# taz.de -- Kameras in Rauchmeldern: Der Feind im Schlafzimmer
       
       > Getarnte Spionagekameras finden sich in Kulis oder Schlüsselanhängern.
       > Als besonders hinterlistig gelten neuerdings Rauchmelder.
       
 (IMG) Bild: Lieber klein und unschuldig: So eine offensichtliche Überwachung ist von vorgestern
       
       Berlin taz | Der Rauchmelder droht seinen guten Ruf zu verlieren. Zunehmend
       schlägt ihm Misstrauen entgegen. Vorbei sind die Zeiten, in denen er klein,
       weiß und unschuldig an der Schlafzimmerdecke hing und seine Besitzer selig
       schlafen ließ – wussten sie doch, dass er sie im Falle eines Feuers mit
       schrillem Fiepen wecken und sie vor einer Rauchvergiftung retten würde.
       
       Im Internet wird seit Monaten vor der Überwachung durch das Gerät gewarnt.
       „Ich bin entschieden dagegen, das letzte bisschen Privatsphäre, das ich
       noch habe, unter staatliche Dauerkontrolle zu stellen“, schreibt eine Frau
       zum Thema Rauchmelder in einem Ratgeberforum. Auf einer anderen Webseite
       wird erklärt, wie man vermeintlich installierte Kameras am besten findet,
       nämlich indem man [1][das Handy während eines Anrufs auf die verdächtige
       Alarm-Box richtet] und auf Störgeräusche wartet. Und unter einem
       Online-Zeitungsartikel kommentiert jemand, das sich das Ansehen diverser
       Porno-Seiten zum Beweis empfehle: Manches Amateurvideo aus dem Urlaub sei
       aus der Perspektive aufgenommen, die üblicherweise der Rauchmelder im
       Hotelzimmer hat.
       
       Von den Verdächtigungen hat nun auch die Bundesnetzagentur Wind bekommen
       [2][und meldete jüngst], dass sich immer mehr Mini-Kameras in Weckern,
       Kugelschreibern oder eben Rauchmeldern verbergen. Allein im April ist die
       Behörde in mehr als 70 Fällen gegen solche illegalen Angebote vorgegangen.
       
       Tatsächlich werden im Internet viele Geräte angeboten, mit denen verdeckt
       gefilmt werden kann. Wer beim marktführenden Online-Versandhändler nach
       „Spionage + Kamera“ sucht, bekommt fast 600 Treffer. Kugelschreiber oder
       Schlüsselanhänger sind schon für rund 25 Euro zu haben, eine als
       Rauchmelder getarnte Kamera mit WLAN-Verbindung gibt es für unter 100 Euro.
       Die sind besonders umstritten, denn sie können Daten sammeln und direkt ins
       Netz übertragen. Der Täter kann die Videos dann einfach auf seinem eigenen
       Rechner abrufen.
       
       ## Alles olle Verschwörungstheorie?
       
       Mit dem schlechten Ruf des Rauchmelders musste sich auch die
       Brunata-Metrona-Gruppe, einer der größten Hersteller von Rauchmeldern in
       Deutschland, schon auseinandersetzen. Im Januar hatte sich ein Kölner
       Mieter gegen den Einbau des Funk-Rauchmelders „Metrona Star“ gewehrt – aus
       Angst, ausspioniert zu werden. Am Ende verlor er zwar die Klage vor dem
       Bundesverfassungsgericht, doch das Unternehmen hat Lehren aus dem Fall
       gezogen und listet seitdem [3][„Fakten und Mythen zum Rauchmelder“] auf
       seiner Webseite auf.
       
       Darin geht es beispielsweise um den Verdacht, die Funk-Geräte seien mit
       einem Mikrofon ausgestattet. Das stimmt zwar, weil ein
       Ultraschall-Empfänger eingebaut ist. Aber der dient nur dazu, die Position
       des Gerätes festzustellen – also zu testen, ob die Raucheingänge frei
       liegen und nicht durch Wände eingeschränkt werden. Stimmen nehme er nicht
       wahr, erklärt die Firma. Auch andere personenbezogene Daten wie Bilder oder
       Bewegungsprofile könne er nicht übertragen. „Trotzdem haben viele Menschen
       Angst vor Überwachung“, sagt der Unternehmenssprecher Christopher Intsiful.
       
       Die Geburt einer neuen Verschwörungstheorie ist das trotzdem nicht, meint
       der Medienwissenschaftler John Seidel von der Universität Köln. Es sei eher
       anzunehmen, dass der Rauchmelder sich in bestehende, zeitgenössische
       Verschwörungserzählungen einfüge. Darin steht „alles Staatliche im
       Verdacht, irgendwie zum ‚deep state‘ zu gehören, der uns alle versklaven
       möchte“, sagt er. Und seit Rauchmelder speichern und senden können, würden
       sie ebenfalls des Verrats bezichtigt: „Der Rauchmelder stellt eine
       klassische Blackbox dar, die in dem Fall halt in weiß daherkommt.“ Im
       Internet kaufen kann die Fake-Spionage-Rauchmelder – vorerst – immer noch
       jeder.
       
       1 May 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.sicherheitstechnik-journal.de/woran-erkennt-man-einen-rauchmelder-mit-kamera.html
 (DIR) [2] http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1411/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/160425_cam.html?nn=265794
 (DIR) [3] https://www.brunata-metrona.de/unternehmen/newsroom/fachpresse/meldung/news/rauchmelder-star-die-fakten.html?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=9fc50b74ead69a0cfed0c70f50ac6768
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanna Pütz
       
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