# taz.de -- Klotzen mit Klötzen: Einkaufs-Ufo am Hafen
       
       > Im Überseequartier soll Hamburgs größtes Einkaufszentrum entstehen. Die
       > Einzelhändler der City macht das nervös.
       
 (IMG) Bild: Bauherren-Bilder beweisen: Hier entsteht keine keine Shopping-Mall, sondern eine Mall zum Shoppen
       
       HAMBURG taz | „Die Luftnummer“: Dass die [1][aktuelle Ausgabe] der
       [2][Hafencity Zeitung] mit dem Thema Luftverschmutzung aufmacht,
       illustriert mit etwas Schiffsschornstein unter viel grauem Himmel, es wird
       ein Zufall sein. Die düstere Stimmung gewinnt an Aussage aber erheblich
       durch ein Gespräch mit Iris Neitmann. Die 61-Jährige ist Architektin und
       Teil der [3][Initiative „Lebenswerte Hafencity“.] Und die wiederum ist der
       Motor des Protests in „Hamburgs modernstem Stadtteil“.
       
       Der Protest richtet sich gegen Hamburgs bisher größtes geplantes
       Einkaufszentrum. Als die CDU-Bürgerschaftsfraktion jetzt zu einem
       Diskussionsabend am kommenden Montag einlud, war daraus sogar
       „Norddeutschlands größtes Shopping-Areal“ geworden.
       
       Rund 80.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche sollen bis 2021 im südlichen
       Überseequartier entstehen, dazu Büros und Hotellerie, ein schmuckes
       Kreuzfahrtterminal anstelle des existierenden, ein Multiplex-Kino und
       Wohnungen – auf insgesamt 260.000 Quadratmeter Fläche.
       
       Bauherr ist der französische Einkaufs- und Messezentren-Riese
       Unibail-Rodamco, der nach eigenen Angaben nach etwas über eine Milliarde
       Euro investieren will. Und damit dürfte er nicht zuletzt dem Bürgermeister
       eine Freude bereiten: Der setzte sich Anfang April wieder mal einen
       Bauarbeiterhelm auf, um auf der Brachfläche symbolisch spatenzustechen.
       
       Hatte die Hafencity zuletzt eher schlechte Nachrichten beschert, konnte
       Olaf Scholz (SPD) nun schon die zweite sprichwörtlich vom Eis geholte Kuh
       präsentieren – nach jener namens „Elphi“. Denn in Folge der Immobilien- und
       Finanzkrise hatten sich die ursprünglichen Entwickler des Areals
       zurückgezogen, die Stadt brauchte Ersatz.
       
       „Wir wollen ein lebendiges Viertel“, sagte Scholz damals vor der Presse,
       und das klingt nicht bloß, als komme es direkt aus der
       Kommunikationsabteilung des Bauherrn: Dieser kündigte am selben Tag „ein
       neues, lebendiges Stadtquartier“ an.
       
       Für Kritikerin Neitmann und die Initiative ist solche Vollmundigkeit aber
       schlicht unwahr: Das geplante „Ufo“ sei viel zu groß für den Stadtteil. Es
       werde eben gerade kein offenes Viertel, sondern [4][“ein in sich
       geschlossener Klotz“] und verstoße damit gegen all das, was sich die Stadt
       für die Hafencity vorgenommen habe: Kleinteiligkeit etwa und eine
       abgestimmte Planung.
       
       Mehr Abstimmung, mehr Rücksichtnahme, das wünschen sich auch die bereits
       heute in der Innenstadt ansässigen Geschäfte, womit sie bei FDP und CDU auf
       Unterstützung stoßen: Neben der erwähnten CDU-Veranstaltung hat die FDP das
       Thema „Innenstadt stärken und Überseequartier anbinden“ in die Bürgerschaft
       eingebracht.
       
       Seitens Senat, Hafencity-GmbH und Investor wird die neue
       Mall-die-keine-sein-Soll als Erweiterung der Innenstadt deklariert – um
       rund ein Viertel der dort vorhandenen Flächen. Für Neitmann und wohl auch
       so manchen Ladenbetreiber sind aber die Innenstadt und das Überseequartier
       nicht dasselbe, sondern dafür schlicht zu weit voneinander entfernt: knapp
       anderthalb Kilometer und bis zu sechs Hindernisse dazwischen, mehrspurige
       Straßen, Fleete und derlei.
       
       „Die Fußwege-Distanz ist zu groß, zu lang“, sagte [5][vergangenen
       Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss] auch der Braunschweiger
       Stadtplaner Holger Pump-Uhlmann, eine Kapazität in Sachen Einkaufszentren,
       der sich in der Vergangenheit immer wieder mit deren allzu optimistischen
       Betreibern angelegt hat. „Das wird immer ein abgesetzter
       Einzelhandelsstandort sein, der am Rande der City liegt.“
       
       Für die bis zu 50.000 prognostizierten Besucher plant Unibail-Rodamco knapp
       3.000 Parkplätze. In den Augen von Kritikern ein Anreiz, mit dem Auto zu
       kommen – die Folgen seien mehr Lärm und schlechtere Luft, auch für die
       nahegelegenen Kitas und eine Schule. Auf bis zu 25.000 Fahrzeuge täglich
       beziffert der Rechtsanwalt Michael Günther den erwarteten Verkehrszuwachs,
       wenn der Bau erst fertig ist.
       
       Er vertritt fünf benachbarte Wohnungseigentümer und hat in deren Namen
       einen Eilantrag auf Baustopp beim Verwaltungsgericht eingereicht: Die zu
       erwartende zusätzliche Verkehrsbelastung komme einer Enteignung nahe, so
       der Jurist: Eine gesunde Wohnnutzung sei dann kaum mehr möglich. Mit einer
       Entscheidung über den Antrag rechnet Günther in vier bis fünf Wochen,
       derweil hat das Gericht die Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert.
       
       21 Jun 2017
       
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