# taz.de -- Syrischer Aktivist über Bombardierungen: „Grünes Licht für Assads Massaker“
       
       > Die Angriffe in Aleppo stehen in direktem Zusammenhang mit dem Abbruch
       > der Genfer Gespräche, sagt Muhannad Qaiconie.
       
 (IMG) Bild: Totale Zerstörung in Aleppo
       
       taz: Herr Qaiconie, Sie leben jetzt seit einem Jahr in Deutschland, Ihre
       Heimatstadt ist Aleppo. Was passiert dort gerade? 
       
       Muhannad Qaiconie: Aleppo wird seit sieben Tag wieder bombardiert, aber
       heute [Donnerstag] ist der schlimmste.
       
       Warum der schlimmste? 
       
       Meine Familie sagt, dass heute jedes Viertel bombardiert wird, und mit
       jedem Viertel meine ich, jedes, das unter der Kontrolle der Rebellen ist.
       
       Wie reagiert Ihre Familie? 
       
       Was sollen sie machen? Meine Familie sitzt in ihrer Wohnung und hofft zu
       überleben. Es gibt keinen anderen Ort für sie. Sie können nirgendwo
       hingehen.
       
       Wie erklären Sie sich das massive Bombardement, warum jetzt? 
       
       Ein Grund dürfte sein, dass die Opposition die Gespräche in Genf vor einer
       Woche abgebrochen hat, wegen der Bombardierung. Und sie nun an den
       Verhandlungstisch zurückgebombt werden soll. Wichtiger ist aber die
       Lageeinschätzung von US-Außenminister Kerry, die am 23.5. in der New York
       Times veröffentlicht wurde. Er vermutete, dass die Russen sich nun auf
       Aleppo konzentrierten, weil „Mitglieder der Nusra Front, sich unter die
       Rebellen gemischt haben und die Waffenpause nicht einhalten.“ „Es ist
       schwieriger Terroristen von den Rebellen zu unterscheiden als wir dachten“,
       sagt er.
       
       Sie teilen John Kerrys Einschätzung nicht? 
       
       Nein. Es geht nicht um Al-Nusra oder andere fundamentalistische Gruppen und
       ihre kleinen Siege da und dort in Aleppo und in der Region. Wenn Kerry
       sagt, dass es schwieriger als gedacht sei, zwischen Terroristen und
       Assad-Gegnern zu unterscheiden, gibt er dem Assad-Regime grünes Licht für
       seine Massaker. Genau das findet jetzt in Aleppo statt. Nach jedem Treffen
       in Genf oder in Kairo oder anderswo, bombardieren das Regime und/oder die
       Russen massiv. In den letzten Tagen traf es Dörfer rund um Aleppo, vor
       allem dort, wo die White Helmets eines ihrer Zentren haben. Das Dorf heißt
       al Atareb, und die White Helmets sind eine zivile Einsatztruppe, die
       Menschen nach Bombardements buchstäblich per Hand aus den Trümmern zieht.
       Außerdem wurde das Krankenhaus Al Quds bombardiert. Und nun geht es gegen
       die Assad-Gegner im Zentrum Aleppos.
       
       Auch der letzte verbliebene Kinderarzt wurde offenbar getötet. 
       
       Ja, sein Name ist Mohamad Wassim Maaz. Nach jedem Treffen und vor jedem
       Treffen in Genf oder anderswo beten die Leute in Syrien: „Lieber Gott,
       bitte hilf uns. Lass uns das überleben.“
       
       Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrer Mutter gesprochen? 
       
       Heute. Sie hat mir eine Sprachnachricht über What's App geschickt. „Es ist
       schrecklich. Sie bomben überall. Es ist furchtbar. Wenn du die Kinder hier
       siehst, zerreißt es dir das Herz.“ Dann hat sie mir das beste für meine
       Zukunft gewünscht.
       
       29 Apr 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ines Kappert
       
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