# taz.de -- Kommentar USA fordern Waffenruhe: Illusion und Verdrängung
       
       > Für die Wiederherstellung der Waffenruhe in Syrien müssen sich die USA
       > und Russland in einer zentralen Frage einigen. Aber das passiert nicht.
       
 (IMG) Bild: 30. April in Aleppo
       
       US-Außenminister John Kerry wäre statt nach Genf besser nach Moskau
       gereist. Denn für eine Wiederherstellung der Waffenruhe in Syrien,
       zumindest zwischen Regierungsstreitkräften und diversen Oppositionsmilizen,
       müssen sich Russland und die USA endlich in einer zentralen Frage einigen:
       Sind die beiden militärisch stärksten islamistischen Gruppen auf dem
       syrischen Schlachtfeld wegen ihrer engen ideologischen und operativen
       Verbindung zum syrischen Al-Qaida-Ableger Al-Nusra-Front „Terroristen“, die
       wie al-Nusra selbst weiterhin militärisch bekämpft werden dürfen?
       
       Oder sind diese beiden Gruppen legitimer Teil der syrischen Opposition, die
       auch weiterhin die gemeinsame Oppositionsdelegation am Genfer
       UNO-Verhandlungstisch anführen dürfen? Diese Streitfrage wurde bei der
       Vereinbarung des „Friedensplans“ für Syrien ebenso durch einen
       Formelkompromiss ausgeklammert beziehungsweise vertagt. Auch die Frage nach
       der künftigen Rolle des syrischen Präsidenten Assad, ohne deren Klärung es
       keine Wiederaufnahme der Genfer Gespräche mit Aussicht auf Erfolg geben
       wird.
       
       Doch selbst wenn Moskau und Washington in diesen beiden Fragen eine
       gemeinsame Position finden und diese dann auch gegenüber ihren jeweiligen
       regionalen und innersyrischen Verbündeten durchsetzen können, bleibt als
       großer Unsicherheitsfaktor eine dritte Illusion des „Friedensplans“: die
       Idee einer „landesweiten“ (Kerry) Waffenruhe bei gleichzeitiger
       Kriegsführung gegen den IS und die Al-Nusra-Front, die zusammen über 50
       Prozent des syrischen Territoriums kontrollieren.
       
       Beide Gruppen haben in den letzten Wochen durch ihre militärischen Angriffe
       auf von anderen Kriegsakteuren kontrollierte Gebiete zum Scheitern der
       Waffenruhe beigetragen. Ließe sich auch mit diesen beiden Gruppen eine
       Waffenruhe vereinbaren? Diese Frage – bislang noch ein Tabu – stellt sich
       immer dringender.
       
       1 May 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Zumach
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) al-Qaida
 (DIR) „Islamischer Staat“ (IS)
 (DIR) Al-Nusra-Front
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Polizei
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Syrien-Treffen in Wien: Luftbrücke soll ausgebaut werden
       
       Spitzendiplomaten haben in Wien über das weitere Vorgehen im Kriegsland
       Syrien beraten. Große Fortschritte blieben aber aus.
       
 (DIR) Umkämpfte Städte in Syrien: Diplomatie stoppt Kämpfe nicht
       
       Die Diplomatie zur Wiederherstellung der Waffenruhe in Syrien war bisher
       erfolglos. Die Nato-Minister wollen mehr gegen den IS unternehmen.
       
 (DIR) Trauerprotest der Berliner Syrer: Aleppo brennt und Herr S. geht vorbei
       
       Am weltweiten Aktionstag #AleppoIsBurning wird auch in Berlin demonstriert.
       Zwischen Syrern und Polizei kommt es dabei zu Missverständnissen.
       
 (DIR) Bürgerkrieg in Syrien: Bomben auf Aleppo ohne Ende
       
       Mehrere von Rebellen gehaltene Viertel der Stadt werden bombardiert,
       während Kerry sich um eine neuerliche Feuerpause bemüht.
       
 (DIR) Krieg in Syrien: Verbale Attacken und reale Bomben
       
       Die USA fordern Russland auf, Syrien von willkürlichen Angriffen auf Aleppo
       abzubringen. Russland kritisiert die US-Unterstützung für Rebellen.
       
 (DIR) Video von Bombardement in Aleppo: Angriff auf Kinderkrankenhaus
       
       Ein Video von der Bombardierung eines Krankenhauses in der Region um Aleppo
       bringt das Grauen des Syrien-Krieges ins Bewusstsein.
       
 (DIR) Krieg in Syrien: Wieder Luftangriffe auf Aleppo
       
       Abermals gibt es Tote in der umkämpften Stadt. Die Lage in Damaskus
       entspannt sich derweil. US-Außenminister Kerry drängt auf die Einhaltung
       der Waffenruhe.
       
 (DIR) Luftangriffe auf Aleppo: Nur eine kurze Feuerpause
       
       Nach nur wenigen Stunden Ruhe ist die syrische Stadt Aleppo wieder eine
       Kampfzone. Die Vereinten Nationen warnen vor einem erneuten Anstieg der
       Gewalt.
       
 (DIR) Syrischer Aktivist über Bombardierungen: „Grünes Licht für Assads Massaker“
       
       Die Angriffe in Aleppo stehen in direktem Zusammenhang mit dem Abbruch der
       Genfer Gespräche, sagt Muhannad Qaiconie.