# taz.de -- Urteil des Europäischen Gerichtshofes: Aus für überteuerte 0180er-Nummern
       
       > Anrufe bei einem Kundendienst dürfen nicht teurer sein als üblich. Die
       > Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hatte geklagt.
       
 (IMG) Bild: 0180er-Nummern stammen aus einer anderen Telefonie-Ära
       
       Berlin taz | Es fängt oft mit Sätzen wie diesen an: „Zur Sicherung der
       Servicequalität können einzelne Gespräch zu Trainingskosten mitgehört oder
       aufgezeichnet werden.“ Kunden-Hotlines können Nerven kosten, vor allem aber
       Geld. Bis zu 20 Cent pro Minute aus dem Festnetz, im Funknetz bis zu 42
       Cent. Damit könnte nun Schluss sein.
       
       Am Donnerstag urteilten die Richter des Europäischen Gerichtshofes: Anrufe
       beim Kundendienst dürfen keine Extrakosten mit sich bringen. Begründung:
       Überteuerte Rufnummern könnten Verbraucher abschrecken, bei Händlern etwa
       danach zu fragen, wie es mit dem Liefertermin, dem Widerruf eines Vertrages
       oder der Gewährleistung aussieht.
       
       In dem Fall ging es um den Online-Elektro-Händler Comtech. Die Zentrale zur
       Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat das Unternehmen vor dem Landgericht
       Stuttgart verklagt, sie warf ihm „unlautere geschäftliche Handlung“ vor.
       Comtech hatte eine kostenpflichtige 01805-Service-Hotline geschaltet. Das
       deutsche Gericht fragte dann beim EuGH nach, ob Europarecht verletzt wird.
       
       Unternehmen können Servicedienste-Rufnummern bei
       Telekommunikationsanbietern beantragen. Michael Reifenberg von der
       Bundesnetzagentur sagt, dass derzeit gut 285.000 solcher Nummern vergeben
       seien. Der ADAC hat zum Beispiel eine, Air Berlin auch. Die 0180-Nummern
       wurden in den neunziger Jahren als günstige Servicenummern eingeführt,
       damals war etwa ein Ferngespräch viel teurer als heute. Im heutigen
       Telekommunikationsmarkt mit vielen Wettbewerbern ist das anders. Die
       0180-Nummern sind vergleichsweise teuer. Oft zu teuer.
       
       ## Horoskope dürfen teuer bleiben
       
       Nach einer EU-Richtlinie dürfen Kunden nicht mehr als den „Grundtarif“
       zahlen, wenn sie mit einem Unternehmen Kontakt aufnehmen wollen, bei dem
       sie ein Produkt gekauft haben, genauer: mit dem sie bereits einen Vertrag
       geschlossen haben.
       
       „Das ist entscheidend“, sagt Otmar Lell, Rechtsexperte beim
       Verbraucherzentrale Bundesverband VZBV. 0180-Nummern werden für ganz
       verschiedene Zwecke genutzt. Mal kann man sich einfach beraten lassen, auch
       mal ein Horoskop abhören. Nicht immer geht es um den Kundendienst. Doch nur
       für letztere hat das Urteil der Luxemburger Richter Bedeutung.
       
       Eine Service-Hotline für Kunden muss demnach zum „Grundtarif“ erreichbar
       sein, heiße zu „Kosten für einen gewöhnlichen Anruf“. Der übliche Tarif für
       ein Inlandsgespräch im Festnetz bei der Deutschen Telekom beträgt zum
       Beispiel 2,9 Cent pro Minute. (Az: C-568/15)
       
       2 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanna Gersmann
       
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