# taz.de -- Rechte Anschlagsserie in Brandenburg: War der Verfassungsschutz verwickelt?
       
       > Brandenburgs Generalsstaatsanwalt weist im NSU-Untersuchungsausschuss auf
       > „Merkwürdigkeiten“ bei bisher ungeklärten rechten Anschlägen hin.
       
 (IMG) Bild: Was wusste der Brandenburger Verfassungsschutz?
       
       Potsdam dpa | Die bis heute nicht aufgeklärte Anschlagsserie einer
       „Nationalen Bewegung“ im Land Brandenburg in den Jahren 2000/2001 bleibt
       weiter rätselhaft. „Die Sache weist Merkwürdigkeiten auf“, sagte
       Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg am Freitag im
       NSU-Untersuchungsausschuss des Potsdamer Landtags. Die Gruppe hatte sich
       unter anderem zu einem Brandanschlag auf die Trauerhalle eines jüdischen
       Friedhofs in Potsdam 2001 bekannt.
       
       Er habe das Gefühl, dass der Landesverfassungsschutz die Aufklärung
       behindert habe, sagte Rautenberg als Zeuge im Ausschuss. Bereits im
       November hatte er als Sachverständiger für Aufsehen gesorgt, als er nicht
       ausschloss, dass der Verfassungsschutz verwickelt sei. Konkrete Beweise
       legte Rautenberg allerdings auch als Zeuge nicht vor.
       
       Als Indizien werte er unter anderem, dass der Verfassungsschutz sich damals
       gegen eine Übernahme das Falls durch den Generalbundesanwalt ausgesprochen
       habe. Zudem sei ein Durchsuchungstermin verraten worden und die
       Terrorgruppe sei nach dem Anschlag und den ausgeweiteten Ermittlungen
       plötzlich nicht mehr weiter in Erscheinung getreten.
       
       Nur der Untersuchungssauschuss könne jetzt noch Licht in den Fall bringen,
       sagte Rautenberg. Insgesamt sei die Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaft
       mit dem Verfassungsschutz zu Beginn der 2000er Jahre nicht gut gewesen.
       Rautenberg ist seit 1996 Generalstaatsanwalt in Brandenburg. Bei der
       Bundestagswahl im Herbst tritt der 64-Jährige nun für die SPD an.
       
       Der Untersuchungsausschuss soll aufklären, ob der Verfassungsschutz von
       Brandenburg bei den Ermittlungen zu der NSU-Mordserie Fehler gemacht hat.
       Unter anderem geht es um den Vorwurf, Informationen von V-Leuten nicht
       ausreichend an andere Bundesländer weitergegeben zu haben, um die Quelle zu
       schützen.
       
       Der Ausschuss soll darüber hinaus auch die organisierte rechtsextreme
       Gewalt im Land insgesamt und das darauf folgende Behördenhandeln
       analysieren. Hinweise auf eine direkte Verbindung des NSU zur „Nationalen
       Bewegung“ sind laut Rautenberg nicht zu erkennen.
       
       Bei dem Brandanschlag in der Nacht zum 8. Januar 2001 hatten Unbekannte
       einen Brandsatz, der aus zwei mit Benzin gefüllten Tetrapacks und einer
       Kerze bestand, vor die Hintertür der Trauerhalle gestellt. Durch die
       Flammen wurde die Tür stark beschädigt und die Halle verrußt. Der Brand
       erlosch damals von selbst. In der Nähe des Tatorts wurde ein
       Bekennerschreiben entdeckt, das mit „Die Nationale Bewegung“ unterzeichnet
       war. Zuvor waren unter anderem bereits zwei Imbissstände von Türken in
       Brand gesetzt worden. Auch dort wurden solche Bekennerschreiben gefunden.
       
       28 Apr 2017
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Neonazis
 (DIR) Untersuchungsausschuss
 (DIR) Brandenburg
 (DIR) Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)
 (DIR) Brandenburg
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Beate Zschäpe
 (DIR) Bundestag
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Gruppe Freital
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nachruf auf Erardo Rautenberg: Fritz Bauer als Kompass
       
       Engagierter Kämpfer gegen rechts: Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo
       Cristoforo Rautenberg ist tot. Nazijäger wurde er genannt.
       
 (DIR) Petition der Woche: Berliner NSU-Verflechtungen
       
       Die Spur der Rechtsextremen führt auch nach Berlin. Dort gibt es bislang
       keinen Untersuchungsausschuss. Aktivisten möchten das ändern.
       
 (DIR) Tribunal zur NSU-Mordserie: „Die Opfer sind keine Statisten“
       
       Das Leid und die Erfahrungen der Hinterbliebenen spielen in der Justiz nur
       eine geringe Rolle. Deshalb haben sie nun in Köln ein eigenes Tribunal
       organisiert.
       
 (DIR) Anwalt über NSU-Prozess: „Es wird keine Freisprüche geben“
       
       Den Prozess gegen Beate Zschäpe hält man nicht ohne Weiteres durch, sagt
       Mehmet Daimagüler. Er vertritt die Familien der Nürnberger NSU-Opfer.
       
 (DIR) Pau und Binninger über den NSU: „Es gab weitere Mittäter“
       
       Es gibt weitere NSU-Helfer, sind die Linke Petra Pau und CDU-Mann Clemens
       Binninger überzeugt. Können sie noch gefunden werden?
       
 (DIR) Reaktionen auf neues NSU-Gutachten: „Es braucht vollständige Aufklärung“
       
       Politiker wollen die Rolle eines Verfassungsschützers beim Kasseler
       NSU-Mord erneut prüfen. Auch an den Ermittlungen gibt es Kritik.
       
 (DIR) Rechtsextremismus in Deutschland: Anschläge nach Feierabend
       
       In Dresden stehen acht Menschen vor Gericht, die in Sachsen Flüchtlinge und
       Linke angegriffen haben sollen. Sind sie Terroristen?