# taz.de -- ZDFneo-Doku über Sexismus: Und niemand sagt was
       
       > Die ModeratorInnen Dunja Hayali und Jaafar Abdul Karim wollen wissen:
       > „Wie sexistisch sind wir?“ Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd.
       
 (IMG) Bild: Hayali und Karim im Boxring: Etwas zu sehr inszeniert die Sendung den „Kampf der Geschlechter“
       
       „Du bist so schwanzgesteuert“ sagt sie. „Na, du süße Maus“, säuselt er. In
       der zweiteiligen Sendung [1][„Wie sexistisch sind wir“], die am
       Mittwochabend auf ZDFneo läuft, nehmen die ModeratorInnen Dunja Hayali und
       Jaafar Abdul Karim den Sexismus der deutschen Gesellschaft auseinander.
       Wirklich aufschlussreich wird das allerdings vor allem im zweiten Teil.
       
       Zunächst wollen Hayali und Karim erkunden, [2][was Sexismus ist]. Die
       ModeratorInnen sprechen unter anderem mit Stevie Schmiedel von der
       Initiative Pinkstinks über sexistische Werbung und mit einem Pickup-Artist,
       der Männern beibringt, wie sie Frauen „rumkriegen“. Einer der Tricks von
       „Marko Polo“: Die Frau bei der Begrüßung mehrfach im Kreis drehen, damit
       sie schwindelig vor dem Mann steht.
       
       Karim besucht zudem eine Initiative, die sich um männliche Opfer häuslicher
       Gewalt kümmert. Die betroffenen Männer berichten von ihren Schwierigkeiten,
       sich Hilfe zu holen: Sie würden etwa bei der Polizei nicht ernst genommen,
       im Freundes- und Familienkreis schämten sie sich. Von einer Frau kann sich
       ein echter Mann nicht prügeln lassen.
       
       Leider lässt Karim dabei eine wichtige Schlussfolgerung aus. Dass es
       gewalttätige Frauen gibt, ist richtig. Allein: Männer und Frauen sind Opfer
       ein und desselben Sexismus. Das patriarchale Weltbild, das Frauen die Rolle
       der passiven und schönen Sorgerin zuweist, erwartet von Männern, immer
       stark zu sein.
       
       ## Ein unechter Sexist
       
       Die Dokumentation bleibt oft vage. Sexismus, so scheint es, ist ein großer
       und unkonkreter, mysteriöser Begriff. Ein Kampfwort. Wie banal und
       alltäglich Sexismus daherkommt, zeigt zum Glück sehr anschaulich der
       [3][zweite Teil der Sendung].
       
       Vier Personen sitzen in einem Raum und sollen für eine Marktforschung eine
       Gruppe zusammenstellen, die auf einer einsamen Insel möglichst lange
       überleben könnte. Was die Probanden nicht wissen: Ihre Reaktion auf
       Sexismus soll getestet werden. Nur jeweils eine Person im Raum ist
       TeilnehmerIn des Experiments, die anderen drei sind SchauspielerInnen – und
       einer mimt den Sexisten.
       
       „Ich will die Sanitäterin mitnehmen“, sagt der. „Für die
       Mund-zu-Mund-Beatmung.“ Oder: „Bei einem Richter wäre ich dabei. Aber eine
       Richterin? Kann die das?“ Im Laufe der Sendung steigert er sich immer
       weiter: „Es muss doch auch was zum Knallen da sein.“
       
       Das Ergebnis ist ernüchternd: Zwar steigt keiner der zehn männlichen
       Probanden auf die Machosprüche des unechten Sexisten ein, hier und da macht
       einer einen kritischen Kommentar – doch deutliche Gegenrede bleibt aus.
       Einer wendet sich irgendwann an die beiden Frauen neben ihm: „Ihr müsstet
       doch schon längst aufschreien!“ Dass dies auch seine Aufgabe sein könnte,
       kommt ihm nicht in den Sinn.
       
       ## Sexisten haben leichtes Spiel
       
       Noch fataler läuft es bei den Frauen. Keine der zehn Probandinnen fährt dem
       Macker über den Mund, keine weist ihn in seine Schranken. Unangenehm
       berührt fühlen sie sich aber alle.
       
       Warum Frauen denn so häufig nicht gegen Sexismus aufstehen würden, will
       Karim wissen. Die Erklärung: Es wurde ihnen so beigebracht, sie wollen
       nicht als „humorlos“ oder als „Zicke“ dastehen.
       
       Er sei schockiert davon, „wie weit verbreitet Sexismus ist und wie leicht
       man damit durchkommt – auch im Jahr 2016“, sagt der Moderator. „Es ändert
       sich nur etwas, wenn wir Sexismus nicht länger dulden.“ Damit hat Karim
       recht. Und eines zeigt vor allem der zweite Teil der Sendung ganz deutlich:
       Gefragt sind nicht nur die Betroffenen – Sexismus geht uns als Gesellschaft
       im Ganzen an. Deswegen liegt es an uns allen, ihm entgegenzutreten.
       
       14 Dec 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zdf.de/dokumentation/wie-sexistisch-sind-wir
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=dR0rBWDO_yM
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=eyvqf6asn4w
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dinah Riese
       
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