# taz.de -- Die Wahrheit: Taxi zum Schafott
       
       > Dublins Taxifahrer sind Gangster – zumindest haben nicht wenige eine
       > kriminelle Vergangenheit und dementsprechend einen rauen Ton am Leib.
       
 (IMG) Bild: Wenn ich mal wieder Taxi fahren muss, heiße ich Otto
       
       Taxifahrer leben in vielen Städten gefährlich, bisweilen werden sie
       ausgeraubt oder sogar ermordet. In Dublin ist es eher umgekehrt. Dort
       werden die Kunden mitunter beleidigt oder sogar mit Mord bedroht.
       
       Weit über die Hälfte der 928 Beschwerden, die bei der Dubliner
       Transportbehörde im vorigen Jahr eingegangen sind, betrafen das Benehmen
       von Taxifahrern. Viele Kunden hatten Angst vor den Fahrern. Die Furcht ist
       nicht unbegründet. Als unsere Nichte neulich an einem Taxibüro in der
       Innenstadt vorbeilief und durch das Schaufenster schaute, meinte sie
       lapidar: „Dort sitzen hundert Jahre Knast.“ Sie muss es wissen: Sie ist
       Gefängniswärterin.
       
       Für Gangster ist der Job eines Taxifahrers ideal, leichter kann man Geld
       kaum waschen. Nur an den Umgangsformen müssen sie noch feilen. Ein
       Hotel-angestellter beklagte sich, dass sein Taxifahrer mehrmals „Fuck off“
       gebrüllt und ihm gedroht habe, er werde ihn „Montagabend aufsuchen, wenn er
       alleine“ sei. Die Transportbehörde schrieb dem Fahrer einen Brief, in dem
       sie ihn an seine „Pflichten als Taxifahrer“ erinnerte.
       
       Ein anderer Fahrgast beschwerte sich, dass er sich wie in einem Kühlschrank
       gefühlt habe. Darüber hinaus seien die Sitze nass gewesen, weil ein Teil
       des Rückfensters gefehlt habe. Die Transportbehörde ließ das Fahrzeug
       aufgrund der Beschwerde untersuchen. Das Ergebnis: „Das Taxi befand sich in
       tadellosem Zustand.“ Nur in zwei Prozent aller Beschwerdefälle musste der
       Fahrer eine Strafe zahlen. Offenbar haben die Beamten ebenfalls Angst vor
       den Fahrern.
       
       Ein Drittel aller Beschwerden betraf den Fahrpreis. Die Dunkelziffer ist
       hoch, denn nicht alle beschweren sich, das weiß ich aus Erfahrung. Einmal
       nahmen die Gattin und ich ein Taxi zum Flughafen, weil wir spät dran waren.
       Mit dem Fahrer hatten wir einen Preis von 20 Euro vereinbart. Am Airport
       angekommen, verlangte der Fahrer 25 Euro. Ich wollte gerade einen Streit
       vom Zaun brechen, als die Gattin mit einer Kopfbewegung auf die
       Taxifahrerlizenz deutete, die am Armaturenbrett befestigt war. „Eddie
       Hutch“ stand drauf, und ich legte auf die 25 Euro noch ein großzügiges
       Trinkgeld drauf.
       
       Hutchs Bruder Gerry ist Chef eines der größten Drogenkartelle Europas. Sein
       Spitzname ist „der Mönch“. Vor ein paar Monaten legten seine Leute im
       Dubliner Flughafenhotel einen Mann um, der dem konkurrierenden Kartell von
       Christy Kinahan angehörte. Das ärgerte den, und so eskalierte der Krieg
       zwischen zwei der gewalttätigsten Drogenbanden Europas. Dieser Krieg wird
       in Dublin ausgetragen, ihm sind bisher mehr als 20 Menschen zum Opfer
       gefallen.
       
       Einen Monat nach unserer überteuerten Taxifahrt zum Flughafen wurde auch
       unser Fahrer Eddie Hutch erschossen. Und schließlich hatten wir nach dem
       vorerst letzten Mord an Gareth Hutch, dem Mönchsneffen, die Polizei im
       Haus. Ob wir etwas gesehen hätten, wollten die Beamten wissen: Das
       Fluchtfahrzeug war in unserer Straße abgefackelt worden. Wie viele Hutchs
       noch übrig sind, verriet uns die Polizei nicht.
       
       6 Jun 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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