ich.
       
       „Ich wollt’das jetzt nicht hysterisch im Detail aufdröseln, aber ich
       find’eben, man muss sich da nicht ewig weiter dran aufreiben!“
       
       „Woran?“
       
       „An rechtsdominiertem deutschen Boden.“
       
       Der Typ war Lifestyle-Blogger. Einer, der damit viel Geld verdient, wie
       meine Freundin betont hatte. Er sah gut aus und hatte zu allem eine Ansage.
       Damit ich ihn kennenlerne, hatten wir zu dritt eine Ausstellung besucht.
       Die Vernissage dazu war in die Schlagzeilen geraten.
       
       Der Künstler hatte in jedes seiner Wimmelbilder ein Hakenkreuz integriert.
       Die Ausstellung war bereits ausverkauft, auch ein Hamburger AfD-Politiker
       hatte ein Bild erworben und es gepostet – so waren die Medien auf die
       kleine Galerie aufmerksam geworden. Der Blogger hatte das Bild fotografiert
       und bei Instagram gepostet.
       
       Bei unserem Gang zur Elbe hatten wir darüber gesprochen, was es sollte,
       dass der Künstler in jedem seiner Bilder ein Hakenkreuz versteckt hatte –
       wie in einem Suchbild für Kinder. Das war das Konzept der Ausstellung, der
       Witz, die Ironie, wie der Blogger immer wieder betonte.
       
       Der Titel der Ausstellung war: „Wo ist der Haken?“
       
       Der Blogger sagte, ihn habe die Aufregung darüber genervt, dass ein
       AfD-Politiker Kunst mit Hakenkreuzen kaufe. Es sei doch klar, dass das
       Nazis seien und es gebe nun mal Rechtsextreme und die hätten eben ihren
       angestammten Ballungsraum, so wie wir unseren.
       
       Er hatte natürlich ein bisschen Recht. Das spielte aber keine Rolle. In
       seiner Haltung steckte zu viel begeisterte Resignation darüber, dass etwas
       Menschenverachtendes stetig genormt wird. Es klang, als wäre das Leben, die
       Politik, alles, was passierte, Realitäts-Entertainment, das sich vor allem
       in unseren Smartphones abspielte – und als würde Bedrohliches relativiert,
       wenn jemand ironisch darüber twitterte.
       
       Der Blogger sagte: „Beyonce kommt auch aus Texas und in Sachsen sind ja
       auch nicht alle Nazis und Helene Fischer ist Russin und viele Rechte lieben
       sie, ist also alles gar nicht so wild. Es muss rechte Schweine geben
       dürfen, in Sachsen – und meinetwegen auch hier auf St. Pauli. Ich bin ja
       auch null religiös, aber alles hat seine Berechtigung, wenn es Menschen
       irgendwie guttut, besonders denen, die nicht so cool sind wie wir!“
       
       Es wurde schlagartig eiskalt, die Sonne versank hinter den
       Containerschiffen, die große weite Welt seufzte und meine Freundin machte
       noch vor dem Wort zum Sonntag mit ihm Schluss.
       
       19 Feb 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Ramadan
       
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