# taz.de -- Michael Müller (SPD) über Koalitionen: „Wichtig ist die Frage der Überschrift“
       
       > Der Regierende Bürgermeister will mehr Gerechtigkeit in Berlin erreichen.
       > Mit den Grünen gehe das, weil sie bisher keine Bauprojekte ausschließen.
       
 (IMG) Bild: „Die A100 war nur ein Synonym“: Michael Müller mit Peter Brinkmann und Gereon Asmuth
       
       Berlin taz | Eins musste Michael Müller dann doch klarstellen. Es ist
       längst noch nicht ausgemacht, welche Koalition nach dem 18. September in
       Berlin regieren wird. Zwar hatte Müller letzte Woche in einem
       [1][Meinungsbeitrag im Tagesspiegel] erklärt, dass er künftig lieber mit
       den Grünen als mit der CDU koalieren wolle. Dennoch werde es nach der Wahl
       Gespräche geben mit allen, mit denen man Gespräche führen will und kann,
       sagte der Regierende Bürgermeister am Dienstag im Polittalk „Brinkmann &
       Asmuth“. „Dann wird man sehen, dass man eine gute und stabile Regierung
       zusammenbekommt.“
       
       Seine Präferenzen aber seien klar, sagte Müller, der nach den
       Spitzenkandidaten von [2][CDU], [3][Grünen], [4][Linkspartei] und [5][FDP]
       in der August-Ausgabe [6][des monatlichen Polittalks auf tv.berlin] zu Gast
       war. Er habe gesagt, was er eindeutig anstrebe, betonte Müller. „Daran kann
       man sich orientieren.“
       
       Mit der CDU gehe es in Berlin nicht weiter. Seit seinem Amtsantritt als
       Regierender Bürgermeister vor anderthalb Jahren habe es immer wieder
       Konflikte mit der Union gegeben, so Müller. „Wir haben zuviel vor mit der
       Stadt. Wir müssen die Fragen der sozialen Gerechtigkeit aktiv begleiten.
       Und das ist schwer mit einer Partei, die bei vielen wichtigen Fragen nicht
       an der Spitze der Bewegung steht, sondern blockiert.“
       
       Jenseits der klassischen Themen wolle er den Berlinern im Wahlkampf
       Orientierung geben: „Wichtig ist die Frage der Überschrift. Spielt der
       soziale Zusammenhalt, spielt Gerechtigkeit eine Rolle oder nicht?“ Deshalb
       wolle er ein Zweierbündnis mit den Grünen.
       
       ## Wahlergebnis backen
       
       Zwar ist Müller bewusst, dass es derzeit laut keiner Umfrage für eine
       rot-grüne Koalition eine Mehrheit gibt. „Aber ich kann mir vier Wochen vor
       der Wahl kein Wahlergebnis backen, sondern nur sagen, wofür ich kämpfe“,
       sagte Müller. Und der Wahlkampf sei schließlich dafür da, an den Umfragen
       noch etwas zu ändern.
       
       Inhaltlich und personell sieht Müller weniger Probleme für eine
       Zusammenarbeit mit den Grünen als im Jahr 2011. Damals waren rot-grüne
       Koalitionsverhandlungen nach der Wahl gescheitert. Heute gibt es auf beiden
       Seiten neues Personal.
       
       „Ich glaube, dass wir ein gutes Verhältnis haben, um professionell
       miteinander umzugehen“, sagte der Regierende Bürgermeister. Mit den grünen
       Doppelspitzen in Partei und Fraktion gebe es „eine persönliche Basis, auf
       der man aufbauen könnte“.
       
       Zudem hätten die Grünen bisher noch nicht den Fehler gemacht, zu sagen, „es
       gibt einen Punkt, daran machen sie fest, ob sie regieren können oder
       nicht“. Das wäre fatal, meint Müller.
       
       2011 hatten sich SPD und Grüne auch wegen der Verlängerung der
       Stadtautobahn A100 zerstritten. „Die A100 war nur ein Synonym für die
       Frage, ist man bereit in Konflikte zu gehen, Baumaßnahmen durchzusetzen“,
       erklärt Müller. Und es sei nach wie vor wichtig, für die Stadt zu bauen,
       Infrastruktur zu schaffen.
       
       Nur ein mögliches Projekt schließt Müller kategorisch selber aus: die
       Bebauung des Flugfeldes Tempelhof, die er noch als Stadtentwicklungssenator
       durchsetzen wollte, bevor er durch einen Volksentscheid gestoppt wurde. Den
       zu revidieren sei unmöglich, ganz egal mit welcher Koalition.
       
       „Das geht im Moment mit gar keiner Kraft!“, betonte Müller, das werde
       frühestens in zwei, drei Legislaturperioden wieder eine Rolle spielen.
       
       23 Aug 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.tagesspiegel.de/berlin/gastbeitrag-des-regierenden-buergermeisters-ein-neues-kapitel-fuer-berlin-ohne-henkel-cdu/14020686.html
 (DIR) [2] /Berliner-CDU-interpretiert-Gewaltstatistik/!5317933
 (DIR) [3] http://tvb.de/brinkmann-asmuth-ramona-pop-ist-gegen-rot-schwarz-teil-1/
 (DIR) [4] http://tvb.de/brinkmann-asmuth-im-gesptaech-mit-klaus-lederer-teil-1/
 (DIR) [5] http://tvb.de/brinkmann-asmuth-die-fdp-mischt-wieder-mit-teil-1/
 (DIR) [6] http://tvb.de/category/sendngen/brinkmann-asmuth/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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