# taz.de -- Kommentar Kirche beim CSD: Feiert doch lieber das Leben!
       
       > Gut, dass es einen Wagen der Evangelischen Kirche beim CSD in Berlin
       > gibt. Doch muss er gleich so drängelnd gesundheitsbewusst daherkommen?
       
 (IMG) Bild: Oh my god!
       
       Es ist ja unbedingt zu begrüßen, dass beim Berliner CSD, dem queeren
       Volxfest am 22. Juli, erstmals offiziell in der Wagenparade ein Gefährt der
       Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Oberlausitz sich mit
       einreiht. Ja, ältere Menschen wissen diese Geste nicht als protestantischen
       Opportunismus vor dem Zeitgeist zu deuten, sondern als couragierte Geste
       von Christ*innen in der Kirche Martin Luthers, die sich noch erinnern
       können, wie es in ihrer Religionsgemeinschaft vor gar nicht allzu langer
       Zeit war – homophob und heterotyrannisierend.
       
       Und diese Präsenz auf der, neben dem gestern zelebrierten CSD in Köln,
       wichtigsten nicht sektiererischen Parade von Lesben, Schwulen, Trans* und
       Inter*-Menschen ist auch deshalb eine feine Sache, weil ja noch viele
       Christ*innen der Legende von Eva und Adam und ihrem Apfel mehr Glauben
       schenken als einer von Maria und Eva oder Josef und Adam.
       
       Aber muss es denn so eine drängelnd gesundheitsbewusste Performance werden?
       Muss es wirklich zuerst um die Verteilung von Kondomen gehen? Mithin um das
       Symbol von sexuellem Risiko und seiner Abwehr?
       
       Man möchte der Kirche seufzend entgegenrufen: Feiert doch lieber das Leben
       – dass Kondome für ein gelingend-lustvolles nützlich sein können, weiß doch
       sowieso jedes Kind*. Man stelle sich vor, eines Tages würden auch die
       deutschen Filialen des Vatikans bei einem CSD mitmachen: Was wäre das für
       eine Verheißung: Hinweise auf Fegefeuer und Verderbnis, aber das alles so
       formuliert, dass beide Dinge umso gleißender locken.
       
       Nein, der Protestantismus muss noch an sich und seinen
       Lobpreisungskonzepten arbeiten. Feiern wir also den
       evangelisch-lutherischen Wagen auf der Parade in der Hauptstadt – das ist
       ein Anfang, nicht mehr, nicht weniger. Eines Tages, so ließe sich außerdem
       anfügen, wird auch die sächsische Landeskirche schwule oder lesbische Paare
       in Pfarrhäusern selbstverständlich für erwünscht halten.
       
       10 Jul 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
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