# taz.de -- Feuerpause für Aleppo vereinbart: Verwirrung ums Wann, Wie und Wo
> Bis Freitag soll es im nordsyrischen Aleppo eine Feuerpause geben. Unklar
> ist, wann sie begann und ob sie in der gesamten Stadt gilt.
(IMG) Bild: Die schlimmsten Angriffe in fünf Jahren: die Feuerwehr im Einsatz in Aleppo
Genf taz | Im nordsyrischen Aleppo sollen zumindest bis Freitag um
Mitternacht die Waffen schweigen. Am Mittwochabend hatten Russland und die
USA die Einigung auf eine Waffenruhe in der seit Mitte April heftig
umkämpften Stadt bekanntgegeben. Dabei unterschieden sich allerdings die
Angaben zum Beginn und zur Dauer der Feuerpause.
Ein Sprecher der Regierung Putin in Moskau teilte mit, die Waffen sollten
ab Donnerstagmorgen um ein Uhr MEZ (Mitternacht Ortszeit Damaskus) für 48
Stunden ruhen. Die syrische Regierung veröffentlichte eine entsprechende
Anweisung an die eigenen Streitkräfte. Das US-Außenministerium erklärte
hingegen, die vereinbarte Waffenruhe gelte bereits seit Mittwochmorgen
00.01 Uhr syrischer Zeit. Über eine zeitliche Befristung machte das
US-Außenministerium keine Angaben. Der Widerspruch wurde zunächst nicht
aufgeklärt.
Tatsächlich fanden fast den ganzen Mittwoch über heftige Gefechte in Aleppo
statt. Noch am Abend meldeten kurdische Truppen zudem, dass der überwiegend
kurdisch geprägte Bezirk Scheich Maksud weiterhin von in der Meldung nicht
näher identifizierten „Oppositionsmilizen“ bombardiert werde. Dabei seien
ein Mensch getötet und fünf weitere verwundet worden. Die kurdischen
Truppen äußerten die Befürchtung, der Stadtteil sei möglicherweise von der
russisch-amerikanischen Vereinbarung über die Feuerpause ausgenommen
worden.
Aus dem gemeinsamen russisch-amerikanischen Operationszentrum in Genf gab
es für diese Befürchtung der Kurden zunächst keine Bestätigung. Dort hatten
Militärs beider Seiten seit Anfang dieser Woche tatsächlich über das
Szenario einer nur teilweisen Feuerpause für Aleppo verbunden mit
„Sicherheitszonen“ für Zivilisten und „moderate Rebellengruppen“ beraten.
Bei einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates zur Lage in Aleppo
am Mittwochabend in New York forderte UN-Vizegeneralsekretär Jeffrey
Feltman eine unverzügliche und lückenlose Einstellung der Feindseligkeiten.
Die Bombardements der syrischen Regierungstruppen in den vergangenen zwei
Wochen gehörten zu „den schlimmsten“ im nunmehr fünfjährigen Bürgerkrieg,
klagte Feltman. Absichtliche und direkte Attacken auf Kliniken in Aleppo
kämen Kriegsverbrechen gleich. Das gleiche treffe auf das Mittel des
Aushungerns als Kriegswaffe zu.
Auch der Beschuss der von der Regierung kontrollierten Bezirke durch
Oppositionskräfte habe zu „Tod und Verwüstung geführt.“ Aleppo sei
„systematischer Zerstörung“ ausgesetzt und werde zunehmend zu „einer Hülle
dessen, was es einst gewesen“ sei, erklärte Feltman. Urheber der Gewalt
sollten vor dem Internationalen Strafgerichtshof zur Rechenschaft gezogen
werden, forderte der stellvertretende UN-Generalsekretär.
5 May 2016
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(DIR) Andreas Zumach
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