# taz.de -- Umkämpfte Städte in Syrien: Diplomatie stoppt Kämpfe nicht
       
       > Die Diplomatie zur Wiederherstellung der Waffenruhe in Syrien war bisher
       > erfolglos. Die Nato-Minister wollen mehr gegen den IS unternehmen.
       
 (IMG) Bild: Die Verteidigungsminister Spaniens, Großbritanniens und der USA am Mittwoch bei ihrem Treffen in Stuttgart
       
       Genf taz | Während am Mittwoch in verschiedenen internationalen Runden über
       die Wiederherstellung einer Waffenruhe in Syrien und die davon ganz
       wesentlich abhängige Wiederbelegung der Genfer Friedensgespräche beraten
       wurde sowie über eine effektivere militärische Bekämpfung des „Islamischen
       Staat“ (IS), eskalierte der syrische Bürgerkrieg an fast allen Fronten.
       Zugleich machte der IS eine strategisch wichtige Eroberung.
       
       In Berlin empfing Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittag den
       syrischen Oppositionsführer Riad Hidschab, den UN-Sondergesandten Staffan
       de Mistura sowie Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault, um „die
       stockenden Friedensgespräche für Syrien wieder in Gang bringen“.
       
       Dazu wolle Steinmeier „neue Ideen vorlegen“, hatte die Bundesregierung Ende
       letzter Woche die Einladung zu dem Treffen begründet. Welche „neuen Ideen“
       das sein könnten, die bislang noch nicht von UNO-Vermittler de Mistura und
       von US-Außenminister John Kerry entwickelt und den syrischen
       Konfliktparteien präsentiert wurden, ist allerdings ein großes Rätsel.
       
       ## Waffenrufe als Bedingung
       
       Nicht nur Hidschab, Chef der al-Kaida-nahen Oppositionsmiliz „Armee des
       Islam“, sondern das gesamte bislang bei de Misturas Vermittlungsgesprächen
       vertretene Oppositionsbündnis macht seine Rückkehr nach Genf abhängig von
       einer Wiederherstellung der Waffenruhe insbesondere in der strategisch
       wichtigen Stadt und Provinz Aleppo.
       
       Danach sieht es aber trotz aller entsprechenden Appelle und intensiven
       diplomatischen Bemühungen der letzten Tage nicht aus. Im Gegenteil. Am
       Dienstag und Mittwoch setzten sowohl die syrischen Lufstreitkräfte wie
       diverse Rebellengruppen den Beschuss der von ihren jeweiligen Gegnern
       kontrollierten Stadtteile und Provinzregionen fort.
       
       Nach einem Tag relativer Ruhe hatten Rebellen am Dienstagmorgen mit
       Angriffen auf West-Aleppo begonnen, das unter Kontrolle der Regierung
       steht. In eine Entbindungsklinik schlug eine Rakete ein. Dabei starben nach
       Regierungsangaben drei Frauen. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für
       Menschenrechte bestätigte den Raketeneinschlag in dem Krankenhaus.
       
       Auch die Bemühungen russischer und US-amerikanischer Militärs in einem
       inzwischen in Genf eingerichteten gemeinsamen Operationszentrum ,
       „Sicherheitszonen“ für Zivilisten und „moderate Rebellen“ festzulegen,
       blieben zunächst erfolglos.
       
       Zudem brach in der Nacht zum Mittwoch auch die seit Freitag bestehende
       Waffenruhe in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta bei Damaskus zusammen. Nach
       Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es am Mittwochmorgen
       mindestens 22 Luftangriffe der syrischen Regierungsstreitkräfte auf
       Ost-Ghuta.
       
       Für Mittwochabend wurde eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates
       in New York zur Lage in Syrien anberaumt. Bereits am Dienstag hatte der Rat
       erstmals eine Resolution verabschiedet, die den Schutz medizinischer
       Einrichtungen in Kriegsgebieten anmahnt.
       
       ## UN-Resolution zum Schutz von Krankenhäusern
       
       Anlass waren neben den jüngsten Angriffe auf Krankenhäuser und andere
       medizinische Einrichtungen in Aleppo ähnliche Attacken der letzten Monate
       etwa in Afghanistan, im Südsudan und im Jemen. „Solche Attacken müssen
       aufhören“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor dem Sicherheitsrat.
       
       Die einstimmig verabschiedete Resolution ruft Konfliktparteien auf, sich an
       völkerrechtliche Bestimmungen zu halten und medizinische Einrichtungen und
       deren Personal zu respektieren und zu schützen. Die Resolution kam auf
       Anregung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und der
       Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) zustande.
       
       In einer Rede vor dem Sicherheitsrat unmittelbar nach Verabschiedung der
       Resolution machte die internationale Präsidentin von MSF, Joanne Liu, die
       vier ständigen Ratmitglieder Russland, USA, Frankreich und Großbritannien
       mitverantwortlich für zahlreiche Angriffe auf medizinische Einrichtungen im
       Jahr 2015.
       
       ## Nato-Verteidigungsminister beraten
       
       In Stuttgart traf am Mittwoch US-Verteidigungsminister Asthon Carter mit
       seinen AmtskollegInnen aus den übrigen neun Nato-Staaten zusammen, die an
       der Koalition zur militärishen Bekämpfung des IS beteiligt sind.
       
       Insbesondere Washington dringt auf eine Ausweitung des Kampfes . Dabei soll
       es nicht nur um Syrien und den Irak gehen, wo der IS sich am stärksten
       ausgebreitet hat. Die USA wollen mit ihren Nato-Verbündeten auch gegen den
       IS in Libyen vorgehen.
       
       Nach über 40.000 Raketen, Bomben und Drohnen, die die von den USA geführte
       Koalition seit August 2014 in über 12.000 Einsätzen gegen Ziele des IS im
       Irak und in Syrien verschossen hat, ist der militärische Erfolg nur sehr
       gering.
       
       Am Dienstag erorberte der IS nach heftigen Kämpfen große Teile des
       wichtigen Gasfeldes Al-Schair in Zentralsyrien. Die Extremisten hätten mehr
       als die Hälfte des Gebietes östlich der Stadt Homs unter ihre Kontrolle
       gebracht, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nach
       Angaben der regierungsnahen Nachrichtenseite Al-Masdar eroberten die
       IS-Kämpfer drei Bohrlöcher.
       
       4 May 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Zumach
       
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