# taz.de -- Trauerbekundungen um Altkanzler: Letzte Worte über Kohl
       
       > Weltweit äußern sich Wegbegleiter von Helmut Kohl zu dessen Tod – von
       > Michail Gorbatschow bis George H. W. Bush. Der Altkanzler starb am
       > Freitag mit 87 Jahren.
       
 (IMG) Bild: Der frühere sowjetische Präsident Gorbatschow, Ex-US-Präsident Bush und Kohl 2005 in Geisa an der hessisch-thüringischen Grenze
       
       Berlin dpa | Der Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) im Alter
       von 87 Jahren hat auch international Trauer ausgelöst. Der einstige
       sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow würdigte Kohl als
       herrausragenden Politiker, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte
       hinterlasse. „Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen „Kanzler der
       deutschen Einheit“ gegeben. „Das ist richtig und gerecht“, sagte
       Gorbatschow am Freitagabend in Moskau.
       
       Kohl hatte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 mit Gorbatschow
       sowie den Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens und
       Frankreichs die Bedingungen für die Deutsche Einheit ausgehandelt. Der
       frühere US-Präsident George H. W. Bush würdigte Kohl als „wahren Freund der
       Freiheit“.
       
       Der Kanzler der Deutschen Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union
       war am Freitagmorgen in seiner Heimatstadt Ludwigshafen gestorben. Seine
       Amtsnachfolgerin Angela Merkel bezeichnete Kohl als „Glücksfall für uns
       Deutsche“. Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine
       Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die
       CDU-Vorsitzende bei einem Besuch in Rom.
       
       Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank, saß im
       Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hatte sich sein Zustand
       deutlich verschlechtert. Nach Operationen lag er monatelang im Krankenhaus.
       Kohl kehrte wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück, wo er
       zuletzt im April 2016 noch Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban
       empfing. Orban lobte in einem Nachruf Kohl als herausragenden Staatsmann:
       „Möge Gott dem Freund Ungarns, dem großen Alten Helmut Kohl gnädig sein.“
       
       Der Staatsakt zu Ehren des Gestorbenen wird voraussichtlich in seiner
       Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden. Im Foyer der CDU-Zentrale in Berlin
       wurde ein Kondolenzbuch für Helmut Kohl ausgelegt. Die CDU richtete zudem
       ein Online-Kondolenzbuch ein.
       
       Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz würdigte Kohl als
       europäischen Visionär. „Das Europa, in dem wir heute leben, wäre ohne
       Helmut Kohl nicht denkbar“, schrieb Schulz in einem Gastbeitrag für die
       Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Samstag). Der Christdemokrat
       habe „die europäische Einigung mit einer Energie und Überzeugungskraft
       vorangetrieben, wie nur ganz wenige andere Staatsmänner“.
       
       US-Präsident Donald Trump beschrieb Kohl als Freund und Verbündeten der
       USA. Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen,
       sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis.
       Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert.
       „Sein Vermächtnis wird weiterleben.“ Italiens früherer Ministerpräsident
       Matteo Renzi bezeichnete Helmut Kohl als einen Giganten. Er sei einer der
       Väter des Europas der Völker gewesen. „Dies zu leugnen ist nicht nur
       ungerecht, es ist unmöglich“, sagte Renzi.
       
       Kohl regierte von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler – 16 Jahre, so lange wie
       bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine
       gemeinsame Währung. Immer wieder hob er die Bedeutung der europäischen Idee
       für Frieden und Wohlstand hervor.
       
       Lesen Sie [1][hier] auch den Nachruf auf Helmut Kohl.
       
       17 Jun 2017
       
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