# taz.de -- Trumps Entwicklungshilfepolitik: Raketen kann man nicht essen
       
       > Präsident Trump kündigt Kürzungen der Hilfsbudgets an, um die
       > Rüstungsausgaben zu steigern. Schon vorab gibt es dagegen die ersten
       > Proteste.
       
 (IMG) Bild: Die Hilfe wird dringend benötigt, doch Trump hat Anderes im Sinn
       
       Bonn taz | Nach dem Protest hochrangiger ehemaliger Militärs wenden sich
       die Hilfsorganisationen in einem Brief gegen geplante Kürzungen der
       US-Entwicklungshilfe. Insgesamt 101 Gruppen plädieren in dem Schreiben an
       wichtige Mitglieder aus dem US-Kongress dafür, wichtige Programme der
       Vereinten Nationen weiterhin zu finanzieren. Unterzeichner sind etwa Care
       USA, Oxfam und Save the Children.
       
       Hintergrund sind die Budgetpläne des US-amerikanischen Präsidenten Donald
       Trump, der am Montag eine „historische Steigerung“ der Rüstungsausgaben
       angekündigt hatte. Um 54 Milliarden Dollar (rund 51 Milliarden Euro) sollte
       der Haushalt des Verteidigungsministeriums anwachsen, hieß es aus dem
       Weißen Haus. Diese Summe will der Republikaner an anderer Stelle reinholen.
       Medienberichte zitieren Vertreter der Regierung, die von Kürzungen für das
       Außenministerium und den Entwicklungshilfe-Etat in Höhe von bis zu 37
       Prozent sprechen.
       
       Die USA sind weltweit die größten Geber von Entwicklungshilfe. Auf der
       jährlich veröffentlichten Liste des OECD-Entwicklungsausschusses stehen die
       USA kontinuierlich an erster Stelle, 2015 zahlten die Vereinigten Staaten
       demnach 31,08 Milliarden US-Dollar. Allerdings: Das schon 1972
       international vereinbarte Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens
       für die Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden, erreichen auch die USA
       nicht. 2015 waren es nur 0,17 Prozent.
       
       Trotzdem: Die USA sind wichtige Geber für UN-Programme wie das
       Welternährungsprogramm (englisch World Food Programme WFP), das derzeit
       gegen eine Hungersnot im Südsudan und Hungerkrisen im Jemen, in Nigeria und
       Somalia ankämpft. „In meinen nicht ganz 15 Jahren beim World Food Programme
       ist es das erste Mal, das wir zur selben Zeit über eine Hungersnot in vier
       unterschiedlichen Teilen der Welt sprechen“, sagte WFP-Chefökonom Arif
       Husain kürzlich in einem Interview.
       
       Krisen wie die im Südsudan, Konflikte wie in Syrien und dem Irak, der
       Klimawandel und Herausforderungen in der öffentlichen Gesundheit zeigten,
       wie notwendig eine verstärkte weltweite Kooperation sei, schreiben die
       Entwicklungsorganisationen in ihrem Brief. „Die UN sind, in Verbindung mit
       den Vereinigten Staaten, sehr oft die Ersthelfer in Krisen- und Notzeiten“,
       heißt es. Es sei auch im Interesse der USA, sich weiter monetär in diesen
       Initiativen einzubringen und die Kosten für globale Krisen mitzutragen, da
       es auch dem US-Steuerzahler auf lange Sicht Geld spare.
       
       Zuvor hatten sich mehr als 120 frühere Generäle der US-Streitkräfte in
       einem offenen Brief gegen Kürzungen im Außenministerium ausgesprochen. Für
       viele Konflikte gebe es nicht ausschließlich militärische Lösungen, so die
       Offiziere. Auch innerparteilich wird Trump bereits kritisiert: Die
       republikanischen Senatoren Lindsey Graham und John McCain haben Widerstand
       angekündigt.
       
       1 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Oer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Entwicklungszusammenarbeit
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Rüstung
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Jeff Sessions
 (DIR) Münchner Sicherheitskonferenz
 (DIR) Münchner Sicherheitskonferenz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) UN-Bevölkerungsfonds ohne US-Gelder: Bevölkerungspolitik gestrichen
       
       Das US-Außenministerium stellt die Zahlungen für das Programm ein. Der
       Fonds fördere in China angeblich Zwangsabtreibungen.
       
 (DIR) US-Justizminister Jeff Sessions: Aus Russland-Ermittlungen raushalten
       
       US-Justizminister Sessions steht wegen Treffen mit dem russischen
       Botschafter während des Wahlkampfs in der Kritik. Präsident Trump spricht
       von einer Hexenjagd.
       
 (DIR) Sicherheitskonferenz in München: Feilschen unter Freunden
       
       Zum ersten Mal trifft Merkel den US-Vizepräsidenten Mike Pence. Die
       Kanzlerin bleibt höflich – will aber nicht jede Forderung erfüllen.
       
 (DIR) Münchner Sicherheitskonferenz: Die Zwei-Prozent-Frage
       
       Wie tragfähig sind die Nato und das US-europäische Verhältnis noch? Die
       Frage lässt sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz beantworten.