# taz.de -- Gedenk-Streit in Bremervörde: Politik setzt Salomon-Straße durch
       
       > Ortsrat von Bremervörde knickt nicht vor Protesten ein: Straßenname soll
       > künftig an einem 1939 schikanierten und vertriebenen jüdischen
       > Viehhändler erinnern.
       
 (IMG) Bild: Systematische Schikane des Nazi-Regimes: Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte 1933
       
       BREMERVÖRDE taz | Die große Peinlichkeit ist abgewendet: Mit klarer
       Mehrheit hat der Bremervörder Ortsrat am Donnerstag erneut beschlossen, die
       Dürerstraße im Stadtteil Engeo ab 1. Mai Joseph-Salomon-Straße zu nennen.
       Der jüdische Viehhändler Salomon hatte dort 30 Jahre lang gelebt und 1939 –
       drangsaliert von den nationalsozialistischen Mitbürgern – Haus und Hof
       verkauft, um in die USA zu emigrieren.
       
       Der Ortsrat hatte die Umbenennung unproblematisch gefunden, weil es um eine
       Durchgangsstraße ohne direkte Anwohner geht. Allerdings gibt es Anrainer,
       die einige der 366 Protest-Unterschriften geleistet haben: Man solle eine
       Straße in einem – noch nicht existenten – Neubaugebiet nach Salomon
       benennen, finden sie, oder einen Radweg. Aber eben nicht diese in den
       1970ern gebaute Straße.
       
       Ähnliches sei auch auf der Ratssitzung am Donnerstag wieder zu hören
       gewesen, sagt der stellvertretende Ortsbürgermeister Alexander Oppermann
       (SPD): „Die Leute fanden es unzumutbar, in einer Salomon-Straße Schnee zu
       schippen und sprachen vom Wegfall des,Wohlfühl-Gefühls'“, erzählt er.
       „Einige fanden, ihr Grundstück verliere dadurch an Wert.“
       
       Offen antisemitisch habe sich zwar niemand geäußert, aber es seien schon
       Sätze gefallen wie „Wir haben nichts gegen Juden, aber …“ Ein Tenor, wie
       ihn in den vergangenen Wochen auch etliche Leserbriefe an die Bremervörder
       Zeitung aufgewiesen hatten.
       
       Solche Proteste hatten weder die Lokalpolitiker erwartet noch der
       Historiker Klaus Volland, der die Umbenennung angeregt hatte. Beleidigungen
       und Anprangerungen habe es geben, sagen Oppermann und Volland. Ein Anwohner
       hatte zeitweilig sogar die Namen jener Ortsratsmitglieder an seinen Zaun
       geheftet, die für die Umbenennung waren. Schließlich wurde der Druck so
       stark, dass Volland einen Kompromiss ins Gespräch brachte: die Benennung
       eines bislang namenlosen Radwegs nach Joseph Salomon.
       
       Diese Variante ist jetzt vom Tisch. „Das hätte ich auch inadäquat
       gefunden“, sagt Oppermann. „Diese große Straße, einst Querachse des
       Salomon-Grundstücks, ist der Sache weitaus angemessener.“
       
       Einzuknicken, sei für ihn nie infrage gekommen, sagt der stellvertretende
       Ortsbürgermeister. „Die Debatte ist schon peinlich genug und wirft kein
       gutes Licht auf Bremervörde.“ Man müsse sich dem stellen, was die Leute
       auch hier den Juden angetan hätten und Flagge zeigen.
       
       Ob die Unterschriftensammler aus der Nachbarschaft das auch so sehen?
       Mitinitiator Diet-her Wolff sagte der taz kurz angebunden, man solle ihn
       „doch damit in Ruhe lassen“.
       
       25 Apr 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Petra Schellen
       
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